Donnerstag, 23. Juni 2011

Final Spinal! (Week 9)

Die 9. Woche des Trainings war nicht nur die letzte, sondern auch die kürzeste – nach Vorverlegung der Graduation auf Freitag (aufgrund der International Asana Championships am Wochenende) war klar dass Donnerstag abend unsere letzte Yogaklasse stattfinden würde; ein Moment den wir – bei aller Liebe zu Bikram Yoga – doch schon sehr herbeisehnten. In der letzen Woche galt es nochmal einige Lectures von Bikram zu überstehen, und auch noch 2 weitere Filmvorführungen: am Montag gab es (auf Wunsch nach „mehr Romantik“ seitens der Studenten) einen älteren Film zu sehen, der ein junges indisches Mädchen bei einem Interrail-Abenteuer durch Europa begleitete. Jedenfalls hat er so angefangen, denn nach 30 Minuten musste ich erneut aufgeben, obwohl ich den Film ganz interessant fand; ich glaube für Bollywood gilt ähnlich wie für Hollywood, dass die älteren Filme zwar weniger Special Effects, aber mehr Charme haben. Apropos Special Effects: am Mittwoch musste ich dann „KRRISH“ ein zweites Mal über mich ergehen lassen, ein Film den ich ja bereits in Woche 2 auf freiwilliger Basis gesehen hatte. Die erste Stunde des Films sah ich mir aufgrund der schönen Himalaya-Bilder nochmals an, die zweite verbrachte ich mit Dialogue-Lernen, und die dritte (mit zugezipptem OnePiece Overall) schlafend am Boden. Den Filmen gingen jeweils Vorträge von Bikram voran, die bei vielen Stöhnen hervorriefen, für mich aber sehr unterhaltsam und auch lehrreich waren. Gegen Ende des Trainings schien er nochmal richtig zur Hochform aufzulaufen - je mehr die Studenten raunzten, desto mehr schien er die Zeit auf dem Podium (eigentlich ist es ja ein bequemes Sofa) zu geniessen. „You can sleep for the rest of your life“ ermahnte er uns (zu Recht) immer wieder, und meinte dass wir ihn trotz allem vermissen würden sobald das Training zu Ende sei. Auch ich bin mir sicher dass er mir fehlen wird - ich hoffe ich treffe auch in den nächsten Monaten in den USA immer wieder Trainees, denn nur sie werden die zahlreichen Insider-Schmähs (im absichtlich brüchigen Englisch) lustig finden. Auch der Teacher’s Dialogue ist ja alles andere als grammatikalisch korrekt: es ist Bikram Yoga Language! Gerade die englischsprachigen Studenten sind beim Lernen des Dialogues oft verzweifelt, weil sie grammatikalisch falsche oder einfach nur konfuse Sätze einstudieren mussten (ein besonders schönes Beispiel: „Kick your right leg – heel forward towards the mirror, so you can turn your right foot in from the ankle towards your face, with all 5 toes turning in.“). Da hatten wir als ESL (English as Second Language)-Studenten es manchmal vielleicht sogar einfacher, da uns die falschen Sätze nicht so sauer im Magen aufstießen wie den native speakers.

Der Ruf nach „mehr Romantik“ schlug sich nicht nur im Filmprogramm, sondern auch bei der restlichen Abendgestaltung nieder. Bereits in der Vorwoche waren mir unter den Trainees einige Turteltauben aufgefallen, die ihre Zuneigung aber noch zu verschleiern versuchten; diese Woche wurde es dann recht offensichtlich und einige Pärchen waren entweder zu verliebt oder zu müde auf die Mahnungen vom Staff zu reagieren. Zwar ist Sex (im Gegensatz zu Drogen & Alkohol) nicht ausdrücklich im Teaher Training Agreement verboten, aber gerne gesehen wird es trotzdem nicht. Bikram hatte zu Beginn in typischer Manier die Parole „no touchy-touchy, no kissy-kissy, no coochie-coochie“ ausgegeben und auch Jim Kallet warnte uns, dass intime Beziehungen zu anderen Studenten das Training deutlich verkomplizieren können. Ein hässlicher Streit zwischen meinen Kollegen Jacqueline & Adam, dem ich letztes Wochenende bei der Heimfahrt aus Malibu unfreiwillig beiwohnen musste, bestätigte diese These. Zahlreiche Trainees (darunter eben auch Jacki & Adam) hatten sich bei einer Geburtstagsfeier in Santa Monica ziemlich die Kante gegeben, und aus einem nichtigen Disput im Auto wurde plötzlich ein handfester Streit. Ebenso wie mein roomie Stephen & ich haben sich auch Jacki & Adam letztendlich wieder versöhnt, und mittlerweile bin ich die negativity um mich herum auch schon gewohnt, aber dass ich mich weder davon anstecken noch ablenken liess, ist für mich eine der erfreulichsten Errungenschaften dieses Trainings. Ich wusste schon vorher dass ich ein recht geduldiger Zeitgenosse bin, aber nach diesen 9 Wochen kann ich wohl behaupten, tatsächlich belastbarer zu sein als so manch anderer. Diese Selbsterfahrung, zu beobachten wie unterschiedliche Leute in gewissen Situationen unterschiedlich reagieren, war überhaupt einer der interessantesten Aspekte des Trainings. Wann immer um mich herum geraunzt wurde, konzentrierte ich mich noch mehr auf mich selbst und behielt - vor allem seit dem Streit mit Stephen - meine Meinung für mich. Ich fand die Raunzerei lästig, wir wussten schliesslich alle dass das Training kein walk in the park wird, aber manche Leute mussten ihrem Ärger wohl gelegentlich Luft machen.

