Samstag, 28. Mai 2011

Fashion Week! (Week 6)


Die 6. Woche ist vorbei, 66 Klassen sind absolviert und 2 Drittel des 37. Bikram Yoga Teacher Trainings liegen hinter uns! Es war eine anstrengende Woche und ich habe meinen ursprünglichen Plan, am Samstag nach Little Tokyo zu fahren, aufs nächste Wochenende verschoben. Die üblichen 2 Yogaklassen & zumeist auch 2 Posture Clinics pro Tag haben mir körperlich & mental einiges abverlangt und die 2. Samstags-Strafklasse in Folge (meine insgesamt dritte) hat mir gestern den Rest gegeben. Da ich selten vor 2 Uhr ins Bett gekommen bin, aber diese Woche keine Morgenklasse verschlafen haben, war am Wochenende dringend Ausruhen angesagt. Mit jedem Tag gruben sich tiefere Ringe unter meine Augen, und ich war ganz froh jeden Tag um eine Reihe nach hinten versetzt zu werden und den Anblick nicht im Spiegel ertragen zu müssen! Auch ausserhalb des Hotrooms gab es wenig Gelegenheit meine Augen hinter Sonnenbrillen zu verbergen, denn das Wetter ist nach wie vor eher mässig, erst gegen Ende der Woche wurde es endlich wieder sonnig & einigermassen warm. Viele Trainees trafen sich gestern zum kollektiven Abhängen in Venice Beach, was ich aber ausließ und die Ruhe im Hotel nutzte um meinen häuslichen Pflichten (Laundry!) nachzukommen. Einmal mehr bewährte sich unser Einkaufswagerl von Trader Joe's, welches wir mittlerweile nicht nur als Mistkübel, sondern auch als Wäscheständer nutzen:


Der Fokus diese Woche lag ganz eindeutig auf den Posture Clinics. Wir haben mit der Floor Series begonnen, und sind dabei sehr flott vorangeschritten. Gleich 6 Postures musste ich diese Woche präsentieren, bei den meisten anderen waren es sogar 7 (die "Halbe Schildkröte" steht mir erst am Montag bevor). Im Gegensatz zur Standing Series hatte ich mir all diese Übungen vor dem Training überhaupt nicht angeschaut, daher war wie zu Schulzeiten mein Kurzzeitgedächtnis gefordert! Zumindest sind diese Übungen alle etwas kürzer und mittlerweile sind wir auch mit den typischen, wiederkehrenden & grammatikalisch mehr als fragwürdigen Phrasen des Teacher's Dialogue (wie etwa "Touch your exactly forehead to the knee!") vertraut, was das Auswendig-Lernen doch deutlich erleichtert. Aber dennoch blieb diese Woche ein etwas bitterer Nachgeschmack, denn am Ende hatte ich das Gefühl die meisten Postures schon wieder vergessen oder durcheinandergebracht zu haben. Auch die Erinnerungen an meine Auftritte verschwimmen, aber 2 Postures werden mir aufgrund "besonderer Aufgabenstellungen" länger im Gedächtnis bleiben:

Am Montag eröffnete ich den Posture-Reigen nämlich mit Pavanamuktasana, und meine Hausaufgabe bestand darin den Dialogue zu singen! Nachdem ich mir anfangs noch eifrig den Kopf über mögliche Songs zermarterte, hatte ich am Sonntag bereits resigniert, weil ich noch nichtmal den Text der Übung konnte, geschweige denn ihn in einer Melodie unterzubringen. Ich beschloss daher, der Hausübung aus dem Weg zu gehen und begann schon, mir eine Ausrede zurechtzulegen. In der Monday Morning Class mit Nicole Stroud aus Phoenix/Arizona küsste mich dann aber die Muse, und ich fand einen Weg Pavanamuktasana mit "Give it Away" von den Red Hot Chili Peppers zu kreuzen... als sich dann auch noch herausstellte dass wir an diesem Tag im grossen Catalina Room antreten mussten (Mikro! Bühne!) beschloss ich mich doch an der Hausaufgabe zu versuchen. Die Lehrer betonen ja immer wieder, dass die Posture Clinics einem Versuchslabor gleichen - hier können wir im sicheren Rahmen unterschiedlichste Ideen & Techniken ausprobieren, um herauszufinden was zu uns passt, funktioniert oder nicht funktioniert. Oft locken uns die Lehrer auch bewusst aus der Reserve, um neue oder verborgene Seiten an uns zum Vorschein zu bringen und lassen uns dabei in fremde Rollen schlüpfen. Adam als Polizist (der seinen Demonstratoren das Bikram Yoga Law unter vorgehaltener Bananen-Knarre vortrug), der zaghafte Aaron als Crouching Tiger, Hidden Dragon oder die sonst eher ernste Liz als Vamp (sie musste ihre Schüler zu einer Übung "verführen") waren nur einige der Highlights der letzten Woche!

Adam Kelly: "Banana Policemen don't take shit from anyone!"

Ich schlüpfte montags eben in die Rolle von Anthony Kiedis und die Rolle stand mir überraschend gut - mein Verschnitt aus Pavana Muktasana & "Give it Away" kam jedenfalls gut an, und die Freiheiten die ich mir beim Text nahm ("what i got you gotta give it to your daugher, you do a little yoga, then you drink a littler water") sorgten für viel Applaus & Gelächter, und die Leiterin unserer Posture Clinic meinte gar ich müsse das später unbedingt auch mal in meine Klassen einbringen! :-) Im Verlauf der Woche musste ich dann mehrfach an meinem Alter Ego als "Rockstar" arbeiten, bei Full Locust (einer Position bei der man mit ausgebreiteten Armen vom Boden abheben muss) flocht ich einen Lenny-Kravitz-Refrain ("I wanna flyyyy away") ein und hielt meinen 3 Modellen dabei ein imaginäres Mikro vor die Nase um die 3 Yeah's mitzusingen. Als ich gegen Ende der Woche meiner Rolle etwas überdrüssig wurde und Bow Pose auf ganz unspektakuläre Weise vortragen wollte, meinte Alex - ein äusserst witziger & engagierter Gastlehrer aus Grossbritannien, den wir letzte Woche mehrfach in den Clinics hatten - "You don't have to be rockstar every day, but it's something you should keep in your pocket!". Wenn ihr zukünftig also bei meinen Stunden das Gefühl habt, im falschen Film zu sein (Karaoke- statt Yoga-Tempel), dann denkt bitte immer daran dass das nicht auf meinem Mist gewachsen ist! ;-)

Diese Woche stand ausserdem unter dem Motto "Fashion Week" und als echter Rocker hab ich mir da natürlich gleich ein neues Tattoo verpassen lassen - bei den Amis ist ein solches Tribal als Tramp Stamp bekannt, aber alle mussten zugeben dass unsere Bezeichnung Ass Antlers (wörtliche Übersetzung für "Arschgeweih") noch wesentlich gelungener ist! ;-)

Als der Begriff "Fashion Week" zu Beginn der Woche erstmals fiel, war uns noch nicht ganz klar was wir uns darunter vorstellen sollten, und Mitte der Woche war ich der Annahme es einfach akustisch missverstanden und mit "Fascia (ausgesprochen: Faascha) Week" verwechselt zu haben. Am Mittwoch & Donnerstag hatten wir nämlich eine sehr interessante Vorlesung von Jon Burras zum Thema Fascia & Emotional Anatomy, bei der der englische Begriff Fascia unzählige Male zu fallen schien. Einige Kollegen (denen das Wort Faszie vor dem Training natürlich noch nie untergekommen war) machten sich darüber lustig und orteten im fehlenden Doktortitel von Jon Burras Inkompetenz - er ist das, was man bei uns im allgemeinen unter "Alternativmediziner" versteht - aber ich empfand seinen Vortrag, den er mit einer Vielzahl an selbstgebastelten "Gimmicks" ausschmückte, sehr interessant und als interessante Ergänzung zum Anatomieunterricht des allseits beliebten "Dr. P."!


