Montag, 30. August 2010

Abenteuer Richterkante


Eigentlich war es nur als 1-tägige Mehrseillängen-Tour am 8. Mai 2010 geplant, aber letztendlich wurde es zu einem jahresfüllenden Kletterprojekt: ganze 3 Anläufe haben meine Kletterpartnerin Renate & ich benötigt, um die "Direkte Richterkante" in der Stadelwand am Schneeberg zu durchsteigen!

Im nachhinein betrachet hätten wir es wohl besser wissen müssen: Renate hat gewissermaßen ein Händchen für aufregende Bergabenteuer, bereits unser Kennenlernen am Hochschwab im Oktober 2009 war ja alles andere als ein Spaziergang, und sie hatte auch schon mal das zweifelhafte Vergnügen mit der Bergrettung vom Dachstein ausgeflogen zu werden. Aber auch ich bin kein unbeschriebenes Blatt, hab ich es doch mal geschafft, mit meinem langjährigen Kletterpartner Thomas (den meisten bekannt unter "Knolly") in der 2. Seillänge des Draschgrats (Anm: Genusskletter-Klassiker im 4./5. Grad auf der Hohen Wand...) abseilen zu müssen! Allerdings muss man zu unserer Verteidigung sagen, dass wir da noch blutige Anfänger waren und bereits den Zustieg nur mit Mühe gefunden hatten ;-)

Aber wie auch immer: dass uns die Richterkante soviel Zähigkeit abverlangen würde, hätten Renate & ich beide nicht gedacht - obwohl sie zwei Seillängen im unteren 6. Grad bereithält, wie ihr auf dem folgenden "Topo" (= quasi die Wegbeschreibung beim Klettern) erkennen könnt:



Eigentlich war die Richterkante perfekt auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten: 10 Seillängen, die wir uns schön gerecht aufteilen und im Team "rotpunkt" klettern wollten, mit jeweils abwechselndem Vorstieg. Nachdem Renate sich den 6. Grad im Freien eher zutraute, beschlossen wir, dass ich die jeweils ungeraden Seillängen (1,3,5,7,9) und Renate die geraden Seillängen (2,4,6,8,10) klettern würde. Somit war es ihre Aufgabe, die beiden schwierigsten Stellen in der 2. und 10. Seillänge vorzusteigen. Bei der Vorbesprechung in meinem Garten gingen wir nochmals die wichtigsten Abläufe durch, war es doch unsere erste gemeinsame (Kletter)Tour im Freien. Der Rasenmäher musste kurzerhand als Standplatzhaken herhalten ;-)



Mit ihrem treuen Diener "Sir Paul" fuhren wir also ins Höllental und quartierten uns im Weichtalhaus ein, wo wir nach getaner Arbeit die Nacht verbringen wollten. Bis dahin war es aber noch ein weiter Weg... bereits der Zustieg durch den Stadelwandgraben erwies sich als anstrengendes Unterfangen: nach der vermeintlichen "6. Kehre" mussten wir ein Geröllfeld queren und suchten dann ewig die Stadelwand ab, bis wir endlich gegen 13:30 den unscheinbaren Einstieg fanden. Eigentlich hatten wir vorgehabt noch vor Mittag in die Wand einzusteigen, nun waren wir aber erst um 14:00 Uhr startklar und ich hatte ausserdem das Gefühl bereits eine anstrengende Halbtageswanderung in den Beinen zu haben.



Dementsprechend zügig machten wir uns dann ans Klettern. Die 2. Seillänge war kniffliger als erwartet (m.M.n. die schwierigste Stelle der gesamten Route), wir nahmen es dann mit den Bohrhaken auch nicht ganz so genau: eigentlich darf man diese bei einer "Rotpunkt" Begehung ja nur zur Absicherung verwenden und sich nie daran festhalten, aber ein Sturz an dieser Stelle wäre sowohl im Vorstieg als auch im Nachstieg (Quergang!) unangenehm gewesen; ausserdem wollten wir nicht noch mehr Zeit verlieren, da sich auch das Wetter eintrübte und wir nach der 4. Seillänge sogar einen kurzen Regenschauer abwarten mussten.