Ich hatte zwar insgesamt 4 Makeup-Klassen, aber den etwas schäbigen Brauch, für Klassen & Lectures zwar einzusignen, aber dann nicht daran teilzunehmen, habe ich nie praktiziert. Wie Bikram einmal gesagt hat, betrügt man sich dabei ohnehin selbst am meisten. Die anderen Trainees sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um einem solche Dinge übel zu nehmen. In der Regel – so hoffe ich zumindest - fordert sich aber jeder Trainee soweit er eben kann, das ist schliesslich auch die Philosophie bei Bikram Yoga Klassen im allgemeinen.

Geschafft haben es im Endeffekt die meisten von uns, in meiner Group 10 gab es mit Danielle Kelly aus Los Angeles nur einen einzigen Ausfall. Von mir gerne als Dani California bezeichnet, hatte sie von Anfang an Schwierigkeiten mit dem Training, sowohl körperlicher als auch mentaler Natur. Kaum ein Tag verging, ohne dass sie irgendwie auffiel: sei es durch Zuspätkommen, mangelnde Lern- und Kritikfähigkeit in den Posture Clinics, oder einfach nur schlechte Laune. Anfangs hatte ich noch Verständnis, da Typ-1-Diabetes und tägliches Pendeln (sie wohnte nicht bei uns im Hotel) das Training sicher nicht erleichtern, aber als sie die Schuld wiederholt bei anderen suchte (ihrer kaputten Insulinpumpe, dem Verkehr) und sich auch nicht helfen liess (es wurde ihr nahegelegt am Samstag auch mal im Hotel zu bleiben um mit anderen Trainees zu lernen, aber sie brauste spätestens nach der Samstagvormittagklasse mit ihrem Bike ins Wochenende), war ich froh als sie nach Woche 3 oder 4 schlussendlich das Handtuch warf und unsere Gruppe um 1 Person dezimierte.

Am Mittwoch entfiel überraschend die 17h Klasse, da der International Ballroom des Radisson (welcher als unser Hotroom fungierte) für die Abschlusszeremonie vorbereitet werden musste, worüber wir natürlich nicht unglücklich waren. Stattdessen gab es mittags eine Advanced Class mit Bikram & Emmy, bei der wir zusehen durften. Die Bikram Yoga Advanced Series besteht aus einer grossen Anzahl an Übungen, beinhaltet einige klassische Yogapositionen wie den Kopfstand, Lotussitz oder Skorpion, ist aber nur für sehr Geübte Yogis zu empfehlen (es sei denn, man ist sehr beweglich). Es war amüsant einmal Bikram selbst bei seiner Praxis zusehen zu können (von seinen besten Tagen ist er natürlich weit entfernt, aber er nimmt es mit Humor und Gelassenheit) und seine verbalen Scharmützel mit Emmy (die beiden schenken sich nichts) sorgten für zusätzliche Unterhaltung; vor allem aber gefiel mir dass ich einmal beim Yoga nur zusehen und nicht selbst mitmachen musste!


Am Donnerstag war es dann soweit: nach einer überlangen, aber auch sehr lehrreichen Vorlesung von Bikram (in welcher er die Benefits und Knackpunkte jeder Asana erläuterte) begann um 19:00 mit zwei Stunden Verspätung meine 95. (in Worten: fünfundneunzigste) Yogaklasse des Trainings! Die Verspätung kam wie gerufen, denn meine beiden Freunde Dieter Reidinger & Martin Kofler waren erst am Nachmittag aus San Diego aufgebrochen und schafften es erst um Punkt 17 Uhr ins Hotel – das wäre sich also nicht mehr ausgegangen. Und in eine Bikram Yoga Klasse soll man sich nach Möglichkeit auch nicht hetzen müssen, das weiss ich aus eigener Erfahrungen und hätte es den beiden nur ungern zugemutet. So aber konnten sie noch ein wenig am Pool entspannen, bevor sie (zum ersten Mal überhaupt!) eine Bikram Torture Chamber betraten… ich hatte sie bewusst nicht übermässig darauf vorbereitet; die erste Bikram Yoga Klasse ist – egal wieviel Sport man in seinem Leben schon gemacht hat (ich spreche aus Erfahrung!) ein völlig neuartiges Erlebnis, das man meiner Meinung nach möglichst unvoreingenommen in Angriff nehmen sollte. Wenn man dann noch von Bikram persönlich unterrichtet wird, und den Raum mit knapp 600 euphorischen (weil kurz vor der Zertifizierung stehenden) Teacher Trainees teilen muss/darf, kann man sich wirklich um ein unvergessliches Erlebnis reicher fühlen. Dieter wollte ja ursprünglich gar nichts zu trinken mit in den Raum nehmen, aber ich versorgte die beiden natürlich mit Wasser, Matte & Handtuch und bezog auch neben ihnen im Raum Position. Beide hielten sich äusserst tapfer (Dieter sogar trotz verstauchtem Knöchel) und entgegen anderslautender Ankündigungen verliessen sie den Raum auch nicht vorzeitig (im Gegensatz zu einer beträchtlichen Anzahl an Trainees). Es war natürlich eine sehr schweisstreibende Angelegenheit, da die grosse Anzahl an Praktizierenden die Luftfeuchtigkeit in die Höhe schiessen liess, aber die Temperatur war diesmal einigermassen erträglich Vor allem nahm Bikram auf die zahlreichen Gäste Rücksicht, liess die Asanas nie länger als notwendig halten, und nahm auch nur selten seine gefürchteten Korrekturen vor (bei denen er uns einzelne Asanas entweder wesentlich länger als üblich halten lässt, weil er währenddessen jemanden korrigiert oder – wenn der/diejenige ein besonders hoffnungsloser Fall ist - überhaupt gleich ein weiteres Set anhängt). Er absolvierte die Klasse in nur 87 Minuten, was knapp unter der Standardzeit von 90 Minuten liegt, und für ihn schon fast lächerlich kurz ist! Dass es für uns trotzdem gereicht hat, zeigt dieses Foto:


Am selben Abend durfte ich dann auch noch seiner letzten Vorlesung lauschen, in der er die restlichen Übungen der „26 & 2“ (eine liebevolle Kurzbezeichnung für seine markengeschützte Bikram Yoga Sequence) durchnahm und uns ausserdem in eine neue Atemtechnik einführte: Shitali Breathing, eine etwas reduzierte Form des Pranayama, die sich besonders zur Meditation eignet.