Dass wir uns zu Beginn der Woche aber nicht verhört hatten, und es tatsächlich "Fashion Week" und nicht "Fascia Week" heissen sollte, wurde dann am Freitag klar: der gesamte Bikram Yoga Staff belohnte uns vor der Abendklasse mit einer witzigen Tanzeinlage im Hotroom, bei der auch Geschenke (Yoga-Wear & Bücher) unters Volk geworfen wurden.


Danach gab es eine heisse & tolle Klasse mit Judes Yang, für die ich ihr mindestens ein Höschen oder einen BH zurück aufs Podium geworfen hätte, hätte ich einen gefangen. Aber niemand wollte sich natürlich von den neugewonnenen Wäschestücken trennen, die Obsession mancher Mädels mit ihrer Yogawäsche war ja bereits vor dem Training abzusehen (bereits Monate vorher wurde im Forum diskutiert wieviele und welche Lieblingsteile für L.A. eingepackt werden) und 10 Garnituren sind keine Seltenheit! Auch der Yard Sale einiger Yogawäsche-Anbieter hinter dem Hotel war heiss begehrt - bis ihn Bikram verbieten liess und uns untersagte von irgendwelchen Anbietern im Hotel Wäsche abzukaufen (wozu auch - schliesslich hat er unten im Gift Shop eine eigene Bikram Boutique mit seinen Artikeln eingerichtet... diese sind aber auch wirklich günstig und ich hab mich bereits mit 3 Ruderleiberln zum Unterrichten eingedeckt). Der Schwarzmarkt scheint jedenfalls trotzdem zu blühen: am Donnerstag traf ich im Aufzug eine junge Dame, die Yogawäsche von SHAKTI in neutralen Einkaufstüten ins Hotel "geschmuggelt" hatte und in irgendeinem Zimmer unters Volk brachte. Eigentlich hat uns Bikram auch gebeten solche Aktivitäten sofort zu melden, aber wenn es um Kleidung geht, hört es sich bei den Mädels offenbar auch mit der Loyalität zu Bikram auf (ich bin ja nur froh, dass im Hotroom keine Schuhe benötigt werden!) und schliesslich befinden wir uns hier immer noch im Shoppingparadies L.A.! Auch ich beteiligte mich indirekt an der Schnäppchenjagd, da Kati sich ein paar schicke Teile in den USA online bestellte und zu mir ins Radisson schicken liess. Mein Zimmerkollege Stephen liess es sich auch nicht nehmen diese gleich anzuprobieren:


Dass es aber auch preiswerter geht, und Frau bereits mit einer um die Hüften gewickelten Yogamatte und einem kleinen Yoga-Handtascherl (Modell: Tower of Shame) ganz gute Figur machen kann (wenn schon nicht am Rodeo Drive, dann zumindest im 2. Stock des Radisson LAX!) beweist Julia aus Wien auf dem folgenden Foto:


Mein Beitrag zur Fashion Week war mein OnePiece-Overall, der schon für einiges Aufsehen bei den Yogis gesorgt hat. Hin und wieder ernte ich damit zwar stirnrunzelnde Blicke, aber schon eine ganze Menge Yogis haben mich gefragt wo ich dieses bequeme Teil denn her habe, und einige haben auch schon Interesse bekundet sich selbst einen Strampler zuzulegen. Meine Ankündigung im ONE PIECE Shop am Robertson Blvd in West Hollywood, dass ich nur die Vorhut bin und demnächst ein ganzer Haufen Yogis aufkreuzen werden, könnte sich also durchaus bewahrheiten. Vielleicht bekomm ich dann ja eine Vermittlungsprovision und kann mir noch einen Zweit-Overall leisten? :-)

Nach der Tanzeinlage im Hotroom am Freitagabend bekamen einige Trainees dann auch Lust sich selbst ein bissl die Beine zu vertreten und tanzten zu Mishon's Dancefloor-Beats im Catalina Room. Ich selbst blieb draussen bei den Aufzügen, wo sich Mike aus Toronto, Mark aus Phoenix & Joe aus Christchurch zu einer netten Akustik-Gitarrensession eingefunden hatten. Die Songauswahl war ganz nach meinem Geschmack, und ihr Cover von Eddie Vedder's "Hard Sun" (inkl. windschiefer Background-Gesänge meinerseits *g*) hab ich sogar mitgefilmt - kann es aber leider (oder zum Glück!) aus Platzgründen nicht online stellen...

Bring on Week 7!

Montag, 23. Mai 2011

Solid, Concrete, O n e P i e c e ! (Week 5)

Die 5. Woche am Teacher Trainings ist vorüber, und es war die wohl ereignisreichste Woche bisher, ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll... am besten zu Beginn - bei der 8 Uhr 30 Montagmorgenklasse. Der Trend an sehens- und hörenswerten Gastlehrern fand seine Fortsetzung in Gestalt von Martha Williams, die mit ihrem Mann das Bikram Yoga Studio in Minneapolis/Minnesota betreibt. Die Einwohner dieses nördlichen US-Bundesstaates gelten allgemein als friendly bunch (wer je den Film Fargo gesehen hat, weiss wovon ich spreche), und es wird ihnen eine gewisse Kauzigkeit nachgesagt; Martha Williams bestätigte dieses Klischee, denn sie verbreitete von Beginn an gute Laune, liess uns in Full Locust Pose gemeinsam "Sweet Caroline" singen, und legte am Ende der Stunde "Forever Young" von Bob Dylan (der ja im übrigen auch aus Duluth/Minnesota stammt) auf. Die Klasse fiel mir zwar nicht leicht - ich hatte viel zuwenig geschlafen und noch ganz geschwollene Augen & Finger im Hotroom (letzteres machte es zumindest leichter den "nice tight grip" zu behalten) - aber damit hatte sie mich endgültig gewonnen. Can't go wrong with Bob Dylan.

Danach folgte der Anatomie-Test, und auch der sorgte für einige Lacher. Es war ein Multiple Choice Test mit einigen originellen Antwortmöglichkeiten. Beispielsweise: "Wo befinden sich die Langerhans'schen Inseln?" - die korrekte Antwort war pancreas (Bauchspeicheldrüse) aber man konnte auch mit "50 Meilen von Tahiti" antworten. Oder die Frage "Wo wird der Liquor (Hirnflüssigkeit) produziert?" - die Antwort war der Subarachnoidalraum (subarachnoid space), aber man hätte auch mit "Outer Space" antworten können (vielleicht war das gleich ein versteckter Drogentest?) Auf die Frage, woraus Nierensteine bestehen (Calcium) gab es gleich 2 kuriose Antwortmöglichkeiten: "Love" & "Chicken". Ansonsten war der Test aber durchaus ernstzunehmen, und es gab sogar Leute die ihn wiederholen mussten um auf die erforderlichen 70% zu kommen. Mir unterlief zwar wieder ein Fehler (ich verwechselte thyroid mit parathyroid), aber insgesamt lag ich mit 98 von 100 Punkten immer noch im Spitzenfeld (eine einzige Person erzielte die absolute Höchstzahl von 100 Punkten).