Als wir wieder fortsetzen konnten, und ich die 5. Seillänge in Angriff nahm, passierte jedoch noch ein viel größeres Fiasko: Beim Aufstieg durch eine schmale und etwas brüchige Rinne trat ich einen Stein los, und dieser wurde durch die Rinne direkt zu Renate befördert, die sich etwa 5 m unterhalb am Standplatz befand, wo ihr der Stein direkt auf die Schienbeinkante knallte. Ob der Stein nun "faustgross" (Alex) oder "kindskopfgross" (Renate) war, darüber waren wir uns nicht einig; fest stand allerdings, dass er Renate ein daumenkuppengrosses Loch ins Schienbein geschlagen hatte, denn dieses musste sie nun mit ihrem Daumen abdichten, um ein Blutbad zu verhindern:



Nachdem wir einen Druckverband angelegt hatten, und an Weiterklettern nicht zu denken war, machten wir uns an die heikle Aufgabe des Abseilens, wo beim Klettern in der Regel mehr Unfälle passieren als beim Aufstieg. Immerhin befanden wir uns fast auf halber Höhe der Stadelwand, in etwa 100 m Höhe. Zum Glück hatte Renate die Ruhe bewahrt und so verlief der Abseilakt ohne weitere Zwischenfälle. Als wir am Wandfuss ankamen, war es regnerisch & kühl, die Wand war in Nebel getaucht, und wir waren uns einig dass es eine gute Entscheidung war umzukehren, da uns ja auch noch der Abstieg durchs Geröllfeld und den Stadelwandgraben bevorstand...



Beim Weichtalhaus angekommen, wurde uns vom Hüttenwirt empfohlen ins nahegelegene Krankenhaus in Neunkirchen zu fahren um die Wunde überprüfen zu lassen. Und wie sich dort am Röntgenbild herausstellte, war von Renate's Schienbein tatsächlich ein kieselsteingrosser Knochensplitter herausgebrochen, welchen der diensthabende Chirurg nun unter lokaler Betäubung entfernen musste. Ich fühlte mich unweigerlich an INGLORIOUS BASTERDS (die Szene, wo Brad Bitt mit dem Zeigefinger in Diane Kruger's Bein herumbohrt!) erinnert... aber Renate überstand auch diese Horror-Einlage einigermassen cool. Zur Belohnung gingen wir anschliessend zum Chinesen in Neunkirchen essen, wo Renate bereits wieder entspannt lächeln konnte, und gönnten uns später im Weichtalhaus trotz unverrichteter Dinge die mehr als verdiente "Gipfeltschik" (a.k.a. "Spasszigarette") vorm Schlafengehen ;-)







Und dass wir die Richterkante nicht so einfach ad acta legen konnten, war uns auch klar - zu schön waren die ersten Seillängen, besonders der Doppelriss in der vierten hatte es mir angetan. Somit war klar dass wir - nachdem Renate's Schienbein wieder zugeheilt war - die Tour nochmals in Angriff nehmen wollten, und der 11. Juli wurde als 2. Versuch im Kalender eingetragen. Was wir dabei nicht bedachten: die Stadelwand ist eine Südwand und daher besonders sonnenexponiert, und natürlich wurde der 11. Juli 2010 einer der heissesten Tage des Jahres. Dass wir uns dennoch einbildeten an diesem Tag (wir waren diesmal zu dritt unterwegs, auch Knolly war mit von der Partie) die Richterkante klettern zu können, grenzt im nachhinein betrachtet fast schon an Übermut. Auch wenn wir mittlerweile den Einstieg der Route kannten, war klar dass wir wohl erst gegen Mittag in die Wand einsteigen könnten, und somit gut 4-5 Stunden am frühen Nachmittag in der aufgeheizten Wand verbringen würden, eigentlich ein leichtsinniges Unterfangen. Doch es sollte gar nicht soweit kommen: beim schweisstreibenden Zustieg durch den Stadelwandgraben rutschte ich nämlich mit dem rechten Bein ab, und zog mir beim Versuch mein Gleichgewicht zu halten eine äusserst schmerzhafte Zerrung im linken Oberschenkel zu!



Schnell war klar, dass ich den Aufstieg nicht würde fortsetzen können, und da Renate und Knolly mich nicht zurücklassen wollten, traten wir erneut den Rückzug an, für den ich - gestützt von Renate, während Knolly meinen Rucksack ins Tal trug - fast 2 Stunden brauchte... unten angekommen, verschaffte ein kurzes Bad im kalten Wasser der Schwarza zumindest noch ein wenig Trost & Schmerzlinderung. Und wir beschlossen, es noch ein 3. Mal zu versuchen - man soll sein Glück ja nicht zwingen, aber auf einen letzten Versuch im Spätsommer wollten wir es noch ankommen lassen.

Am 28. August war es dann soweit: mit ungebrochenem Optimismus und Glückskeksen bewaffnet fuhren wir wieder ins Höllental. Die Anreise erfolgte diesmal bereits am Tag davor, wir übernachteten nämlich bei einer Freundin in Reichenau. Dadurch waren wir dann am 29. August auch etwas schneller am Start, den Zustieg fanden wir mittlerweile bereits im Schlaf, aber dennoch war es wieder nach Mittag als wir bei sonnigem, aber windigem Wetter in die Wand einstiegen. An exponierten Stellen hatte man als Sichernder doch ziemlich mit dem Auskühlen zu kämpfen. Die 2. Seillänge war immer noch eine Herausforderung, aber Renate löste sie diesmal schon souveräner, und auch ich trat besonders vorsichtig, um nur ja keinen Stein loszutreten. Am ominösen Standplatz vor der 5. Seillänge gab es eine kurze Stärkung mit den Glückskeksen, die uns unsere besorgte Freundin Michi extra mitgegeben hatte:





Danach gab es eigentlich nur noch einen Zwischenfall - angeregt durch das viele Hochsteigen wollte mein Darm nicht länger mit der Entledigung des Frühstücks warten, und ich musste während der 7. Seillänge wieder einmal als der legendäre "Stoascheisser Koarl" in Aktion treten. Detail hierzu erspare ich Euch. Erleichtert nahm ich dann jedenfalls den Endspurt in Angriff, in der 8. Seillänge kehrte auch die Sonne wieder zurück und mir wurde, auch aufgrund der fordernden Kletterei in diesem Abschnitt, nochmal so richtig warm. Bei Renate und mir machte sich bereits vorsichtige Euphorie breit :-)





Während ich die 9. Seillänge vorstieg, konnte ich auch schon einen Blick auf den Ausstiegspfeiler erhaschen, der nun als Krönung auf Renate wartete:





Der mit dem glatten 6. Grad bewertete Austiegsriß erwies sich weniger schwer als erwartet, vor allem war er gut mit Bohrhaken versorgt, und von mir direkt unterhalb stets gut einsehbar, was das Sichern doch erleichtert. Vor allem waren wir schlicht und einfach nicht mehr aufzuhalten! Wenig später erreichten wir dann den letzten Baum und somit den Ausstieg aus der Direkten Richterkante - exakt 113 Tage nachdem wir erstmals den Einstieg betreten hatten! ;-)



Umso größer war auch die Freude und Genugtuung, dass wir dieses Projekt doch noch vollenden konnten! Nachdem der Abstieg auch noch sehr zeitraubend war und wir erst mit Einbruch der Dunkelheit im Tal beim Auto ankamen, verzichteten wir auf den geplanten Besuch beim Chinesen in Neunkirchen und belohnten uns stattdessen bei einem Japaner auf der Wienzeile - an dieser Stelle nochmal danke für die Einladung, Renate!



CLIMBING PROJECT "DR 2010": MISSION ACCOMPLISHED! :-)

Montag, 26. Juli 2010

Vamos a les Wild-Alpes!


Man könnte berechtigterweise argumentieren, ich hätte schon genug Sportausrüstung im Keller (oder auch mitten in der Wohnung) herumstehen, aber dennoch bin ich drauf und dran eine weitere Sportart zu meinen Hobbies zu zählen - das Paddeln! Mein "Wingman" Klaus ist ja bereits seit 2009 begeisterter Paddler, und regelmässig in Wildalpen an der Salza zu Gast. Dort befindet sich nämlich - inmitten eines wunderschönen Campingplatzes der Naturfreunde - das "Wildwasser Kompetenzzentrum" Ost-Österreichs, geleitet von Heli & Angela Kern. Aufgrund Klaus' guter Kontakte dorthin durften wir heuer bereits 2x an einem Kajak-Kurswochenende in Wildalpen teilnehmen, und sind dabei alle ein wenig dem Paddelfieber erlegen!

Blut geleckt hatte ich eigentlich schon vor ein paar Jahren, als ich mit einer kleinen Gruppe im Höllental auf der Schwarza paddeln, und schwer beeindruckt vom Naturerlebnis dort war. Als unser Gruppenleiter Thomas damals anmerkte, dass wir "unterhalb der Freiheit" in den Fluss einsteigen würden, da dort immer wieder Unfälle passieren und auch schon Leute ertrunken wären, wurde ich jedoch hellhörig. Die Tatsache, dass es ganz offensichtlich auch beim Paddeln auf relativ harmlosen und dermassen idyllischen Flüssen wie der Schwarza potenziell tödliche "Schlüsselstellen" gab (und solche Stellen dann ironischerweise den Namen "Freiheit" erhielten) übte sofort eine morbide Faszination auf mich aus.