Am Freitag durften wir dann alle unser lang ersehntes & schwer verdientes Teacher’s Certificate in Empfang nehmen. Die Graduation war ganz nach meinem Geschmack: stimmungsvoll und unserer Leistung würdig, aber auch nicht überlang. Eröffnet wurde sie von Bikrams Tochter Laju Choudhury, die dann das Mikrophon an ihre Mutter Rajashree übergab, welche uns auf wärmste & herzlichste Art in der Bikram Yoga Family willkommen hiess. Danach durften wir bei abgedunkeltem Raum den Worten von Bikram’s verstorbenem Guru Bishnu Charan Ghosh lauschen – eine vor vielen Jahren in Japan aufgezeichnete Rede wurde per Lautsprecher eingespielt. Bishnu Ghosh war Ingenieur, Arzt und einer der angesehensten Physical Culturists des 20. Jahrhunderts, Mitglied des Olympischen Komitees in Indien, und Veranstalter der ersten Mister Universe Contests in den USA. Er beschäftigte sich intensiv mit den Auswirkungen von Yoga & Krafttraining auf den menschlichen Körper, und kombinierte diese beiden Disziplinen auch in seinem Bishnu Ghosh College in Kalkutta. Auch Bikram selbst war ja nicht nur 3-facher landesweiter Yoga-Champion, sondern auch erfolgreicher Gewichthebe (bis er sein Knie mit einer 120 kg Langhantel zerschmetterte…). Ohne Bishnu Ghosh gäbe es also nicht nur kein Bikram Yoga; auch Bikram Choudhury’s Leben hätte einen wohl völlig anderen Lauf genommen. Er betont ja immer wieder dass er seinem Guru alles zu verdanken hat, und dass der Aufbau seines Imperiums nichts anderes sei als Karma Yoga – die Aufgabe die ihm sein Guru vor vielen Jahren aufgetragen hat, nämlich Yoga um die Welt zu tragen. Im Anschluss an Bishnu Ghosh’s Rede (die auch heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren hat) gab es eine etwa 15-minütige Demonstration der wichtigsten Bikram Yoga Übungen, die von Ida Ripley aus Vancouver & Brandy Winfield aus L.A. (ihres Zeichens amtierende Weltmeisterin; ihre Mutter absolvierte nun mit mir das Training!) stimmungsvoll choreografiert und von ca. 20 unserer besten Yogis & Yoginis perfekt umgesetzt wurde.


Nach der Vorführung kam dann Bikram zu Wort und schaffte es wieder einmal sein Publikum zu fesseln, wenngleich seine Rede ziemlich lang ausfiel. Ich denke die Besucher bekamen einen guten Vorgeschmack wie eine Vorlesung mit ihm aussehen kann... jedenfalls wurden danach die Teacher's Certificates überreicht, und auch ich hatte meine paar Sekunden Intimität mit dem "Boss" - nochmal: er wird mir fehlen!

Nun bin ich also offiziell "Bikram Yoga Teacher"! Allerdings fühle ich mich noch nicht als solcher, denn das Teacher's Degree ist lediglich die Eintrittskarte - zum Lehrer wird man erst durchs Unterrichten, und ich bin einerseits schon etwas nervös, andererseits freue ich mich schon sehr darauf und möchte meine ersten Klassen möglichst bald hinter mich bringen. Derzeit sieht es so aus als ob sich in San Francisco dazu die Möglichkeit ergeben könnte. Das wäre grossartig, denn dann könnte ich auch meine Freundin Kati als moralische Unterstützung in der Klasse haben, da sie mich ja Ende Juni besuchen kommt und wir gemeinsam 2 Wochen Urlaub in der Bay Area und am Pacific Coast Highway machen werden. Wir werden dabei sicher auch einige andere Yoga Studios abklappern (Monterey, San Jose, Petaluma...) und vielleicht bietet sich ja auch anderswo noch die Gelegenheit mir die Hörner abzustossen. Stay tuned for details!

Samstag, 11. Juni 2011

"Home Stretch!" (Week 8)


Nun sind wir also endgültig auf die Zielgerade eingebogen - das Bikram Yoga Teacher Training Spring 2011 neigt sich dem Ende zu (und das Fall Training steht schon in den Startlöchern; Ende September findet der ganze Wahnsinn bereits zum nächsten Mal statt)! Wie es sich für eine Zielgerade gehört, verlief diese Woche relativ straightforward, dh. es wurden uns vom Staff keine allzu grossen Steine in den Weg gelegt... oder wir sind nun tatsächlich fire-proof, denn mittlerweile braucht es schon Ausnahmeklassen wie letzten Freitag um uns in die Knie zu zwingen!

Ich hab mir glücklicherweise auch keine weitere Makeup-Class mehr eingehandelt, musste allerdings am Samstag noch eine von letzter Woche abbüßen. Hätte ich diese Woche weitere Stunden verschlafen oder verpasst, wäre das unangenehm gewesen; man hat zwar die Möglichkeit auch an den freien Sonntagen in einem beliebigen Studio in L.A. seine Makeup-Klassen(n) zu absolvieren, aber heute war die letzte Möglichkeit dazu, und alle die jetzt noch Makeup-Klassen zu Buche stehen haben, müssen sich kommende Woche vor Bikram persönlich verantworten und hoffen dass er ihnen dennoch das Teacher's Certificate ausstellt... daher wurden wir diese Woche vom Staff auch besonders eindringlich an die Sign-In Prozedur erinnert, damit wir uns nicht unnötig Strafklassen einhandeln. Ich habe ja alle meine 4 Makeups deshalb bekommen weil ich verschlafen habe, aber es gibt auch Leute die in der Eile einfach nur auf den Sign-In vergessen, und das hat dieselben Konsequenzen!

Meine letzte Makeup-Klasse gestern wurde vom indischen Staff-Publikumsliebling Balwan gehalten. Wir alle hatten uns sehr auf die Klasse gefreut, für mich war sie dann aber ein etwas abschreckendes Beispiel, wie wichtig es ist den Unterrichtstil in Einklang mit der eigenen Persönlichkeit zu bringen. Natürlich ist es wichtig den Dialogue commanding vorzutragen, um das Beste aus den Schülern herauszuholen, aber die Art und Weise wie uns Balwan bei einigen Asanas förmlich angebellt hat, stand in krassem Widerspruch zu seiner sonst so sanften & besonnenen Art. Er hat sogar während der Klasse zugegeben, daheim (und auch sonst) unterm Pantoffel von Sharon Clerkin zu stehen - sie und Judes Yang sind quasi Bikram's verlängerter linker bzw. rechter Arm bei diesem Training, und Sharon & Balwan sind ein Paar - diese Klasse gäbe ihm aber endlich einmal die Möglichkeit den Spiess umzudrehen... das alles fiel für mich in die Kategorie "TMI" (too much information), und mein Award für die beste Makeup-Class geht an J.C. Gray, der allerdings nach Hanfkonsum & einem Techtelmechtel mit Jill (dem Staffmember, das Bikram anfangs immer die Füsse massiert hat!) kommentarlos vom Training abgezogen wurde...

Ich will natürlich auch nicht behaupten dass wir es besser machen werden, als Balwan schon gar nicht zu Beginn. Die ersten Klassen als Bikram Yoga Lehrer werden dem allgemeinen Konsens nach als "nerve-racking experience" beschrieben, und auch ich bin mir sicher dass ich nervös sein werde wie schon lange nicht mehr, zudem ich noch nicht einmal weiss wo ich meine 1. Klasse unterrichten werde! Fest steht, dass sie wohl noch auf amerikanischem Boden stattfinden wird; während der letzten Wochen hab ich einige Studios angeschrieben, die auf meiner geplanten Reiseroute liegen, und bei hunderten Bikram Yoga Studios in den USA sollte sich doch zumindest eines finden dass sich erbarmt und meiner annimmt! Bisher hab ich allerdings noch keine fixen Zusagen bekommen - gerade in Kalifornien scheint es nicht einfach, wo in Kürze doch 430 frischgebackene Yogalehrer wie Heuschrecken über das Land herfallen werden, und in Los Angeles, San Diego oder San Francisco möchte nun mal jeder gern unterrichten. Obwohl diese 3 Städte auch Teil meiner Reiseplanung sind, setze ich meine Hoffnungen daher nun eher auf andere Städte - Bikram Yoga Tucson & Bikram Yoga Missoula sind 2 mittelgrosse Studios, bei denen ich mir momentan Chancen ausrechne. Und sie würden auch ein schönes Kontrastprogramm bieten: Tucson/Arizona, nur 60 km von der mexikanischen Grenze in der Sonora-Wüste gelegen, und vom Saguaro-Nationalpark mit seinen namensgebenden Kakteen umgeben, gilt als "Mexican Food Capital of the World" und ist ausserdem Wahlheimat einer meiner absoluten Lieblingsbands: CALEXICO! Dass man in der Gluthitze von Tucson einen Hot-Yoga-Raum füllen kann, hätte ich zwar nicht für möglich gehalten, aber offenbar kann das Studio von Diane Faircloth auf eine treue Yoga-Fangemeinde zählen.


Dasselbe gilt für Lora Gustafson's Studio in Missoula/Montana: die Ehefrau meines Trainingskollegen Jesse Brown hat dafür nicht nur den Missoula's Choice Winner 2011 (Best Yoga Studio) Award gewonnen, sondern den Best of Missoula Award 2010 (Lora Gustafson, Best Yoga Instructor) auch gleich dazu! Beeindruckend, wenngleich man dazu sagen sollte, dass Montana, welches den Spitznamen Big Sky Country trägt, und im Nordwesten gelegen an Kanada grenzt) zwar der viertgrösste US-Bundesstaat ist, gleichzeitig aber auch jener mit der dritt-geringsten Bevölkerungsdichte; nur Alaska und Wyoming (bekannt aus "Brokeback Mountain") sind noch spärlicher besiedelt! Etwa eine Million Menschen leben in ganz Montana, und Missoula ist mit immerhin rund 60.000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt und laut Jesse auch jene Stadt wo noch am ehesten die Kuh fliegt - auch mein Lonely Planet USA bescheinigt dem Städtchen eine relativ lebendige Szene, jedenfalls nach Montana-Masstäben! Und ich glaube ein Aufenthalt im hohen Norden wäre ein tolles Kontrastprogramm sowohl zum vielbevölkerten Kalifornien, als auch zum staubtrockenen Tucson. Das einzig abschreckende an Montana ist die hohe Dichte einer anderen Bevölkerungsgruppe: den gefürchteten Grizzlybären! Der Glacier-Nationalpark ist so ziemlich das letzte Refugium dass ihnen in den lower 50 states (= Amerika abzüglich Hawaii & Alaska) geblieben ist. Dieser Nationalpark, der ja ebenfalls auf meiner Wunschliste steht, ist nur wenige Stunden von Missoula entfernt und neben dem Saguaro auch der einzige US-Nationalpark der mittels Bahn angesteuert werden kann; da ich alleine vorwiegend mit AMTRAK Zügen reisen möchte, ein weiterer Grund weshalb beide Studios für mich ideal wären.