Die Posture Clinics dieser Woche eröffnete ich mit der ersten Grätschübung, dem Seperate Leg Stretch. Nicht meine beste, aber auch nicht meine schlechteste Performance. Nancy aus Seattle meinte ich solle den Demonstratoren ein bisschen mehr Aufmerksamkeit schenken und empathischer unterrichten: "Don't get me wrong, you're doing great - but you're ready for more!". Abends hatten wir dann eine Bikram-Lecture zum Thema Success, die er mit einer Reihe an Witzen eröffnete. Die Pointen waren hit & miss - aber alleine dem Mann zuzuhören wie er genüsslich seine Witze ausbreitete, brachte mich zum Lachen. Und auch wenn es oft schwer ist ihm zu folgen, wenn er über Yoga philosophiert - mit dem Thema "Erfolg" kennt er sich aus, und es gab tatsächlich viele interessante Tipps & persönliche Anekdoten zur Frage was einen erfolgreichen Yogalehrer ausmacht. Natürlich gefolgt von einer weiteren Episode der Mahabharata, die sich aber leider als ebensowenig unterhaltsam herausstellt wie die restlichen Bollywood-Schinken (abgesehen von einigen haarsträubenden Schnittfehlern und der hypnotischen Sitar-Untermalung). Die Erstausstrahlung dieser 92-teiligen TV-Serie hat in Indien angeblich das gesamte öffentliche Leben lahmgelegt (weil das ganze Land wie gebannt vor den Fernsehgeräten saß), bei mir bewirkt sie leider nur schwere Augenlider. Zu allem Übel bekamen wir am Dienstag gleich eine weitere Episode serviert, die ich am Ende zwischen den Sitzreihen schlafend am Boden konsumierte. Davor gab es allerdings eine interessante Gastvortragende: Jeanne Heaton - ihr Artikel "A Teacher with Experience" in der NY Times war laut Bikram "die beste Publicity für Bikram Yoga seit Jahren" und ist wirklich lesenswert! Die Frau hat es sich mittlerweile auf die Fahnen geheftet, Bikram Yoga in die Gefängnisse und Rehabzentren Amerikas zu bringen und schloss mit den Worten: "there's a lot of work left to do"...

Der Mittwoch war ein spezieller Tag. Es begann gleich einmal damit, dass ich - gezeichnet von den beiden Mahabharata Sessions - die Morgenklasse verschlief und somit automatisch ein Ticket für die samstägliche Makeup-Class löste. Ein Übel das ich aber gerne in Kauf nahm, um dafür mal wieder in aller Ruhe frühstücken zu können. Nachmittags in der Posture Clinic waren wir dann im Catalina Room (dem grössten Seminarraum, in dem alle unseren Vorlesungen stattfinden) und mussten erstmals mit Headset "unterrichten". Dabei stand mit dem Triangle eine der wichtigsten und umfangreichsten Asanas auf dem Programm. Zusätzlich gab es dabei nun auch allerlei Ablenkungen mit denen wir fertig werden mussten während wir wie gewohnt unseren Dialogue abspulen sollten. So mussten wir beispielsweise im Raum herumgehen, Lichtschalter betätigen, Jalousien herunterlassen, oder eine Decke zusammenfalten. Eine Kollegin, deren Hausaufgabe darin bestand an der Projektion ihrer Stimme zu arbeiten, musste sich in der Ecke des Raumes (weit entfernt von den 3 Demonstratoren) auf einen Sessel stellen und den Dialogue förmlich durch den Raum "bellen".


Ich lieferte beim Triangle trotz Ablenkungen meine bisher wohl souveränste Performance ab, und legte am selben Abend in einer weiteren Posture Clinic auch noch die letzte Grätschübung (Standing Seperate Leg Head-to-Knee) nach, durfte also wirklich zufrieden sein. Ausserdem entschädigte mich die Yoga-Abendklasse für die versäumte Klasse vom Vormittag: Lisa Ingle, ein Energiebündel aus San Antonio/Texas, brachte mit ihrem "fastest Triangle in the world" (etwa auf 15 Sekunden kondensierter & stakkatoartig vorgetragener Dialogue) den Hotroom zum Kochen - eine unvergessliche Klasse, nicht zuletzt weil es die 50. Klasse war und somit genau die Halbzeit des Trainings markierte. Diesen Meilenstein feierten wir dann abends auch noch mit einem Gruppenphoto im Catalina Room. Mittlerweile kennen sich in den Kleingruppen alle beim Namen und auch unsere Group 10 wächst zu einer richtig eingeschworenen Truppe zusammen:

Group 10!

Das Kuriose ist: obwohl wir privat wenig voneinander wissen (man kommt aufgrund des dicht gedrängten Zeitplanes selten dazu länger miteinander zu plaudern) kennen wir einander doch ganz genau: bei den Posture Clinics steht man vor etwa 40 Leuten auf dem Präsentierteller, und wird täglich aufs Neue mit seinen eigenen Stärken & Schwächen, Dämonen & Schweinehunden konfrontiert. Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel man in diesen 3-4 Minuten über Leute herausfindet, und wie sich immer wieder neue Facetten an Kollegen offenbaren, die man bereits in eine Schublade eingeordnet hatte. Und selbst wenn man manchmal Kritik erntet und die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit unbequeme Seiten hat: man springt gerne über seinen Schatten, weil man das Gefühl hat an diesen Situationen wirklich wachsen zu können. Auch wenn mein Zimmerkollege Stephen gerne über die "Yoga Police" grantelt: ich finde es herrscht eine respektvolle & freundschaftliche Zusammenarbeit: die Lehrer versuchen jeden dort abzuholen wo er/sie gerade steht, und einen besseren Lehrer aus ihm/ihr zu machen. All die beteiligten Lehrer & Studenten sind es, die dieses Training letztendlich zu dem machen was es ist - ebenso wie es all die Lehrer & Schüler rund um den Globus sind, die Bikram Yoga zu dem machen was es ist: nicht bloss ein Workout, sondern eine stetig wachsende, aber dennoch eng verknüpfte Gemeinschaft, die es sich - ganz simpel auf den Punkt gebracht - zum Ziel gesetzt hat das Leben der Menschen zu verbessern!

Shelby Rayner von Bikram Yoga Avondale in Arizona wird mir da besonders positiv in Erinnerung bleiben: ihre Posture Clinic am Freitag war nicht nur eine der lehrreichsten, sondern auch unterhaltsamsten Clinics bisher, ihre Energie war ansteckend, und sie entdeckte bei jedem eine Schwachstelle die es auszumerzen galt. Zwar verlief meine Präsentation von Tree Pose & Toe Stand gänzlich anders als ich mir das vorgestellt und im Kopf ausgemalt hatte, aber es war eine wirklich lehrreiche Erfahrung! Es ist wirklich toll (und ein Beweis des Zusammenhaltes in der Bikram Yoga Community) dass all diese tollen Lehrer aus allen Ecken der USA (teilweise auch auch Übersee) zum Training kommen um ihr Wissen weiterzugeben! Sie machen das Training zu dem, was auf der Bikram Yoga Homepage geschrieben steht: "Bikram Yoga Teacher Training program is the most exciting, hard-working, intensive, effective, amusing and glamorous Yoga class in the world!"