Wenig später machte ich mich im Internet schlau und erfuhr dass es - ähnlich wie beim Klettern - auch beim Wildwasserpaddeln (6) Schwierigkeitsgrade gibt, und dass die Gefahr der Freiheit , je nach Pegel immerhin WW Grad II-III, aus einer "unterspülten Prallwand" besteht. Noch konnte und wollte ich mir darunter nichts genaues vorstellen, aber meine Neugier war geweckt. Und als von Klaus heuer im Mai der Vorschlag zu einem Kajak-Kurs kam, brauchte ich nicht lange zu überlegen.



So verschlug es uns also Anfang Juni auf die Salza, und wir machten unsere ersten Geh- oder vielmehr Paddelversuche in einem Kajak. Zwar hatte ich schon einmal in einem Boot gesessen, doch damals war es eine harmlose, gemütliche Paddeltour gewesen. Als uns Kursleiter Matthias beim "Fitten" (Anpassen) der Boote half, und wir uns samt Neopren und Spritzdecke darin verspreizen mussten, wusste ich jedoch bereits dass es diesmal etwas "ernster" zugehen könnte.

Michael Niavarani hat ja unlängst in seiner Kabarettnummer "Flugangst" sehr treffend darauf aufmerksam gemacht, wie unglaublich ermutigend es ist, vor einem Flug bei der Sicherheitseinweisung durch das Bordpersonal vorgeführt zu bekommen, dass "ja durchaus etwas passieren könnt'"... ähnlich war es, als wir am Salza-Stausee als allererste Lektion das "Aussteigen" aus einem Kajak üben mussten, implizierte es doch den Hinweis dass wir früher oder später kentern würden. Da man als Anfänger nicht erwarten darf, gleich mit einer Eskimorolle lässig-elegant wieder aufzutauchen, muss man also, kopfüber im Wasser treibend, die Spritzdecke öffnen, seine Beine aus der Verankerung im Kajak lösen und sich mit den Armen aus dem Boot herausschieben. Keiner bestritt die Sinnhaftigkeit diesen Bewegungsablauf gleich zu Beginn zu üben, aber etwas mulmig war uns doch wohl allen zumute.



Nach einigen Paddelübungen und witziger Spiele wie zB dem "Kajak-Polo" (bei dem ich gleich mal meine persönliche Schrecksekunde hatte, als ich völlig überraschend kenterte und ein Weilchen brauchte bis ich mich aus meinem Boot herausgeschält hatte) überquerten wir dann den Stausee, umtrugen die Boote bei der wunderschönen Presceny-Klause und durften dann in den mittleren Teil der Salza einsteigen!



Wir lernten nun zunächst die Basismanöver Vorwärtsschlag, Bogenschlag, Flache Stütze & Seilfähre auf dem "bewegten Wasser" (als "Wildwasser" kann man das Teilstück unterhalb der Presceny-Klause noch nicht wirklich bezeichnen) anzuwenden und übten vor allem immer und immer wieder das Erkennen von, Einfahren in, bzw. Ausfahren aus dem "Kehrwasser", ein Begriff der nach dem Wochenende praktisch zum Haushaltsvokabular zählt. Gemeint sind damit die kleinen Verwirbelungen bzw. ruhigen Stellen am Ufer bzw. hinter Flusshindernissen, die man immer wieder für Pausen nützen kann und muss.



Erst am frühen Abend, und begleitet von einem heftigen Gewitter, stiegen wir bei Gschöder aus der Salza aus, und setzten am 2. Tag an selber Stelle unsere Fahrt fort. Das Ziel war nun bis zu unserem "Basislager", dem Campingplatz Wildalpen abzufahren, und dabei erwartete uns nun tatsächlich Wildwasser der Kategorien I und II:



Gegen Ende durften bzw. mussten wir auch den "Brunner Schwall" durchfahren, eine der Schlüsselstellen auf dem mittleren Salza-Teilstück, bei dem ich auch prompt die Balance verlor und inmitten des Gischt-Schwalls (auf dem Foto am oberen Rand erkennbar) abgeworfen wurde:



Unsere umsichtigen und routinierten Instruktoren Matthias und Corinna waren jedoch immer helfend zur Stelle, sodass es nie zu längerem "Schwimmen" (eine sehr schmeichelhafte Bezeichnung für das Treiben im Fluss, denn mit Boot und Paddel in den Händen lässt es sich in der Strömung nur sehr schwer zielgerichtet schwimmen) kam. Am Ende erreichte ich glücklich und einigermassen abgekämpft den Campingplatz Wildalpen, und wurde dort von der "Heli-Welle" noch ein zweites Mal abgeworfen. Aber da durfte ich wenigstens gleich an Land schwimmen und mein mit Wasser gefülltes Kajak direkt vor meinem Zelt entleeren ;-)

Nun freue ich mich schon auf unser nächstes Wochenende an der Salza und hoffe bzw. fürchte dass dann erstmals der untere Abschnitt befahren wird! Denn wie die dortige Schlüsselstelle "Lawinenschwall" aussieht, möchte ich mir im Moment gar nicht ausmalen!