Dass das Training nun zu Ende geht, konnte ich letzte Woche auch an meinem körperlichen & seelischen Befinden ablesen. Einerseits überfiel mich eine irrsinnige Müdigkeit, die neben den körperlichen Strapazen sicher auch damit zusammenhing dass mit den überstandenen Posture Clinics nun ein geistig sehr anstrengender Teil des Trainings wegfiel (am Montag durfte ich mit dem Spine Twist meine letzte Asana erfolgreich zum Besten geben); andererseits verfiel ich gleichzeitig in eine sehr gelöste und bisweilen auch etwas melancholische Stimmung. Während ich in den vergangenen 7 Wochen keinerlei emotionale "Ausbrüche" hatte (im positiven wie im negativen), wurde ich in Woche 8 gleich zweimal zu Tränen gerührt, und zwar zuerst bei einer Diashow von Lisa Johnson, die uns Bilder aus Indien und von Bikram's Heimatstadt Deoghar bei Kalkutta zeigte, und dann am Freitag, wo wir den Nachmittag damit verbrachten, uns alte Aufzeichnungen von Bikram's Auftritten in diversen US-Talkshows anzusehen (u.a. ein Auftritt aus den 80ern in einer New-Age-Talkshow mit Charlie Sheen, kurz nach dessen Kassenschlager Platoon; aufgrund Sheen's jüngerer Eskapaden sorgte dieser Beitrag für besonders viele Lacher, da es Bikram offensichtlich nicht gelang, Charlie's loose screws in the brain dauerhaft festzuziehen... Bikram hat nachher auch selbst mit einem Bedauern erzählt, dass er Charlie sehr gern habe (dessen Vater Martin Sheen war/ist ja einer von Bikram's grössten Anhängern in Hollywood), aber er gehöre einfach zu den Menschen die sich nicht mehr im Griff haben, wenn sie auf Alkohol/Drogen zurückgreifen, und Charlie könne diese bad habits leider nicht ablegen... es ist schon witzig wenn Bikram so aus der Schule plaudert, er ist wirklich auf Du & Du mit sämtlichen Stars. Nur Wayne Gretzky hat er nie persönlich kennengelernt ("I don't even know what the guy look like!"), dessen Karriere hat er nämlich einfach mit einem Telefonanruf gerettet! "Piece of cake!" Gretzky habe damals Probleme mit dem Schulterblatt gehabt, alle Ärzte wollten operieren, er habe auf Empfehlung anderer Sportler jedoch Bikram angerufen, und der schickte kurzerhand eine seiner Assistentinnen hin, die ihm Yoga-Übungen zeigte, woraufhin er das Problem innerhalb einiger Wochen in den Griff bekam, und wenig später mit Kanada olympisches Gold und mit den Los Angeles Kings einen weiteren NHL-Titel holte!

Ich hab ja eigentlich eher mit dem Gegenteil gerechnet, aber Bikram ist mir im Laufe der letzten Wochen wirklich zusehends ans Herz gewachsen. Wo ich anfangs auch noch etwas kritisch in Bezug auf die Qualität seiner Vorträge und sein fortwährende Selbstbeweihräucherung war, geniesse ich mittlerweile jede Minute die wir noch mit ihmverbringen können. Er ist zwar nicht gerade das, was man sich typischerweise unter einem Yogi vorstellt, aber unter der harten Schale kommt nun immer mehr sein weicher Kern zum Vorschein (tough love!) und all seine verrückten Sprüche und mannerisms werden mir mit Sicherheit schon sehr bald abgehen. "Follow me, yes or no?"

Dazu passt auch, dass Judes Yang - auf unsere Frage, wie es sei mit Bikram zusammenzuarbeiten - kürzlich vor versammelter Menge die Tränen kamen. Und beeindruckend war es auch zu sehen, dass Bikram schon vor 30, 40 Jahren in Talkshows nichts anderes gepredigt hat als heute, und teilweise immer noch die gleichen Sprüche, mit Sicherheit aber immer noch dieselbe Leidenschaft für Yoga mitbringt wie damals. Diese Konsequenz, die Tatsache dass er nie von seinen Prinzipien und seinem Glauben abgerückt ist, hatte doch etwas Inspirierendes. Ebenso wie gute Musik irgendwann ihr Publikum findet, ist auch der Siegeszug von Bikram Yoga letztendlich nur eine Frage der Zeit gewesen, denn: What's right is what works!

Nächsten Freitag werde ich also meinen kurzen Auftritt im Rampenlicht haben, wenn ich bei der Graduation mit meinem Zertifikat neben Bikram für ein Foto posieren, und seiner Frau Rajashree ein Küsschen aufdrücken darf. Auch wenn die Zeremonie vermutich eine ziemliche Massenabfertigung wird (immerhin gilt es 430 Yogis durchzuschleusen), freue ich mich schon auf die Verewigung dieses Moments, der mit Sicherheit einen besonderen Punkt in meinem Leben markiert. Ich bin dann Teil einer weltumspannenden Community, aber gleichzeitig auch einer tight-knit family, einer eng verschworenen Gemeinschaft, in der ich sicher noch viele Freundschaften knüpfen werde. Auch mit einigen meiner Trainees werde ich bestimmt in engem Kontakt bleiben; zwar kann ich nicht behaupten mit irgendjemandem hier dickste Freunde geworden zu sein, aber das lag zwangsläufig auch an der Vielzahl an Bekanntschaften, und daran dass wir hier rund um die Uhr mit uns selbst beschäftigt waren (ein Luxus der einem in der heutigen Zeit eh viel zu selten vergönnt ist). Ich denke die bleibenden Freundschaften werden sich eher im Verlauf der nächsten Wochen & Monate herauskristallisieren. Am meisten Zeit verbracht habe ich wohl mit Mike Huber, der mich zur Halbzeit des Trainings zum Dodgers-Baseballspiel begleitet hat, und dieses Wochenende in Manhattan Beach mit mir seine ersten Versuche auf einem Surfbrett unternommen hat. Er lebt an der Ostküste in Vermont, stammt aber ursprünglich aus dem Mittelwesten, und wird demnächst mit seiner Frau aus beruflichen Gründen für ein Jahr nach Berlin übersiedeln. Ein Besuch in Wien nach meiner Rückkehr ist praktisch schon beschlossene Sache.