Ähnlich amusing & glamorous war es bereits am Vorabend zugegangen: bereits während der Nachmittagsvorlesung von Emmy Cleaves machten sich Gerüchte breit, dass die Abendklasse angeblich von Rajashree gehalten werden würde, während Bikram durch den Raum gehen und uns korrigieren würde. Es kam allerdings noch wesentlich bunter: Rajashree hatte etwas Verspätung, und so leitete uns zunächst Jim Kallet durch die Aufwärmpositionen, übergab das Mikro aber dann an die mittlerweile eingetroffene Rajashree, die uns durch die restliche Standing Series begleitete und erklärte dass Bikram später eintreffen würde da er noch auf einem Photoshooting vom GQ Magazin wäre... ;-) Bikram traf dann tatsächlich ein, erzählte ein paar seiner üblichen Anekdoten, und instruierte die "Heuschrecke" (Locust Pose), danach übergab er allerdings sofort wieder an Rajashree und verliess den Raum. Diese schien dann die Lust ebenfalls verlassen zu haben (oder sie wollte etwas Zeit mit ihrem Ehemann verbringen), weil sie übergab nach dem Floor Bow wiederum an Jim Kallet, der die Stunde zu Ende führte. Es war gar nicht leicht bei all den Wechseln die Konzentration zu behalten, und auch eine sehr heisse Klasse. Viele Leute verliessen vorzeitig den Raum, und auch ich musste mich - nachdem ich bereits vor Camel Pose k.o. gegangen war - zwingen bis zum Schluss im Raum zu bleiben. Allerdings bewahrheitete es sich wieder einmal, dass die härtesten Klassen oft die lohnendsten sind - kurz zuvor noch erschöpft, ist man wenig später euphorisiert und belebt!

Jim Kallet verglich das Ende von Woche 5 mit dem Kamm einer Welle: bisher war es eine uphill battle, nun heisst es diese Welle abzusurfen und die verbleibende Zeit zu geniessen. Nichtsdestotrotz warnte er uns auch vor, dass gerade in Woche 6 und 7 viele Leute körperlich und mental einbrechen. Auch ich habe in der letzten Woche körperlich ein bisschen die Strapazen gespürt (durch die vielen Vorwärtsbeugen habe ich das Gefühl, als ob meine Wirbelsäulen-Dornfortsätze kurz davor sind die Haut an meinem Rücken durchzuscheuern) und am Freitag eine weitere Morgenklasse verschlafen, was mir auch für nächsten Samstag bereits eine Makeup-Class eingebracht hat. Aber dennoch war es eine unvergessliche Woche, und ich freue mich auf jeden einzelnen Tag der uns noch bevorsteht.

Am Wochenende hab ich mir zur Belohnung dann ein wenig Retail Therapy gegönnt, und hab mir in West Hollywood neben 2 T-Shirts einen jener ONE PIECE Overalls gekauft, die im Moment so angesagt sind. Zwar hab ich nicht vor, damit am Würstelstand am Hohen Markt aufzukreuzen (wie neulich ein Pärchen im Rahmen einer Promotion-Aktion) aber für unsere langen Tage & Abende im Radisson ist so ein "Strampler für Erwachsene" (Zitat Knolly) zum Überziehen wohl das bequemste & praktischste Kleidungsstück überhaupt. (bei den Posture Clinics müssen wir immer im Yoga-Outfit antreten, und das oft in Räumen die im Gegensatz zum Hotroom klimatisiert & kühl sind). Bin schon gespannt wie mein Outfit bei den Kollegen ankommt! :-)


Montag, 16. Mai 2011

Take me out to the ballgame!


Vergangenen Sonntag war es endlich soweit - ich war bei meinem ersten Major-League-Baseballspiel! Wer mich schon länger kennt, weiss dass das ein ganz spezieller Moment für mich war, denn Baseball war meine Jugendliebe, und ich bin dem Sport für einige Jahre verfallen. Es war vermutlich der erste Mannschaftssport den ich wirklich gerne betrieben hab. Weder ans Eishockey- (bei den Miniknaben vom EC Stadlau) noch ans Fussballspielen (bei den Knaben vom SV Essling) in meiner Jugend hab ich allzu positive Erinnerungen, aber Baseball (etwa von 1990 bis 1993 bei den Vienna Homerunners)... das war eine tolle Zeit, an die ich fast wehmütig zurückdenke.

Begonnen hat es durch Zufall: auf dem internationalen Pfadfinderlager "VIENNA '90" in Laxenburg beobachtete ich ein paar Amerikaner beim Baseballspielen; und da wir alle lieber Baseballspielen als Gulaschkanonen putzen wollten, schnitzten wir uns kurzerhand ein paar Äste zurecht und schlugen selbst Tennisbälle in die Botanik. Ich weiss noch dass wir daraufhin eine Verwarnung von unserem "Führer" bekamen (ja die hiessen wirklich so bei den Pfadfindern...) aber das war mir relativ egal: unmittelbar nach dem VIENNA '90 beendete ich meine Pfadfinder- und startete meine Baseball-Karriere!

Damals konnte ich vom Baseball nicht genug kriegen. Meine Schulhefte waren mit Fotos von Profis der Major League beklebt, zuhause nervte ich meine Familie mit dem Aufzeichnungen von Spielen auf VHS-Kassetten, die mir Freunde mit Kabelanschluss angefertigt hatten, und die ich mir immer und immer wieder ansehen konnte (nicht unähnlich Bikram mit seinen Hindi-Filmen). Öfters kaufte ich mir in Wien auch Ausgaben der USA TODAY, bloss um die neuesten Ergebnisse & Statistiken zu verfolgen, schliesslich gab es damals ja noch kein Internet. Die World Series (so nennt sich das Finale der amerikanischen Baseballmeisterschaft, welches die Amerikaner aber ganz unbescheiden mit Weltmeisterschaften gleichsetzen) 1991 zwischen Atlanta und Minnesota war eine der spannendsten der Geschichte, leider bekam ich sie nur aus den Zeitungen mit. Die World Series '92 zwischen Atlanta und Toronto besitze ich jedoch immer noch in meiner VHS Sammlung.

Für viele war es schwer zu verstehen was mich am Baseball so fesselte. Meine Eltern fanden es lediglich langweilig, weil die Spieler "doch die meiste Zeit nur rumstehen" - und da konnte ich ihnen nichtmal widersprechen. Aber das Spiel hat unbestritten seinen Reiz: die simple Befriedigung, die man beim Schlagen, Werfen & Fangen eines Balles empfinden kann, wird hierzulande unterschätzt, und es ist ein Spiel das jedem eine faire Chance gibt, egal welche Physiognomie man mit sich bringt, etwas was amerikanische Sportarten ohnehin auszeichnet. Und nicht zuletzt es ist ein Spiel für Tüftler: der Begriff "Rasenschach" ist hier viel eher angebracht als im Fussball, und in keinem anderen Sport wird dermassen viel Zahlenmaterial erhoben - ich vertrete sogar die These, dass sich die Erfindung von Sportstatistiken im allgemeinen auf Baseball gründet; immerhin ist es die älteste Sportart Nordamerikas.

Kurzum: wer bei keinem Baseballspiel war, der hat Amerika nicht verstanden - Football oder Basketball mögen dem Sport zwar in Sachen Popularität und Werbewirksamkeit den Rang abgelaufen haben, aber Baseball ist und bleibt "America's favourite pastime" - der Amerikaner liebster Zeitvertreib! Es ist der Sport, der (ähnlich wie bei uns Fussball, allerdings auf einem, wie ich finde, gehobeneren Niveau) sich durch sämtliche Gesellschaftsschichten zieht, es ist der "social glue" der die Amerikaner vereint. Zum Baseball geht man mit Kind & Kegel, oder vielleicht sogar beim ersten Date - Karten sind relativ erschwinglich und leicht zu bekommen, und die Spiele dauern relativ lange, ohne dass man dabei ständig aufmerksam sein muss, ideal also um ein bisschen zu plaudern und nebenbei einen Hotdog zu verdrücken!


