Samstag, 11. Juni 2011

"Home Stretch!" (Week 8)


Nun sind wir also endgültig auf die Zielgerade eingebogen - das Bikram Yoga Teacher Training Spring 2011 neigt sich dem Ende zu (und das Fall Training steht schon in den Startlöchern; Ende September findet der ganze Wahnsinn bereits zum nächsten Mal statt)! Wie es sich für eine Zielgerade gehört, verlief diese Woche relativ straightforward, dh. es wurden uns vom Staff keine allzu grossen Steine in den Weg gelegt... oder wir sind nun tatsächlich fire-proof, denn mittlerweile braucht es schon Ausnahmeklassen wie letzten Freitag um uns in die Knie zu zwingen!

Ich hab mir glücklicherweise auch keine weitere Makeup-Class mehr eingehandelt, musste allerdings am Samstag noch eine von letzter Woche abbüßen. Hätte ich diese Woche weitere Stunden verschlafen oder verpasst, wäre das unangenehm gewesen; man hat zwar die Möglichkeit auch an den freien Sonntagen in einem beliebigen Studio in L.A. seine Makeup-Klassen(n) zu absolvieren, aber heute war die letzte Möglichkeit dazu, und alle die jetzt noch Makeup-Klassen zu Buche stehen haben, müssen sich kommende Woche vor Bikram persönlich verantworten und hoffen dass er ihnen dennoch das Teacher's Certificate ausstellt... daher wurden wir diese Woche vom Staff auch besonders eindringlich an die Sign-In Prozedur erinnert, damit wir uns nicht unnötig Strafklassen einhandeln. Ich habe ja alle meine 4 Makeups deshalb bekommen weil ich verschlafen habe, aber es gibt auch Leute die in der Eile einfach nur auf den Sign-In vergessen, und das hat dieselben Konsequenzen!

Meine letzte Makeup-Klasse gestern wurde vom indischen Staff-Publikumsliebling Balwan gehalten. Wir alle hatten uns sehr auf die Klasse gefreut, für mich war sie dann aber ein etwas abschreckendes Beispiel, wie wichtig es ist den Unterrichtstil in Einklang mit der eigenen Persönlichkeit zu bringen. Natürlich ist es wichtig den Dialogue commanding vorzutragen, um das Beste aus den Schülern herauszuholen, aber die Art und Weise wie uns Balwan bei einigen Asanas förmlich angebellt hat, stand in krassem Widerspruch zu seiner sonst so sanften & besonnenen Art. Er hat sogar während der Klasse zugegeben, daheim (und auch sonst) unterm Pantoffel von Sharon Clerkin zu stehen - sie und Judes Yang sind quasi Bikram's verlängerter linker bzw. rechter Arm bei diesem Training, und Sharon & Balwan sind ein Paar - diese Klasse gäbe ihm aber endlich einmal die Möglichkeit den Spiess umzudrehen... das alles fiel für mich in die Kategorie "TMI" (too much information), und mein Award für die beste Makeup-Class geht an J.C. Gray, der allerdings nach Hanfkonsum & einem Techtelmechtel mit Jill (dem Staffmember, das Bikram anfangs immer die Füsse massiert hat!) kommentarlos vom Training abgezogen wurde...

Ich will natürlich auch nicht behaupten dass wir es besser machen werden, als Balwan schon gar nicht zu Beginn. Die ersten Klassen als Bikram Yoga Lehrer werden dem allgemeinen Konsens nach als "nerve-racking experience" beschrieben, und auch ich bin mir sicher dass ich nervös sein werde wie schon lange nicht mehr, zudem ich noch nicht einmal weiss wo ich meine 1. Klasse unterrichten werde! Fest steht, dass sie wohl noch auf amerikanischem Boden stattfinden wird; während der letzten Wochen hab ich einige Studios angeschrieben, die auf meiner geplanten Reiseroute liegen, und bei hunderten Bikram Yoga Studios in den USA sollte sich doch zumindest eines finden dass sich erbarmt und meiner annimmt! Bisher hab ich allerdings noch keine fixen Zusagen bekommen - gerade in Kalifornien scheint es nicht einfach, wo in Kürze doch 430 frischgebackene Yogalehrer wie Heuschrecken über das Land herfallen werden, und in Los Angeles, San Diego oder San Francisco möchte nun mal jeder gern unterrichten. Obwohl diese 3 Städte auch Teil meiner Reiseplanung sind, setze ich meine Hoffnungen daher nun eher auf andere Städte - Bikram Yoga Tucson & Bikram Yoga Missoula sind 2 mittelgrosse Studios, bei denen ich mir momentan Chancen ausrechne. Und sie würden auch ein schönes Kontrastprogramm bieten: Tucson/Arizona, nur 60 km von der mexikanischen Grenze in der Sonora-Wüste gelegen, und vom Saguaro-Nationalpark mit seinen namensgebenden Kakteen umgeben, gilt als "Mexican Food Capital of the World" und ist ausserdem Wahlheimat einer meiner absoluten Lieblingsbands: CALEXICO! Dass man in der Gluthitze von Tucson einen Hot-Yoga-Raum füllen kann, hätte ich zwar nicht für möglich gehalten, aber offenbar kann das Studio von Diane Faircloth auf eine treue Yoga-Fangemeinde zählen.


Dasselbe gilt für Lora Gustafson's Studio in Missoula/Montana: die Ehefrau meines Trainingskollegen Jesse Brown hat dafür nicht nur den Missoula's Choice Winner 2011 (Best Yoga Studio) Award gewonnen, sondern den Best of Missoula Award 2010 (Lora Gustafson, Best Yoga Instructor) auch gleich dazu! Beeindruckend, wenngleich man dazu sagen sollte, dass Montana, welches den Spitznamen Big Sky Country trägt, und im Nordwesten gelegen an Kanada grenzt) zwar der viertgrösste US-Bundesstaat ist, gleichzeitig aber auch jener mit der dritt-geringsten Bevölkerungsdichte; nur Alaska und Wyoming (bekannt aus "Brokeback Mountain") sind noch spärlicher besiedelt! Etwa eine Million Menschen leben in ganz Montana, und Missoula ist mit immerhin rund 60.000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt und laut Jesse auch jene Stadt wo noch am ehesten die Kuh fliegt - auch mein Lonely Planet USA bescheinigt dem Städtchen eine relativ lebendige Szene, jedenfalls nach Montana-Masstäben! Und ich glaube ein Aufenthalt im hohen Norden wäre ein tolles Kontrastprogramm sowohl zum vielbevölkerten Kalifornien, als auch zum staubtrockenen Tucson. Das einzig abschreckende an Montana ist die hohe Dichte einer anderen Bevölkerungsgruppe: den gefürchteten Grizzlybären! Der Glacier-Nationalpark ist so ziemlich das letzte Refugium dass ihnen in den lower 50 states (= Amerika abzüglich Hawaii & Alaska) geblieben ist. Dieser Nationalpark, der ja ebenfalls auf meiner Wunschliste steht, ist nur wenige Stunden von Missoula entfernt und neben dem Saguaro auch der einzige US-Nationalpark der mittels Bahn angesteuert werden kann; da ich alleine vorwiegend mit AMTRAK Zügen reisen möchte, ein weiterer Grund weshalb beide Studios für mich ideal wären.


Dass das Training nun zu Ende geht, konnte ich letzte Woche auch an meinem körperlichen & seelischen Befinden ablesen. Einerseits überfiel mich eine irrsinnige Müdigkeit, die neben den körperlichen Strapazen sicher auch damit zusammenhing dass mit den überstandenen Posture Clinics nun ein geistig sehr anstrengender Teil des Trainings wegfiel (am Montag durfte ich mit dem Spine Twist meine letzte Asana erfolgreich zum Besten geben); andererseits verfiel ich gleichzeitig in eine sehr gelöste und bisweilen auch etwas melancholische Stimmung. Während ich in den vergangenen 7 Wochen keinerlei emotionale "Ausbrüche" hatte (im positiven wie im negativen), wurde ich in Woche 8 gleich zweimal zu Tränen gerührt, und zwar zuerst bei einer Diashow von Lisa Johnson, die uns Bilder aus Indien und von Bikram's Heimatstadt Deoghar bei Kalkutta zeigte, und dann am Freitag, wo wir den Nachmittag damit verbrachten, uns alte Aufzeichnungen von Bikram's Auftritten in diversen US-Talkshows anzusehen (u.a. ein Auftritt aus den 80ern in einer New-Age-Talkshow mit Charlie Sheen, kurz nach dessen Kassenschlager Platoon; aufgrund Sheen's jüngerer Eskapaden sorgte dieser Beitrag für besonders viele Lacher, da es Bikram offensichtlich nicht gelang, Charlie's loose screws in the brain dauerhaft festzuziehen... Bikram hat nachher auch selbst mit einem Bedauern erzählt, dass er Charlie sehr gern habe (dessen Vater Martin Sheen war/ist ja einer von Bikram's grössten Anhängern in Hollywood), aber er gehöre einfach zu den Menschen die sich nicht mehr im Griff haben, wenn sie auf Alkohol/Drogen zurückgreifen, und Charlie könne diese bad habits leider nicht ablegen... es ist schon witzig wenn Bikram so aus der Schule plaudert, er ist wirklich auf Du & Du mit sämtlichen Stars. Nur Wayne Gretzky hat er nie persönlich kennengelernt ("I don't even know what the guy look like!"), dessen Karriere hat er nämlich einfach mit einem Telefonanruf gerettet! "Piece of cake!" Gretzky habe damals Probleme mit dem Schulterblatt gehabt, alle Ärzte wollten operieren, er habe auf Empfehlung anderer Sportler jedoch Bikram angerufen, und der schickte kurzerhand eine seiner Assistentinnen hin, die ihm Yoga-Übungen zeigte, woraufhin er das Problem innerhalb einiger Wochen in den Griff bekam, und wenig später mit Kanada olympisches Gold und mit den Los Angeles Kings einen weiteren NHL-Titel holte!

Ich hab ja eigentlich eher mit dem Gegenteil gerechnet, aber Bikram ist mir im Laufe der letzten Wochen wirklich zusehends ans Herz gewachsen. Wo ich anfangs auch noch etwas kritisch in Bezug auf die Qualität seiner Vorträge und sein fortwährende Selbstbeweihräucherung war, geniesse ich mittlerweile jede Minute die wir noch mit ihmverbringen können. Er ist zwar nicht gerade das, was man sich typischerweise unter einem Yogi vorstellt, aber unter der harten Schale kommt nun immer mehr sein weicher Kern zum Vorschein (tough love!) und all seine verrückten Sprüche und mannerisms werden mir mit Sicherheit schon sehr bald abgehen. "Follow me, yes or no?"

Dazu passt auch, dass Judes Yang - auf unsere Frage, wie es sei mit Bikram zusammenzuarbeiten - kürzlich vor versammelter Menge die Tränen kamen. Und beeindruckend war es auch zu sehen, dass Bikram schon vor 30, 40 Jahren in Talkshows nichts anderes gepredigt hat als heute, und teilweise immer noch die gleichen Sprüche, mit Sicherheit aber immer noch dieselbe Leidenschaft für Yoga mitbringt wie damals. Diese Konsequenz, die Tatsache dass er nie von seinen Prinzipien und seinem Glauben abgerückt ist, hatte doch etwas Inspirierendes. Ebenso wie gute Musik irgendwann ihr Publikum findet, ist auch der Siegeszug von Bikram Yoga letztendlich nur eine Frage der Zeit gewesen, denn: What's right is what works!

Nächsten Freitag werde ich also meinen kurzen Auftritt im Rampenlicht haben, wenn ich bei der Graduation mit meinem Zertifikat neben Bikram für ein Foto posieren, und seiner Frau Rajashree ein Küsschen aufdrücken darf. Auch wenn die Zeremonie vermutich eine ziemliche Massenabfertigung wird (immerhin gilt es 430 Yogis durchzuschleusen), freue ich mich schon auf die Verewigung dieses Moments, der mit Sicherheit einen besonderen Punkt in meinem Leben markiert. Ich bin dann Teil einer weltumspannenden Community, aber gleichzeitig auch einer tight-knit family, einer eng verschworenen Gemeinschaft, in der ich sicher noch viele Freundschaften knüpfen werde. Auch mit einigen meiner Trainees werde ich bestimmt in engem Kontakt bleiben; zwar kann ich nicht behaupten mit irgendjemandem hier dickste Freunde geworden zu sein, aber das lag zwangsläufig auch an der Vielzahl an Bekanntschaften, und daran dass wir hier rund um die Uhr mit uns selbst beschäftigt waren (ein Luxus der einem in der heutigen Zeit eh viel zu selten vergönnt ist). Ich denke die bleibenden Freundschaften werden sich eher im Verlauf der nächsten Wochen & Monate herauskristallisieren. