Freitag, 19. September 2014

"Täglich vegetarisch" (Buchblogparade Teil 9, September)


Nachdem ich mittlerweile auch eine beträchtliche Anzahl an Kochbüchern zuhause habe, und weil vegetarische Küche derzeit ja voll im Trend liegt, ist mein Buch des Monats September ein Kochbuch geworden. Ausserdem - so gebe ich zu - hab ich es nicht geschafft im vergangenen Monat ein anderes Buch auszulesen, schliesslich war ich schon mit meinem letzten Beitrag im Rückstand, und irgendwie stecke ich in einer Zwickmühle und kann mich gerade nicht entscheiden ob ich George R.R. Martin's "Feast for Crows" auslesen soll, oder doch lieber Geert Mak's "Amerika". Letzteres hab ich ja eigentlich zuerst begonnen, aber dann begann ich den Fehler den 4. Teil der Game of Thrones Reihe zur Hand zu nehmen, und wenn ich es weiterlese, muss wohl auch gleich das 5. Buch ("A Dance with Dragons") dran glauben.

Abgesehen davon ist "Täglich Vegetarisch" (im Original "River Cottage Veg everyday!", erschienen 2011 bei Bloomsbury Publishing, London) von Hugh Fearnley-Whittingstall aber wirklich ein Buch das die Aufnahme in die Buchblogparade verdient hat. Ich selbst bin über eine Empfehlung im Standard auf das Buch aufmerksam geworden, und obwohl es eines der letzten Kochbücher ist die ich angeschafft habe, gibt es wohl nur wenige Kochbücher die wir so oft zur Hand genommen und aus denen wir schon soviele Gerichte nachgekocht haben. Da schlägt der Brite sogar seinen Kollegen Jamie Oliver, von dem ich ja auch einige Bücher im Regal  habe. Schon das Vorwort von Whittingstall, der sich selbst als "wählerischer Allesfresser" bezeichnet, hat uns beiden gefallen. Whittingstall ist kein dogmatischer Vegetarier oder gar Veganer, lässt aber keinen Zweifel darüber dass wir viel mehr Gemüse essen müssen, ja Gemüse sogar zum Hauptinhalt unseres Speiseplans machen sollten:

Das ist ein Gemüsekochbuch. Ob es ein vegetarisches Kochbuch ist, hängt vielleicht von Ihrem Standpunkt ab und von Ihrer Meinung zu Ernährungsfragen. Es wurde nicht von einem Vegetarier geschrieben, auch nicht in der Absicht, Sie oder andere dazu zu bewegen, Vegetarier zu werden. Aber in dem Sinne, dass keines der darin enthaltenen Rezepte auch nur ein Stückchen Fleisch oder Fisch enthält, ist es in der Tat streng vegetarisch. Ich hoffe, dass viele Vegetarier es kaufen, verwenden und genießen werden. [...] Meiner Meinung nach sind die Vegetarier auf dem Kochbuchmarkt noch nicht so gut vertreten, wie sie es verdienen. Ironischerweise wurde lange (bewusst oder unbewusst) der Fleischersatz zu stark betont. Dabei glaube ich, dass wir uns über Fleisch keine Gedanken zu machen brauchen, wenn wir uns auf das Gemüse konzentrieren. Genießen wir ganz einfach die riesige Auswahl von frischem, saisonalem Gemüse, sei es gekauft oder selbst angebaut, indem wir es auf viele, neue, spannende Arten zubereiten. Ich sehe zwar den hohen Nährwert und das kulinarische Potenzial von Hülsenfrüchten und Getreide, aber vegetarische Würstchen, Nusskoteletts und Sojaeiweiß-Konstrukte brauche ich nicht. Lieber mische ich meine Kichererbsen, Kidneybohnen und Quinoa mit frischen Blättern, knackigen Wurzeln und sonnengereiften Früchten: Kürbis, Paprika, Zucchini, Aubergine oder Tomate, um nur ein paar zu nennen. [...] Hier sind sie also: über 200 vegetarische Rezepte aus dem River Cottage. Und für diejenigen, die am liebsten sofort drauflos kochen, kommt hier das Beste: Der philosophisch-moralische Teil ist beendet. Ich steige von der Kanzel herunter. Das ist schließlich ein Buch ohne Wenn und Aber. Es ist kein Plädoyer gegen den Genuss von irgendetwas, was ungesund oder bedroht. ist. Es ist eigentlich überhaupt kein Buch über irgendwelche Probleme. Im Gegenteil: Es steckt voller Lösungen. Und die wichtigste Lösung besteht darin, mehr Gemüse zu essen.

Und tatsächlich kehrt er das Gemüse in den Vordergrund, macht es zum Mittelpunkt seiner Gerichte, anstatt es nur ein Beilagendasein fristen zu lassen. Ein gutes Beispiel dafür ist folgendes Rezept, welches Katrin bereits zum 3. Mal für mich gezaubert hat. Dieser verführerische, gebackene Kürbis macht Eindruck und sättigt zugleich. Verlockende Düfte von Thymian, Lauch und Käse steigen auf, sobald man den Deckel lüftet. Ein perfektes Gericht für die herbstliche Jahreszeit!


KÜRBIS MIT LAUCHFÜLLUNG

Für 4 Personen

35 g Butter
2 grosse Stangen Lauch, geputzt und in feine Ringe geschnitten
1 TL scharfer Senf
4 EL Crème fraiche
125 Gruyère oder anderer würziger Hartkäse, fein gerieben
2-4 kleinere Kürbisse (je 400 - 800 g)
1 Handvoll Thymianzweige
Meersalz und frisch gemahlener Pfeffer

Den Ofen auf 190 Grad vorheizen. Die Butter in einem Topf bei mittlerer Hitze schmelzen. Den Lauch hinzufügen und sobald er zu zischen beginnt, die Hitze stark reduzieren und den Topf zudecken. Den Lauch etwa 10 Minuten sehr weich dünsten. Vom Herd nehmen, Senf, Crème fraîche und Käse hineinrühren und kräftig mit Salz und Pfeffer würzen, um dem Kürbis, der später die Füllung umgibt, genügend Würze entgegenzusetzen.

Den Boden der Kürbisse flach schneiden, damit sie gerade stehen. Oben jeweils einen Deckel abschneiden und beiseitelegen. Mit einem kleinen, scharfen Messer die Kürbisse in der Mitte einschneiden und dann mit einem scharfkantigen Teelöffel Samen und Fasern herauslösen.

Die Lauchmischung in die Kürbisse füllen; sie sollten zu 2/3 gefüllt sein. Jeweils einige Thymianzweige in die Mitte stecken. Die Deckel auflegen und die Kürbisse auf ein grosses Backblech setzen - es sollte rundum noch genug Platz sein, dass die heisse Luft zirkulieren kann. Im Ofen 50-60 Minuten backen - große Kürbisse evtl. länger - bis das Fruchtfleisch innen sehr weich ist.