Der Sport ist allgegenwärtig in den USA, man entkommt ihm kaum. Die reguläre Saison läuft von April bis Oktober und beinhaltet für jede Mannschaft die unglaubliche Anzahl von 162 Spielen im Grunddurchgang, ein freier Tag ist für Baseballprofis also eine Seltenheit. Und ich finde es irgendwie bezeichnend dass die Saison somit meinen gesamten USA-Aufenthalt begleiten wird, da ich von April bis Oktober hierbleiben möche. Ich habe vor meiner Abreise sogar 10 EUR auf einen World-Series-Titel der Chicago Cubs, den grossen Unglücksraben der Liga, gesetzt. Seit ca. 100 Jahren hat dieses Traditionsteam keinen Titel mehr gewonnen, und keiner Mannschaft wäre es mehr zu vergönnen. Sollte es wirklich dazu kommen (was unwahrscheinlich ist), werde ich nicht nur um 400 EUR reicher sein, sondern vor meinem Abflug vielleicht sogar noch Zeuge dieses historischen Ereignisses, denn meinen Rückflug werde ich Ende Oktober von Chicago antreten.

Das Spiel der L.A. Dodgers gegen die Arizona Diamondbacks war für mich eine willkommene Abwechslung vom Yoga, und ich konnte auch 3 weitere Trainees für die Idee gewinnen und ein wenig besser kennenlernen: Mike Huber aus South Dakota, sowie Kelly & Courtney Green aus Phoenix/Arizona, die natürlich der Gastmannschaft die Daumen drückten. Und es war gleichzeitig auch ein Sightseeing-Trip: das Dodger Stadium wurde 1962 erbaut und ist damit das drittälteste Stadion der Major League, welches noch benutzt wird, nur übertroffen von Boston's berühmt-berüchtigtem Fenway Park & Chicago's charmant-nostalgischem Wrigley Field!


Ich hatte per Internet Karten besorgt, und zwar die günstigsten, für nur 12$ am "Upper Deck ". Diese waren ihr Geld aber absolut wert - wir waren alle begeistert von der tollen Aussicht - hinter uns Downtown L.A., vor uns die Santa Monica Mountains, und zu unseren Füssen das gepflegte Spielfeld, welches im Baseball aufgrund seiner Form als diamond bezeichnet wird.


Natürlich waren wir nicht nahe genug am Geschehen, um das Duell zwischen Werfer & Schlagmann (Pitcher & Batter), welches das Herz eines Baseballspiels bildet, wirklich mitverfolgen zu können, aber wir hatten dafür einen wunderschönen Überblick auf das Spielfeld, und ausserdem herrlich sonnige Plätze! Und kaum hatten wir Platz genommen, gab es auch gleich 2 aufeinanderfolgende Homeruns der Gäste aus Arizona. Dabei wird der Ball vom Schlagmann über die Spielfeldbegrenzung, und somit für die verteidigende Mannschaft unerreichbar, hinausgeschlagen, was zu mindestens einem, und maximal 4 Punkten (Runs) führt. Der unten abgebildete Wurf vom Linkshänder Ted Lilly (er wirft von einem flachen Hügel, dem sogenannten Mound) führte übrigens zum zweiten Homerun, und einer 4-0 Führung für Arizona.


Am Ergebnis sollte sich auch nicht mehr allzu viel ändern, die Dodgers konnten nur einen Run aufholen und verloren 4-1. Auch das Spiel am Vortag ging mit 0-1 verloren, und die Mannschaft steht dementsprechend wegen ihrer schwachen Offensivleistungen in der Kritik. Auch Andre Ethier, der Star der Dodgers welcher noch vor kurzem mit einer Serie an Treffern fast einen Clubrekord eingestellt hätte, ging an diesem Abend leer aus. Überhaupt herrscht derzeit Krisenstimmung in Dodgertown: der Franchise soll verkauft werden, weil sich der Eigentümer Fred McCourt das Team angeblich nicht mehr leisten kann. Die Besucherzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken wie bei keinem anderen Team, und dazu kam noch ein ganz übler Skandal am Opening Day, beim 1. Saisonspiel Anfang April gegen die San Francisco Giants: Bryan Stow, ein 42-jähriger angereister Giants-Fan aus Santa Cruz, wurde dabei nach dem Spiel auf dem Parkplatz vor dem Stadion von 2 unbekannten Tätern brutalst zusammengeschlagen und mit schweren Kopfverletzungen ins Spital eingeliefert, wo er sich seither im künstlichen Tiefschlaf befindet. Der Skandal hat ganz Kalifornien erschüttert, die Polizeipräsenz vor dem Stadion am Sonntag war unübersehbar. Auf Hinweise zur Identifizierung der Täter wurde eine hohe Belohnung ausgesetzt und ganz L.A. sowie die Baseballszene betrauern den entsetzlichen (und für die Baseballszene untypischen) Vorfall. Ein Spendenkonto, der Bryan Stow Fund, wurde eingerichtet und Teambesitzer Frank McCourt hat sämtliche Krankenhauskosten in L.A. übernommen. Bryan Stow wurde indessen gestern nach San Francisco in eine Spezialklinik überstellt, aber es ist fraglich ob er sich von seinen Verletzungen jemals vollständig erholen wird.

All diese kleinen & grossen Katastrophen waren anschliessend auch Gesprächstoff im Philippe, einem legendären Lokal in Chinatown, welches für seine "French Sandwiches", den hausgemachten scharfen Senf, sowie Kaffee um 0.09 Dollar (kein Druckfehler!!) berühmt ist. Das Lokal, auf das wir durch den Lonely Planet gestossen sind, wird von Einheimischen, Touristen & Baseballfans, ganz gleich ob jung oder alt, frequentiert, und auch wir hatten ein paar interessante Gesprächspartner an unserem Tisch...


Insgesamt war es wirklich ein perfekter Tag, und mein nächstes Baseballspiel ist schon fix eingeplant: mit Kati am 5. Juli im AT&T Park in San Francisco, beim Spiel der heimischen Giants gegen die San Diego Padres. Mit ein bisschen Glück bekommen wir da vielleicht sogar den Ausnahmwerfer Tim Lincecum zu sehen, der den Giants letztes Jahr den Weg zum World-Series-Titel ebnete! Aber noch mehr wünsche ich mir, dass es bis dahin vielleicht erfreuliche Neuigkeiten von Bryan Stow gibt...

Sonntag, 15. Mai 2011

"Go out and change your tampon!" (Week 4)

Nachdem in Österreich scheinbar schon die Grillsaison eröffnet wird, wird es Zeit ein paar Worte übers Wetter zu verlieren: It's way too grey for L.A.! Ich war zwar noch nie in Sunny Southern California, aber ich glaube behaupten zu können, dass es derzeit ungewöhnlich kühl für diese Jahreszeit ist. Dementsprechend wenig frequentiert war letzte Woche auch der Hotelpool im Radisson, den ich ansonsten gern für eine Abkühlung und ein kleines Sonnenbad nach der Morgenklasse nutze. Der dezente Teint, den ich in den ersten Wochen aufgerissen hab, ist auch fast wieder verschwunden. Klar: Yoga is not about how you look, it's about how you feel! Und natürlich kann man es schlimmer erwischen als in einer Stadt mit 300 Sonnentagen pro Jahr, aber trotzdem: die Lufttemperatur war die ganze letzte Woche ziemlich kühl, und ich vermisse das Dialogue-Lernen am Pool. Die Vorschau für kommende Woche sieht leider recht ähnlich aus (maximal 70 Grad Fahrenheit), sogar von Regenschauern ist die Rede. Aber was soll's, ich werd schon noch zu meinem kalifornischen Sommer kommen, spätestens nach Ende des Trainings!