Abschliessend - nachdem Statistiken in Amerika ja so beliebt sind, und ich zuvor schon von einer "weltumspannenden Community" geschrieben habe - möchte ich Euch noch einen Überblick über die Herkunft der Teilnehmer dieses Teacher Trainings geben (herzlichen Dank an meine Kollegin Catalina Aleman). Nächsten Samstag gibt's dann den letzten "Wochenreport" vom Training, hoffentlich mit Fotos meiner Graduation - wenn ich bis dahin meine Kamera repariert bekomme, die beim Surfen leider etwas "Sand ins Getriebe" bekommen hat... so, nun aber zur Statistik:

Out of 257 Countries we have people coming from 39 different ones, and may be much more nationalities in that case.

3 Argentina
33 Australia
5 Austria
1 Belarus
1 Belgium
2 Brazil
41 Canada
2 Chile
2 Colombia
4 Czech Republic
5 Denmark
2 Finland
2 France
7 Germany
6 Hungary
1 India
5 Ireland
4 Italy
5 Japan
3 Korea, South
2 Lebanon
1 Luxembourg
13 Mexico
5 Netherlands
5 New Zealand
4 Philippines
1 Poland
1 Portugal
2 Russia
1 Singapore
5 South Africa
9 Spain
4 Sweden
2 Switzerland
1 Thailand
1 Turkey
1 United Arab Emirates
19 United Kingdom
209 United States

And because US is the one that has the most people on this training; out of the 50 states, we have people form 34 states....

1 Alaska
11 Arizona
46 California
2 Colorado
3 Connecticut
6 District of Columbia
7 Florida
2 Georgia
3 Hawaii
1 Idaho
13 Illinois
1 Kansas
2 Kentucky
3 Maine
3 Maryland
12 Massachusetts
6 Michigan
1 Montana
8 Nevada
5 New Hampshire
1 New Jersey
26 New York
1 North Carolina
1 Ohio
4 Oregon
9 Pennsylvania
1 South Carolina
1 Tennessee
14 Texas
1 Utah
2 Vermont
8 Virginia
1 Washington
1 Wisconsin
1 Unknown

Sonntag, 5. Juni 2011

Love is a battlefield (Week 7)

Ausnahmsweise gut ausgeruht startete ich in Woche 7, vor der ich besonderen Respekt hatte. Im Blog Japanese Ham Sandwich von Chrissy D. aus Ontario, das vom Teacher Training Fall '10 in San Diego berichtet, hatte ich gelesen dass die 7. Woche die härteste Woche des Teacher Trainings war, und bisher schien der gesamte Ablauf unseres Trainings ziemlich identisch mit jenem in San Diego zu sein. Ausserdem sollte auch Bikram von seinem einwöchigen Hawaii-Aufenthalt zurückkehren, und ich war mir sicher dass es zum Wiedersehen keine Blumenketten geben würde.

Die Woche begann mit einer Morgenklasse mit Darren, unserem ersten australischen Gastlehrer, und dann folgte die erste von zahlreichen Posture Clinics. Auch diese Woche ging es Schlag auf Schlag und wir hatten mehrfach 2 Clinics pro Tag. Auch wenn es nicht immer einfach ist, still dazusitzen und einem Trainee nach dem anderen beim Abspulen der immergleichen Verse zuzuhören, so lernt man auch beim Beobachten & Feedback der anderen eine ganze Menge, und es ist immer wieder schön die Entwicklung der Kollegen zu beobachten. Manche haben riesige Fortschritte gemacht, andere stagnieren auf hohem Niveau, manche sind hit-and-miss und wieder andere (wie beispielsweise ich) haben mehr Schwierigkeiten als zu Beginn, da sie sich auf die ersten Positionen schon daheim vorbereitet hatten und diese dementsprechend souverän beherrschten, aber mittlerweile "vom Dialogue eingeholt wurden" und sich nun auch jede Position kurzfristig erarbeiten müssen.


Ich musste Montag nachmittag meine "Halbe Schildkröte" (Half Tortoise Pose) zum besten geben. Paul aus London, der letzten Sommer für einige Wochen im Bikram Yoga College in der Lugner City in Wien unterrichtet hat, leitete diese Clinic und lobte mich für "spot-on dialogue, good intonation and good posture", aber meinte ich solle ein bissl mehr Spass haben. "You've got a nice smile, but that whole German Engineer thing going on." Ich erklärte ihm dass ich (wenn überhaupt) ein österreichischer Ingenieur wäre, aber ansonsten war ich recht zufrieden mit dem Feedback, denn nach den albernen Clinics der letzten Woche war es mein Ziel (und auch meine Hausübung) gewesen, den Dialogue möglich klar und präzise zu vermitteln.

Am Dienstag wurde mir das ziemlich erschwert, denn für "Camel Pose" bekam ich einige Sonderaufgaben: ich musste einen Studenten korrigieren, den Raum lüften, mir einen Beschuss mit Papierkugeln gefallen lassen, und ausserdem "den Präsidenten anrufen". Was dabei herausgekommen ist, könnt ihr euch hier ansehen - sicher nicht meine beste Performance, aber doch eine der unterhaltsameren:

Abends musste ich dann auch noch "Rabbit Pose" zum besten geben, eine meiner souveränsten Performances, bei der ich auch ein paar Zeilen des Additional Dialogue (einer Art erweiterten Wortschatz, den man verwendet sobald man die grundlegenden Kommandos beherrscht) einfliessen liess. Aber Souveränität ist nicht alles, wie mich Juan Manuel von Bikram Yoga Headquarters belehrte - es müsse auch der gewisse Funke aufs Publikum überspringen. Er muss es wissen, denn auch wenn er uns erst 2x unterrichtet hat: seine Klassen zählen zu den beliebtesten hier, und wenn jemand behaupten kann, sich den Dialogue auf originelle Weise zu Eigen gemacht zu haben, dann Juan! (es soll hier sogar Leute geben die sich in Juan Manuel Impersonations üben...) Noch imposanter als sein Dialogue ist allerdings seine Yogapraxis, die er angeblich auch bei der International Asana Competition demonstrieren wird, die am Wochenende im Anschluss an unsere Graduation stattfinden wird. Apropos Graduation: kaum zu glauben, schon in 2 Wochen ist es soweit und ich werde von Bikram meine "License to kill" erhalten. Besonders freut mich, dass ich dabei auch Besuch aus der Heimat bekommen werde: Dieter & Martin werden nicht nur bei der Zeremonie dabei sein, sondern auch beim abschliessenden Graduation Dinner, zu dem jeder Trainee 2 Gäste mitnehmen darf!

Am Mittwoch lieferte ich mit "Head to Knee & Stretching Pose" die vorletzte Asana ab, und auch da bekam ich als Ratschlag, etwas mehr Spass zu haben, und gleichzeitig Lob für meinen "excellent dialogue". Am Nachmittag kam es dann zu einer unerfreulichen Auseinandersetzung zwischen mir und meinem Zimmerkollegen Stephen. Obwohl er sehr witzig sein kann und eine Zweitkarriere als Stimmenimitator in Erwägung ziehen sollte, hat er mir in den letzten Wochen mit seiner oft schlechten Laune das Leben nicht gerade einfacher gemacht. Immer wieder musste er seinen Unmut über gewisse Dinge kundtun, und wenn es mal in einer Posture Clinic nicht nach Wunsch für ihn lief, war er oft den restlichen Tag mürrisch oder einsilbig (außer wenn es darum ging, über den Bikram Yoga Staff oder die Bevölkerung Kaliforniens im allgemeinen zu ätzen). Nicht ohne Grund hab ich daher in den letzten Wochen auch ein bisschen Abstand zu ihm gehalten und zu anderen Leuten den Kontakt gesucht - das Training ist hart und ermüdend, aber wir haben alle gewusst was uns erwartet, und eine Menge Geld dafür bezahlt um hier sein zu dürfen (ich empfinde es nach wie vor als grosses Geschenk!) Es macht einfach mehr Spaß Herausforderungen mit einem Lächeln zu begegnen als darüber zu granteln. Nach unserem Wortgefecht freute ich mich richtiggehend auf die 17h Klasse mit Bikram, wo ich mich so richtig vernichten wollte, um die negativen Emotionen loszuwerden. Leider spielte mein Magen allerdings nicht mit, und ich beschloss nach 30 Minuten den Raum zu verlassen und duschen zu gehen. Ich schlich mich aus dem Hotel und fand schliesslich in der Champions Sports Bar des Marriott Hotel Ablenkung, wo ich gleichzeitig das 1. Spiel der NHL-Eishockey-Finalserie zwischen Vancouver und Boston, sowie ein Baseballspiel der San Francisco Giants gegen die St. Louis Cardinals mitverfolgen konnte:


Beide Übertragungen waren äusserst spannend - das Eishockeyspiel wurde (sehr zur Freude unserer kanadischen Trainees) erst 18 Sekunden vor Schluss zugunsten von Vancouver entschieden, das Baseballspiel endete (sehr zu meiner Freude) mit einem knappen Sieg der Giants, die in dem Spiel 3x zurücklagen und am Ende doch noch 9:7 gewannen. Ich habe ja mittlerweile für Kati & mich Karten im AT&T Park in San Francisco am 5. Juli besorgt, und es wäre schön wenn wir da ein ebenso spannendes Spiel geboten bekommen - in jedem Fall haben wir recht gute Plätze in der "Lower Box" (30. Reihe), die ich mir diesmal auch ein wenig mehr kosten liess (40 USD pro Stück). Tickets bei den Spielen der Giants sind sehr begehrt: falls es kein gutes Spiel ist, bleibt einem dort nämlich immer noch der Blick auf die San Francisco Bay - der "Meerblick" ist in der Major League einzigartig, das Stadion ist direkt an der Waterfront gebaut, und schon alleine deshalb einen Besuch wert!


Ausserdem sind die Giants der amtierende Titelverteidiger und haben mit Tim Lincecum & Brian Wilson zwei der spektakulärsten & erfolgreichsten Werfer der Major League in ihren Reihen. Einen ihrer besten Schlagmänner, den Catcher Buster Posey, werden wir jedoch nicht bewundern können - ihm wurde in der Vorwoche bei einer Home-Plate-Kollision mit dem Florida-Marlins-Spieler Scott Cousins das Bein gebrochen, und er fällt für die restliche Saison aus. Die unschöne Spielszene, die auch zu einer heftigen Diskussion über Regelverschärfungen im Baseball geführt hat, gibt es hier in voller Länge zu bewundern... noch halten die Giants einen knappen Vorsprung in ihrer Division der National League, aber der Ausfall könnte sie auf dem Weg zur Titelverteidigung teuer zu stehen kommen. Ich werde ihnen am 5. Juli gegen San Diego auf jeden Fall die Daumen drücken!

Zurück zum Training: am Mittwoch und Donnerstag gab es wieder 2 lange Abendvorlesungen mit Bikram, und jene am Donnerstag wurde durch den populären Bollywood-Film "Sometimes happy, sometimes sad" gekrönt, welcher uns bis 4:30 Uhr morgens im Catalina Raum festhielt - allerdings hatte ich es mir da längst mit meinem OnePiece Strampler auf dem Boden gemütlich gemacht. Ursprünglich wollte ich dem Film wirklich eine Chance geben, aber schon nach 10 oder 15 Minuten hatte ich schwere Augen und musste aufgeben. Dementsprechend war ich dann nachher putzmunter, bestellte noch Konzertkarten, und legte mich erst um 6:00 ins Bett, woraufhin ich prompt die Morgenklasse verschlief und dafür am kommenden und letzten Wochenende meine bereits vierte (aber hoffentlich letzte) Makeup-Class absolvieren muss. Nachträglich betrachtet konnte ich aber froh sein diese Klasse verschlafen zu haben, denn dadurch war ich dann am Freitag gut ausgeruht für die Abendklasse mit Bikram - und die hatte es so richtig in sich!