Mittwoch, 2. Juni 2010

Hans Söllner live in concert

Impressionen vom legendären "Hansi-Weekend" letztes Wochenende am Attersee, unterlegt mit Liedern aus Hans Söllner's letztem Album "VIET NAM"...

video

Danke an den Wettergott und alle die dabei waren... JAH BLESS!

Montag, 19. April 2010

The Endless Summer


Bereits im vorigen Posting habe ich erwähnt dass in naher Zukunft 2 grössere Reisen anstehen, und ich möchte nun gern etwas ins Detail gehen, was meine Australien-Reise im kommenden Winter betrifft. Zum zweiten Mal nach 2002 geht es also - erneut für 5 Wochen - auf den fünften Kontinent, und die Vorfreude ist riesig. Denn während ich vor 8 Jahren mehr oder weniger alleine das Land bereisen musste, kann ich diesmal auf hochkarätige Reisebegleitung zählen: das Master-Studium meines Lieblingshernalsers und Ex-Trauzeugen Stefan "Pavel" Podar in Adelaide bot die perfekte Gelegenheit zur Rückkehr nach down under!

Stefan & Julia werden im Dezember 2010 aller Voraussicht nach ihren Master-Lehrgang in muskuloskelettaler und Sport-Physiotherapie an der University of South Australia abgeschlossen haben und mich am Morgen des 28. Dezember als ersten Gratulanten aus Donaustadt in Adelaide empfangen, und mir dann ein paar Tage die Stadt zeigen, in der sie mehr als ein Jahr verbracht haben. Das ganze wird vermutlich auch mit einer ausgiebigen Verkostung australischer Biersorten einhergehen, und Stefan hat bereits versprochen, seinem neuen Spitznamen "The Roomaster" gerecht zu werden und mir höchstselbst ein Kangaroo-Steak zu kredenzen.

Anschliessend steigen wir alle gemeinsam in einen Flieger nach Perth, zum Herzstück der Reise: einem 3-wöchigen RoadTrip durch Westaustralien im Jänner 2011... in search of the perfect wave! Stefan ist ja mittlerweile vom Surfvirus befallen, hat sich bereits einen Neopren-Shorty gekauft, und macht an seinen freien Wochenenden bevorzugt die Strände in der Umgebung Adelaides unsicher. Nachdem ich ihm vor einigen Jahren am Neusiedlersee gezeigt habe, wie man in Donaustadt stehsegelt, erhoffe ich mir von ihm Nachhilfeunterricht in Sachen Wellenreiten, und vielleicht reichen 3 Wochen ja sogar aus um den "Hernalser Bottom Turn" zu erlernen?



In Perth werden wir voraussichtlich auf Klaus Platzer & Natalie Ricciardi treffen, welche mich ja schon am Flug nach Kuala Lumpur begleiten, von dort allerdings direkt nach Perth fliegen. Klaus hat bereits einmal 4 Monate lang sämtliche Nationalparks Westaustraliens mit dem Campervan abgeklappert; gemeinsam mit unseren Locals aus Adelaide und meinen Queensland-Connections bringen wir also eine geballte Portion Australien-Erfahrung mit. Und so soll mit 2 Autos anschliessend WESTERN AUSTRALIA auf der unten abgebildeten Route (rote Linie) unsicher gemacht werden:



Da Westaustralien etwas grösser ist als die Donaustadt (der grösste australische Bundesstaat ist mit 2.529.880 km² annähernd fünfundzwanzigtausendmal so gross wie der mit 102 km²grösste Wiener Gemeindebezirk) muss sich die Reiseroute zwangsläufig auf einen bestimmten Teil beschränken, und da der Nordwesten des Landes im Sommer (Jänner/Februar) häufig von Fluten heimgesucht wird, und ausserdem die enormen Distanzen und die hohe Luftfeuchtigkeit erschwerend hinzukommen, wird die Wahl voraussichtlich auf den Südwesten des Landes fallen, welcher praktischerweise auch einige der hochkarätigsten Surfspots des Planeten enthält. Nicht umsonst findet sich beim "Margaret River Classic" alljährlich die Elite des Sports ein, um ihre Turns in die Wellen zu kratzen; die legendären Spots in und um Margaret River tragen so klingende Namen wie Rocky Point, The Farm, Bone Yards, Guillotine oder South Side (auch bekannt unter "Suicide"...). Margaret River ist ausserdem eine Hochburg des australischen Weinbaus, also sollte es mit dem Bottom Turn nicht klappen, können wir uns immer noch auf Weinverkostung begeben um unseren Frust zu ertränken.

Von Margaret River könnte es dann nach Albany an der Südküste gehen, und von dort aus in östlicher Richtung bis nach Esperance. Dieses Teilstück ist eine gebirgige, besonders grüne Region Australiens und kann mit mehreren sehenswerten Nationalparks (Stirling Range NP, Fitzgerald River NP & Cape Arid NP) aufwarten.



Und sie bietet den idealen Kontrast zur anschliessenden Fahrt ins Landesinnere, durchs Southern Outback nach Kalgoorlie, der Hauptstadt des einstigen Goldrausches, und immer noch ein bedeutendes Zentrum der "mining industry". Nachdem ich 2002 grösstenteils auf den "tourist trails" Ostaustraliens unterwegs war, erhoffe ich mir gerade von diesem Teilstück (welches uns durch einige sprichwörtliche "Kaffs" führen wird) Einblicke in das australische Leben abseits der Millionenstädte. "Go Bush" wird dann also die Devise lauten, und ich bin sicher Stefan, Julia, Klaus, Natalie & ich werden mit einer Mischung aus australischem Slang, Hernalser Bierdurst, oberösterreichischer Gemütlichkeit, Donaustädter Humor & italienischem Charme für einige offene Münder in den örtlichen Roadhouses sorgen...



Ein kurzer Abstecher nach Norden sollte sich nach Möglichkeit auch noch ausgehen, denn von Perth in relativ kurzer Zeit erreichbar sind ausserdem der Windsurf-Spot Lancelin mit dem Schweizer Urgestein Werner, der angeblich seit gut 10 Jahren mit seinem VW-Bus dort seine Zelte aufgeschlagen hat und Windsurfmaterial zu günstigen Bedingungen vermietet, sowie die Pinnacles, nach dem Ayers Rock und dem Sydney Opera House wahrscheinlich eines der populärsten Fotomotive Australiens.



Mehr als 3 Wochen bleiben uns in Summe aber nicht, denn Ende Jänner geht es dann noch für 1 Woche nach Melbourne, in die "europäischste Stadt Australiens", und dort warten noch 2 echte Highlights auf uns: ein Besuch bei den AUSTRALIAN OPEN, dem heissesten Tennis-GrandSlam-Turnier des Jahres, und das BIG DAY OUT FESTIVAL, wahrscheinlich das heisseste Musikfestival der Welt.

Fair Dinkum!



Montag, 15. März 2010

MountainMania 2010!

Im Jänner hab' ich mit Yulia Kraeva Wien erkundet, nun folgt der Rest Österreichs - mein Jahr wird ganz im Zeichen der heimischen Bergwelt stehen! Bei der spannenden Hochschwab-Tour im Oktober 2009 (siehe Posting) hab ich Blut geleckt, und beschlossen wieder zum Bergsport zurückzukehren - und das Jahr 2010 bereits mit einigen wunderschönen Touren eröffnet!

Am Hochschwab machte ich nämlich u.a. die Bekanntschaft von Renate Antolkovich und Klaus Platzer - erstere ist buchführendes Mitglied von BERGFIEBER, einer jungen Outdoor-Gruppe der Akademischen Sektion Wien des Österreichischen Alpenvereins, und letzterer ist ein in Wien lebender Oberösterreicher mit einem Faible für die schönen Dinge im Leben: Reisen, Natur, edle Tropfen, schöne Frauen, und vor allem... rote Erde! Unsere nächste grössere Reise wird uns im Dezember 2010 gemeinsam nach Australien führen! Er ist ausserdem semiprofessioneller "Eskimotierer" & "Snowshoer" und hat mich sogleich günstig mit Schneeschuhen versorgt, sodass wir im Februar gleich an 4 aufeinanderfolgenden Wochenenden gemeinsam Ausflüge unternehmen konnten (der strenge Winter mit durchgehend tiefen Temperaturen im Osten war dabei sehr hilfreich). Hier ein kleiner Überblick über unsere Touren:

Schneeschuhwanderung zum Peter-Rosegger-Haus auf der Pretulalpe (Stmk)



Wanderung mit einer Bergfieber-Gruppe zum Eisernen Tor am Hohen Lindkogel bei Sooß (NÖ)




die wohl schönste Schneeschuhwanderung auf den Pinkenkogel am Semmering, direkt vis-a-vis vom Skigebiet Hirschenkogel (NÖ)



bei Tauwetter am Kreuzschober in den Mürzsteger Alpen (Stmk)



Das abschliessende Highlight (und gleichzeitig ein würdiger Schlusstrich unter den Winter) war das "Schnee&Camp" mit BERGFIEBER von 4. - 8. März, ein Event bei dem ich ohne Klaus, aber dafür mit 10 anderen netten Leuten eine Selbstversorgerhütte in den Seetaler Alpen bezog - eingebettet zwischen Zirbitzkogel, Fuchskogel und Geierkogel.


Neben Schneeschuhwanderungen, Snowboard-Freeriding, Lawinenkunde & viel selbstgekochtem Essen auf der Hütte (wir waren knapp davor die Veranstaltung in "Gourmet & Camp" umzubenennen) konnte ich am letzten Abend sogar eine Nacht in einem Iglu verbringen. In einer sternenklaren Nacht bei -10°C Aussentemperatur war mir dank Renate's CARINTHIA Expeditionsschlafsack (Komfortzone -12°, im Extremfall bis -27° möglich) trotzdem nicht kalt, im Iglu hat es ja konstant Temperaturen "nur" knapp über dem Nullpunkt. Den Iglu hatten wir uns zuvor ausserdem mittels Räucherstäbchen und Teelichtern richtig wohnlich eingerichtet. Zuvor hatte ich tagsüber noch ein paar Poser-Fotos von mir beim Snowboarden über eine kleine Klippe schiessen lassen:



Nun habe ich aber genug vom Schnee und freue mich schon auf den Frühling. Mit dem 10-tägigen "Stubaier Höhenweg", einem der beliebtesten Weitwanderwege Österreichs, ist im Spätsommer noch eine ausgedehnte Hüttenwanderung geplant, mal sehen ob ich dafür eine nette Gruppe zusammenbekomme. Im Frühjahr und Sommer hab ich mehrere Kletter-Trips in die Alpen geplant und mir bereits den "Genuss-Kletteratlas für Ostösterreich" zugelegt. Doch all das ist eigentlich bloss Vorbereitung: 2012 ist ein grosses Schottland-Abenteuer inklusive Bergbesteigungen und waghalsiger Klettereien geplant. Doch dazu ein andermal mehr... zunächst einmal muss der Australien-Urlaub geplant werden! Ich wünsche Euch ebenso aufregende Reisepläne und einen wunderschönen Frühling!

Donnerstag, 4. Februar 2010

Two Worlds, Linked but Scattered


Here's another interesting NEW YORK TIMES article, written by Roger Cohen, and published in Austria's DER STANDARD on February 1. I only happened to stumble upon it today, and it reminded me - in its content as well as in its style of writing - of the wonderful book SHANTARAM (by Gregory David Roberts) which I have recently finished after 5 months and 930 pages of fascinated reading...

HO CHI MINH CITY

I was in Vietnam, but I might have been in just about any developing nation. I walked out of the air-conditioned café, a sort of ersatz Starbucks called Highlands with its lattes and club sandwiches, and found myself in the grit and grime of the laboring world.

At the roadside coffee stand, where I perched myself on a low plastic stool, chickens strutted under the plastic tables. A woman swept cigarette butts into the gutter where they joined the leftovers she'd just tossed out. Cab drivers, looking sharp in their white shirts and red ties, pulled over to grab a sweet concoction made from condensed milk mixed with strong coffee poured from plastic bottles. Great hilarity accompanied the loading of a dog onto the front of an already burdened motor scooter. The bike took off, adding its whine to Vietnam's two-wheeled cacophony, which at that moment included a biker with a great bundle of floral wreaths: well, I thought, if he goes under a truck the burial will be a fine occasion!

Aaah, I sighed, the real world. Poverty is real and it's widespread and increasingly it sits hard against the cool and glittering and brand-filled malls where the moneyed stroll and shop on avenues of hermetic fragrance. But of course these soaring atriums of opulence, indistinguishable from Shanghai to Sao Paolo, are no less "real" than the dusty mayhem from which they rise. If we call struggle and toil real, but shop-until-you-drop affluence artificial, it is perhaps because we are at a loss for words.