Woche 4 begann sehr vielversprechend: ich war gut erholt vom Wochenende und durfte am Montag in der front row eröffnen. In meinem Heimstudio in Wien ist das etwas selbstverständliches (dort haben wir ja auch nur 2 Reihen), aber im International Ballroom des Radisson gibt es 10 Reihen, und um für etwas Abwechslung zu sorgen bzw. zu verhindern dass man es sich irgendwo dauerhaft gemütlich macht (die rechte vordere Ecke des Raumes hat sich bereits als coolster, dh. kühlster, Ort herumgesprochen...), werden wir seit der Einteilung in unsere Gruppen täglich um eine Reihe nach hinten versetzt. Das Rechts-Links-Gefälle bleibt aber trotzdem bestehen, und nachdem ich selten Lust habe, früher als 15 Minuten vor Klassenbeginn im Raum zu sein, finde ich mich zumeist in der linken Hälfte des Raumes wieder. Mein Zimmerkollege Stephen dagegen, der morgens bereits das Zimmer verlässt,wenn ich gerade mal beginne den Wecker zu hören, ist ausnahmslos in der rechten Hälfte des Raumes zu finden. Wir sind nun mal alle Gewohnheitstiere.

Die Abwechslung während der Klassen hat ohnehin weniger damit zu tun wo man sich im Raum befindet, als mit der Frage wer auf dem Podium steht, und auch da wird uns viel Abwechslung geboten. Es ist wohl eine der angenehmsten Nebenerscheinungen beim Teacher Training, dass man in den Genuss so vieler ausgezeichneter Lehrer kommt! Neben unseren principal teachers, zu denen ich Bikram & Rajashree Choudhury, Emmy Cleaves & Jim Kallet zählen würde, werden wir jede Woche mit zahlreichen neuen Gastlehrern überrascht, was doch etwas Abwechslung in unseren ansonsten recht monotonen Tagesablauf aus Yogaklassen, Posture Clinics & Anatomy Lectures bringt. Und die Lehrer am Teacher Training sind nicht irgendwelche Lehrer: viele von ihnen sind Studiobesitzer, die sich bewusst die (Aus)Zeit nehmen, um am Teacher Training mitzuwirken und ihr Wissen & ihre Erfahrung im Rahmen der Yogaklassen oder Posture Clinics weiterzugeben. Manche geniessen sogar regelrechten Kultstatus, wie etwa John Salvatore aus Las Vegas, der neben seiner Tätigkeit als Bikram-Yoga-Instruktor auch ein bekannter Comedian & Schauspieler ist (dzt. im Broadway-Musical "The Jersey Boys" aktiv) und bei uns vergangenen Mittwoch die Morgenklasse unterrichtet hat. Er kam direkt per Frühflug aus Vegas, und muss sich während des Fluges intensiv mit Coke (dem Getränk) gedopt haben, denn er hatte mehr Energie als alle 430 verschlafenen Yogis zusammen, und seine Klasse war genauso schrill, glamourös & manisch wie man sie sich von einem Broadway-Darsteller erwarten darf! Das änderte aber nichts an der Tatsache dass meine Hamstrings sich im Verlauf der Woche zunehmend gegen Dehnung wehrten, mir sehr "steife" Morgenklassen bescherten, und Asana-Fortschritte verhinderten. Im Gegenteil, bei manchen Positionen wie etwa der "Seperate Leg Stretching Pose" hab ich eher das Gefühl Rückschritte gemacht zu haben.

Weitere interessante Gastlehrer diese Woche waren Karen Buckner aus Texas, sowie Michael Frayer aus Chicago, der uns mit einer entspannten Samstagsvormittags-Klasse ins Wochenende entliess und (trotz meiner Unkenrufe über das Wetter) mit einem ordentlichen Sonnenbrand nach Chicago zurückfliegen wird (mit durchschnittlich nur 100 Sonnentagen im Jahr ist man in der "Windy City" wohl doch noch ärmer dran als in L.A.). Knallrot im Gesicht und auf den Armen, aber teigig weiss am restlichen Körper war er in seinen engen Yogashorts doch recht lustig anzusehen auf dem Podium. Sein abschliessender Rat an uns Trainees: "Learn that dialogue. And use sunscreen." Selten so gelacht.

Damit gleich zu meinen Fortschritten im Teacher's Dialogue: nach der Warmup Series letzte Woche musste/durfte ich diese Woche die gesamte Balancing Series zum Besten geben, bestehend aus den 3 Asanas Standing Head-to-Knee, Standing Bow Pulling & Balancing Stick, vermutlich dem forderndsten Abschnitt einer Bikram Yoga Klasse. Da ich all diese Positionen bereits im Zuge meiner Vorbereitung mit Tammy Goswami in Wien gelernt hatte, und mich diese Woche auf das praktische Üben mit Kollegen verlegen konnte, hatte ich mit dem Dialogue wenig Probleme und bekam durchwegs positives Feedback.

Fabian, Eva, Stefanie, Sanchari und ich beim Üben des "Balancing Stick" Dialogue

Die ersten beiden Übungen musste ich am Dienstag als Einziger aus meiner Gruppe sogar back-to-back instruieren, was mir aber ein besonderes Erfolgserlebnis bescherte und viel Lob von der Gastlehrerin Ida Ripley aus Vancouver sowie von meinen Kollegen einbrachte! Balancing Stick am Freitag hätte ich vielleicht noch etwas energischer vortragen können, der Gastlehrer lobte aber meinen Dialogue und meine "interaction with the bodies", dh. dass ich die demonstierenden Yogis durchgehend im Auge behalten habe. In der kommenden Woche rechne ich damit, zumindest die gesamte Seperate Leg Series (bestehend aus 3 Grätsch-Übungen) vortragen zu müssen, möglicherweise auch noch die 2 verbleibenden Übungen der Standing Series (Tree Pose & Toe Stand), da wir am Montag mit unserer Abschlussprüfung den Anatomie-Unterricht abschliessen, und daher mehr Zeit mit den Posture Clinics verbringen werden. Vor der Anatomie-Prüfung am Montag brauch ich mich nicht wirklich zu fürchten, auf die Teilprüfung vergangenen Montag hab ich 29 von 30 möglichen Punkten erzielt, und nur bei einer Frage hab ich mir von Dr. Preddy ein Bein stellen lassen - und allen mitlesenden Physios möchte ich diese natürlich nicht vorenthalten: (Antworten bitte im Kommentarfeld deponieren, und zwar bevor ihr sicherheitshalber euren Anatomie-Atlas oder Dr. Google konsultiert!)