Bereits am Vorabend wurde bekanntgegeben dass wir am Freitagabend frei bekämen, und ausserdem die lang ersehnte "Pizza Party" stattfinden würde. Aber wir mussten uns diesen Abend noch schwer verdienen - die 17h Klasse sprengte mit knapp 600 Yogis alles bisher Dagewesene. Zu den 430 Trainees und ungefähr 50 Staff Members & Visiting Teachers kamen nämlich noch 120 Recertifying Teachers, die hier waren um quasi ihr Diplom "aufzufrischen" - alle 3 Jahre muss man sich die Berechtigung, Bikram Yoga unterrichten zu dürfen, nämlich neu erwerben. Bikram überzeugt sich dann an einem Wochenende davon, dass diese Lehrer immer noch kompetent genug sind um seinen Yogastil zu unterrichten. Zu diesem Zweck wurden all diese Lehrer in den ersten 3 Reihen platziert, und wir musstem dementsprechend auf- und zusammenrücken, ich selbst fand einen Platz in der 4. Reihe, nicht allzuweit vom Podium entfernt. Gerüchten zufolge wurde der Raum vor Beginn der Einheit auf 120° Fahrenheit (=knapp 50° Celsius) beheizt, und durch die vielen zusätzlichen Schüler herrschte auch eine wesentlich höhere Luftfeuchtigkeit als sonst. Mit einem Wort - es herrschte Ausnahmezustand. Ich war zwar hochmotiviert und gut ausgeruht, aber nach etwa 30 Minuten half das auch nicht mehr - ich konnte dann meist nur noch das erste Set jeder Übung mitmachen, und gegen Ende der stehenden Übungen schaffte ich es nicht einmal mehr aufrecht zu stehen. Auch die Lehrer vor mir kämpften teilweise, und neben & hinter mir glich der Raum einem Schlachtfeld mit zahlreichen Verwundeten. Als meine Wasservorräte kurz nach dem Halbzeit-Savasana erschöpft waren, verliess ich für etwa 15 Minuten den Raum um mich abzukühlen sowie Wasser & Eis aufzufüllen. Ich verbrachte die gesamte Spine Strengthening Series draussen am Korridor, wo sich beunruhigende Szenen abspielten. Viele Leute hatten den Raum verlassen und saßen wütend, erschöpft, oder einfach nur heulend am Gang. Einige schafften es gar nicht mehr aus eigener Kraft und mussten rausgetragen werden; Mishon und einige andere Staff Members waren permanent damit beschäftigt den Raum zu scannen und die gefallenen Bikram Yoga Warriors zu entfernen. Während man durch die Tür gedämpft Bikram's Stimme völlig unbeeindruckt seinen Monolog, pardon - Dialogue, herunterbeten hörte (“1, 2, 3…6…9, 9 ½, 9 ¾, 9 plus one more quarter! And slowly down. Right ear on the towel, relax… not so bad second time, I didn’t say good, but not so bad... what do you think of my hair, can you believe that? I invented a new yoga posture that make my hair grow back, yyyeeesss, uuuumph!”) stellte sich wohl jeder - wenn auch nur für einen Moment - die Frage ob das noch sane ist was wir hier veranstalten. Zumindest in diesem Moment erschien es mir grenzwertig. Aber wenig später betrete ich den Raum wieder, nehme auf meinem heissfeuchten Handtuch Platz und stelle fest, dass ich die Klasse mit einem Ausrufezeichen beenden kann. Finish strong, wie es immer so schön heisst. Und nehme eine weitere Erkenntnis aus dem Training mit: es ist keine Schande den Raum verlassen zu müssen wenn man gestärkt zurückkommt... oder gelten in Klassen wie diesen einfach andere Maßstäbe? Wie oft schon bin ich zwar im Raum geblieben, aber die ganze Floor Series dahinvegetiert, like the dead meat in the cold storage (eigentlich müsste es in dem Fall "Hot Storage" heissen)? Ich weiss dass ich, zurück in Wien, wiederum kaum den Hotroom verlassen werde, aber ich habe kein schlechtes Gewissen es hier zu tun. Am Teacher Training laufen die Dinge nun mal anders, auch nach der Klasse: da gibt es kein "Namaste" von Bikram, sondern: "This was the worst class ever, in my whole life, not my teaching, but you guys. What a mess you are, WOW! Well my teaching the worst too, but that’s not what I meant. Boss, play track 8!" Und wieder werden wir mit einer unvermeidlichen Nummer aus Bikram's Lounge-CD beschallt, während der Feldherr uns genüsslich von seinem Sofa aus 2 Metern Höhe beobachtet, bzw. seiner Fahrstuhlmusik lauscht. "NOBODY loves himself more than me. I am sooooo in love with myself, you cannot believe it. And that's why i can love you guys!" Nach der Klasse sehe ich aus wie ein KZ-Überlebender, aber wenig später stärke ich mich mit Gratis-Pizza, Cherry-Cola, und beobachte amüsiert das Treiben am Dancefloor, wo Bikram in extravagantem Outfit gerade von Studenten umringt seine Moves zum besten gibt ("i used to teach Michael Jackson!"). Kurz zuvor hat er mit mir für ein Foto posiert, mir sanft seine Hand um die Hüften gelegt, und mit einem väterlich-stolzen Lächeln in die Kamera geblickt. Narzissmus sieht anders aus...