It has to be said that the contrast is often mindboggling: the crumbling shack beside the 5-star beach resort; the vast villa (offered by Sotheby's International Real Estate) beside the slum; the "gated community" beside the great unwashed; the brand-filled department store beside the market where raw-faced peasants offer a head of lettuce or a bunch of lemon grass. Economists call this "enclave development." But how do you connect the enclaves with their surroundings? How do you spread wealth?

This is one of the great conundrums of our times. Technology and the instant movement of capital have empowered and enriched the few. Yachts rise on globalization's rising tide, but little dinghies often don't. Rapid industrialization in the 19th century brought a reaction in the form of labor unions that, over time, proved effective in spreading benefits. But rapid globalization in the 21st century tends to escape any organized control or channeling, as the great financial meltdown of 2008 illustrated. National governments, let alone national unions, are weaker than globalized forces. Social democracy, with its tradeoffs, a triumph of the 20th century, has lost sway to individualism.

But, of course, the picture is not entirely dark. In Asia, hundreds of millions have been lifted from abject poverty by the vital injection of international capital. From China to Africa, nongovernmental organizations are working hard to grow citizens' awareness of their labor rights, their environmental rights and their rights as women. Technology, a byword for openness, has limited the ability of repressive governments to repress with 20th-century ferocity. They have to be more selective about where they draw the line. Connectivity has empowered more people to create.

Still, I am struck by how skewed the world is. The link between labor and reward has been broken. Too much money just gets made too fast through cozy deals that flourish in an uncontrollable global financial environment. President Obama may rail against greedy banks, and western politicians may vow stricter regulation, but the forces they battle seem stronger than they are. China, which in its way is a synonym for the 21st century, is a study in how the haves get sweetheart deals while the have-nots toil.

And so onward we rush, linked by technology, but scattered in enclaves, toward some day or reckoning that seems inevitable, but whose form I cannot imagine.

Samstag, 30. Januar 2010

Culture-All New Year!


I'm happy to announce that VISHNU has finally delivered all of his presents, and i hope they helped you getting a good jumpstart into the new decade (i know the old one actually ends with December 2010, but since we had to change the third digit, i think it's okay to mark it as the turn of a decade)! My start into 2010 was a very cultural one, the visit of Yulia from Moscow was a great experience for both of us. Communication wasn't easy, but after picking her up and immediately taking her on the "Silvesterpfad" downtown, a few hot Punsch drinks certainly helped loosening her tongue. Since she stayed from December 30 until January 10 we had plenty of time to see everything we wanted, and that's exactly what we did. My personal highlights were certainly the visit at the Vienna State Opera (just being in that amazing building was worth the ticket alone, but Johann Strauss' "The Bat" was actually very entertaining, too!), and the many exhibitions that we covered: "Edvard Munch and the uncanny" & Austria's largest Egon Schiele collection at Museum Leopold, the Gender Check exhibiton at the Modern Arts (MUMOK) Museum, the Austrian Gallery (including Gustav's Klimt fabulous painting "The Kiss") inside the Belvedere Castle, and finally the Impressionism exhibition ("How the light found the canvas") at the Albertina Museum. Number 3 on my highlight list was the viewing of Carol Reed's black & white classic "The Third Man" at the BURG KINO cinema, who run it constantly for tourists & cineasts. I'd never actually seen it in full length or original language before, and the peculiar Viennese dialect mixed with Joseph Cotton's dry English voiceover narrative really added a lot of pleasure to the film, not to mention Anton Karas' famous "Harry Lime Theme" on the Zither. It is truly a brillant film noir, and I'm sure I will see it a few more times. And it proved to be a good idea for Yulia's visit, because even though she did not understand everything (her first question after the film was "Who was the third man?") she could grasp the plot, get an impression of post-WorldWarII-Vienna, and compare many of the film's locations with their appearance today... unfortunately, we couldn't take the ride on the ferris wheel since it is closed at this time of the year.

Apart from our programm, which further took us to the WEV ice skating rink, the nearby Wiener Konzerthaus for a classical concert, and the "Sissi Appartments" at Vienna's Hofburg, we also found time to enjoy the famous Viennese coffee houses and spend some time with her best friend Anna and her husband Heinz, finishing it off with a "Swiss-Fondue-Last-Supper" before Yulia's departure. She already mailed that she got back okay, and thanked me again for the diverse programm. I hope we stay in touch via email, and maybe there will be an opportunity to visit Moscow some day... спасибо Юля !