What does the manubrium articulate with?
a) the corpus of the sternum
b) 4 ribs
c) 2 clavicles
d) all of the above

Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Am Montag folt also der 2. schriftliche Test, und aus den insgesamt 100 Fragen beider Tests müssen wir in Summe 70% (also 70 Fragen) richtig beantwortet haben. Das sollte für mich kein Problem darstellen, mit meinen anatomischen Zeichnungen mach ich nämlich fast schon einem anderen Dr. Frank Konkurrenz, und zwar Frank Netter! Vom "Arzt dem die Frauen vertrauen" zum anatomischen Zeichner decke ich also mittlerweile das gesamte Spektrum ab - auch wenn das ganze mehr "Malen nach Zahlen" ist! ;-)


Meine beste Yogaklasse dieser Woche war übrigens die 17h Klasse am Mittwoch - eine besonders heisse Klasse, bei der einige Trainees kapitulierten und eine Kollegin sogar aus dem Raum getragen werden musste. Gemäss der Rotation war ich in Reihe 3 zu finden, und zwar direkt vor dem Podium, zu Füssen des Lehrers. Und das war an diesem Abend ausgerechnet und überraschenderweise Rajashree, die letzte Woche fünf Klassen, diese Woche aber nur eine einzige unterrichtet hat! Ihr würde ich im Gegensatz zu Bikram auch die Füsse massieren, und schliesse mich dem Scherzkeks in unserem Facebook-Forum an, der kürzlich den Satz "I think I have a crush on Rajashree" gepostet hat (immerhin war ich ihr in jener Stunde nahe genug um festzustellen dass das Parfümverbot im Hotroom für sie offenbar nicht gilt...) Sie appellierte während der Stunde an uns alle, etwas mehr Toleranz im Umgang mit unseren Zimmerkollegen an den Tag zu legen, an den Gerüchten letzter Woche dürfte also doch mehr dran gewesen sein...

Wenn Mittwoch abend meine beste Klasse war, dann war Donnerstag abend meine schwächste; und das leider ausgerechnet unter den Argusaugen Bikram's, der an diesem Abend sein Comeback in L.A und im Hotroom gab! Da ich recht spät den Raum betrat, hatte ich keine andere Wahl als erneut unmittelbar vor dem Podium meine Zelte aufzuschlagen. Dieser Platz wurde bereits im Verlauf der Woche zusehends gemieden aber am Donnerstag sah es aus als ob vor dem Pult jemand eine Schneise in all die Yogamatten geschlagen hätte! Ich nahm die Herausforderung an, aber wie schon in den Wochen zuvor spürte ich am Donnerstag die Strapazen der abgelaufenen Woche und lief schon recht bald am Zahnfleisch, wie man so schön sagt. Nachdem ich die zuvor angesprochene, fordernde Balancing Series mehr schlecht als recht mitgemacht hatte, nahm ich während der ersten Grätschübung auf meiner Matte Platz, und wurde prompt von Bikram des Raumes verwiesen! Was jetzt vielleicht gemein klingt, war zwar eher gut gemeint, aber dennoch schickte mir Bikram noch ein zynisches "Go out, and change your tampon!" hinterher, womit er natürlich die Lacher (auch meinerseits) auf seiner Seite hatte... als ich wieder zurückkehrte, erkundigte er sich dafür nach meinem Befinden, und als ich auf meine Schläfen deutete, meinte er in besorgt-väterlichem Tonfall, wieso ich nicht schon früher gesagt hätte dass ich Kopfweh habe! "Zuckerbrot & Peitsche", oder "tough love" (wie es die Amis gern nennen) - so läuft das eben im Hotroom!

Das Kopfweh hatte ich übrigens schon häufiger, und ich weiss auch dass es ein Dehydrationszeichen ist und ich vor und während den Klassen mehr trinken sollte. Manche Trainees bringen ja ein ganzes Sortiment an Wasserflaschen mit in den Raum, und auch der "Tower of Shame", eine Kombination aus Trinkflasche und Kühlbox, wird immer häufiger gesichtet. Ich beschränke mich nach wie vor auf meine 1l Trinkflasche, die ich zumeist jeweils zur Hälfte mit Gatorade und Eiswürfeln befülle, was mir am Ende der Stunde ein immer noch einigermassen kühles und nicht allzu süsses isotonisches Getränk beschert :-) Unmittelbar nach der Stunde verputze ich während des Ausschwitzens in der "Wechselzone" (ein Begriff aus dem Triathlonsport, der aber hier auch ganz gut passt...) meist noch eine Grapefruit... und mit einem ZICO Kokoswasser und Instant-Misosuppe aus meinem multitalentierten Reiskocher ist das Kopfweh-Problem dann auch recht schnell wieder aus der Welt geschafft!

In diesem Sinne: 44 classes down, 56 to go!

Montag, 9. Mai 2011

"nice & loose, comfortable, easy, flexible" (Week 3)

Bereits 33 Yogaklassen hab ich hinter mich gebracht und somit exakt 1/3 des Trainings absolviert! Während die 3. Woche für mich ziemlich erfreulich verlief (ich würde sogar sagen es war meine bisher beste Woche, alle 11 Klassen waren mehr oder weniger ein Erfolg) waren bei vielen anderen Trainees erste Ermüdungs- oder Verschleißerscheinungen festzustellen. Kaum jemand, der nicht in irgendeiner Form unter den Strapazen des Trainings gelitten hat: Einige Yogis sind gesundheitlich angeschlagen, mussten Antibiotika nehmen und vom Yoga-Unterricht befreit werden; mehrere Trainees klagen über Rückenschmerzen oder leichte Zerrungen, und auch das seelische Gleichgewicht mancher Beteiligten scheint empfindlich gestört zu sein: mein Zimmerkollege Stephen fühlte sich von der "Yoga Police" schikaniert, und war dementsprechend schlecht gelaunt; man hört von mehreren Streitigkeiten unter Zimmerkolleg(inn)en, bei denen der Staff intervenieren muss; und gestern wurde ich Zeuge eines völlig unnötigen "Zickenkriegs" im Bikram Yoga Shuttle, welches uns am Wochenende bei den Lebensmittel-Einkäufen unterstützt.


Diesen eskalierten Streit fand ich unnötig und bedauerlich, denn auch wenn die Herausforderung, 9 Wochen lang mit hunderten Leuten auf relativ engem Raum kaserniert zu sein, von vielen sicherlich unterschätzt wird (die meisten denken in erster Linie an die körperliche Herausforderung): die Dinge etwas gelassener zu sehen, und seinen Mitmenschen auch unter erschwerten Bedingungen rücksichtsvoll zu begegnen, ist doch ein ganz wesentlicher Inhalt dieser Ausbildung, auch wenn er vielleicht nicht ausdrücklich am Curriculum steht. Bikram behauptet schliesslich nicht ohne Grund, dass seine Art des Yoga (und ganz besonders das Teacher Training) den Praktizierenden sprichwörtlich "immun" gegen den Alltagsstress und andere negative Einflüsse macht ("Let no one steal your peace"). Aber der konstante (manche würden wohl sagen: unerbittliche) Rhythmus aus 3 Stunden Yogapraxis und 6 Stunden Vorlesungen pro Tag geht ganz offensichtlich auch nicht spurlos am Nervenkostüm vieler Beteiligter vorüber, und es sind auch schon des öfteren Tränen geflossen. Einige Trainees tun sich auch recht schwer mit dem Lernen des Dialogue und mit dem Beginn des Anatomie-Unterrichts war der Grossteil erstmal ziemlich überfordert. Obwohl unser Vortragender, der Anatomieprofessor & Notarzt Dr. Jim Preddy aus Las Vegas, den Unterricht wirklich äusserst kurzweilig gestaltet, mussten sich viele mit Kaffee für die bis Mitternacht dauernden Vorlesungen "dopen", und am Donnerstag haben sich auch ca. 15 Leute still & heimlich aus der Vorlesung gestohlen (was der Yoga Police jedoch nicht entging und den Deserteuren eine Makeup-Class einbrachte). Dabei wurden uns diese Woche immerhin die Bollywood-Filme erspart, da Bikram einige Termine in Japan wahrnehmen musste und nicht anwesend war. Dafür ist seine Ehefrau Rajashree eingetroffen, und hat diese Woche sämtliche Abendklassen unterrichtet. Ihre sympathische Ausstrahlung und ihren warmherzigen, aber bestimmten Unterrichtsstil haben wir alle sehr liebgewonnen, ebenso wie die Dienstag/Donnerstag-Morgenklassen mit Emmy Cleaves, der mit über 80 Lenzen dienstältesten Bikram-Yoga-Instruktorin weltweit. Sie war eine von Bikram's ersten Schülerinnen in den USA, bringt Jahrzehnte an Fachwissen & Erfahrung in ihre Stunden ein, und ist laut Staff "the only person to kick Bikram's ass!"

Diese Woche markierte auch den Beginn der sogenannten Posture-Clinics: wir wurden in 20 Kleingruppen ("klein" ist am Teacher Training relativ, jede Gruppe besteht aus über 20 Personen) eingeteilt, und arbeiten uns nun Stück für Stück, Asana für Asana, durch den Bikram Yoga Teacher's Dialogue. Dabei werden wir von wechselnden Gastlehrern evaluiert und bekommen Feedback für unseren "Präsentationsstil". Diese Woche stand der Rest der Warmup-Series, bestehend aus "Hands-to-Feet Pose" (Pada-Hastasana), "Awkward Pose" (Utkatasana) & "Eagle Pose" (Garurasana) am Programm. Ich habe recht gutes Feedback bekommmen, aber mit Utkatasana war ich überhaupt nicht zufrieden - bei dieser 3-teiligen Übung bin ich 2x steckengeblieben, und war verkrampft & nervös. Als ich danach eine Kollegin im Aufzug fragte, ob man mir diese Anspannung angemerkt habe, meinte sie nur: "No... you looked Austrian up there. Or German. You know, that stone-cold face..." Na toll, das war genau das was ich hören wollte...

Aber ansonsten machen mir die Posture Clinics viel Spass, und nun macht sich auch das Vorauslernen des Dialogue daheim im Studio so richtig bezahlt - erst wenn man den Text einer Übung wirklich "intus" hat, kann man sich nämlich auf die Präsentation derselben konzentrieren und an Stil & Ausdruckweise arbeiten. Dementsprechend bekommt man dann auch ein wertvolleres Feedback von den Lehrern & Kollegen (wenn man noch mit dem Abrufen des Textes kämpft, kriegt man höchstens Lerntechniken vorgeschlagen) und der Lernvorsprung den man gegenüber anderen hat erlaubt es einem, zwischendurch auch einfach mal nur zu entspannen. So konnte ich diese Woche nach den Morgenstunden öfters mal nur mit einem Buch in der Sonne liegen, während um mich herum alle an ihrem Dialogue feilten.


Auch im Anatomie-Unterricht tue ich mir natürlich ungleich leichter als meine Kollegen. Wir haben in der vergangenen Woche Skelettsystem, Muskulatur & Nervensystem abgehandelt, und das ist schliesslich mein "tägliches Brot" als Physiotherapeut. Dennoch sind die Vorlesungen alles andere als langweilig und ich bin beeindruckt, wie effizient der Unterricht gestaltet ist - wir handeln hier in 2 Wochen immerhin einen Stoff ab, für den wir in der Physiotherapie-Ausbildung 1 Jahr gebraucht haben! Natürlich gehen wir bei weitem nicht so ins Detail, aber es wird auch kaum etwas ausgelassen, sogar die Gesichtsmuskeln haben wir zu meiner Überraschung durchgenommen. Und bei allem Respekt vor meinen ehemaligen Professoren Dr. Marktl oder Dr. Meng: mit dem Humor von Dr. Jim Preddy kann es keiner der beiden aufnehmen! Dr. Preddy (oder "Doctor P.", wie er vom Staff liebevoll genannt wird) war in seinem "früheren Leben" Masseur & Cheerleader (!) bei der UNLV, und hat erst später (nachdem er Zeuge eines schweren Autounfalls wurde) die Ausbildung zum Arzt (später dann auch zum Osteopathen) aufgenommen. Er hat die Karriereleiter von der alleruntersten Treppe erklommen, zahlt noch immer sein Studentendarlehen retour, und hat sich neben einer gehörigen Portion Lebenserfahrung auch eine angenehme "Bodenhaftung" bewahrt, die man unter Ärzten nicht allzu oft findet (er schwitzt sogar mehrmals pro Woche gemeinsam mit uns im Hotroom). Nächste Woche wird er uns noch das Endokrine System, Atmung & Herz/Kreislauf, Wasserhaushalt & Ausscheidungstrakt, sowie sein Lieblingsthema "Reproduction" näherbringen!

Morgen gibt es auch ein kleines "Anatomy Quiz" - einen Multiple-Choice-Test über den bisherigen Stoff - und mein Karma Yoga dieses Wochenende bestand darin, zahlreichen anderen Trainees bei der Vorbereitung darauf zu helfen! Am Samstagabend gab es eine spontane "Anatomy Party" auf dem Korridor vor meinem Zimmer, wo ich den Fragenkatalog durchgegangen bin und einige Dinge erklärt habe (Dr. Fränk war ganz in seinem Element, wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt! *g*), und das ganze Wochenende über hab ich die korrekten Antworten neben meiner Zimmertür hängen gelassen, was zu ständigen Versammlungen am Korridor geführt hat und uns sehr amüsiert hat. Selbst mein "Roomie" Stephen (der die ganze Woche über den Unterricht gemeckert hat) hat dann irgendwo Gefallen an der Anatomie gefunden: was eine ständige Schar an hübschen Frauen vor unsere Zimmertür lockt, kann wohl doch nicht so schlecht sein! ;-)


Ein üppiges Sonntagsfrühstück (der sogenannte "Lumberjack Slam" bei der Diner-Kette Denny's) heute morgen hat ihn dann endgültig mit der vergangenen Woche versöhnt, und er freut sich schon regelrecht auf die nächste "Anatomy Party" am kommenden Samstag.


Nach dem späten Frühstück war ich heute überhaupt sehr brav und produktiv: mit ein paar anderen Trainees haben wir uns den ganzen Nachmittag ziemlich intensiv auf die Posture Clinics der kommenden Woche vorbereitet, und alle 3 Übungen der bevorstehenden "Balancing Series" (Standing Head to Knee, Standing Bow Pulling & Balancing Stick) bereits auf ein präsentationstüchtiges Niveau gebracht!

Auch 2 weitere Übungen aus der Seperate Leg Series hab ich bereits "vorausgelernt", daher hoffe ich mich nächsten Sonntag ein bisschen ablenken zu können. Da hab ich nämlich Karten für ein Baseballspiel der Los Angeles Dodgers gekauft, womit ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung geht, und es freut mich vor allem, dass ich dafür auch eine Handvoll anderer Trainees gewinnen konnte! Wir werden uns also nächsten Sonntag etwas Ablenkung gönnen, und der Zeitpunkt könnte nicht besser gewählt sein, denn ab Woche 5 beehrt uns Bikram wieder, und mit seiner Anwesenheit kehren dann wohl auch die langen Bollywood-Filmabende zurück...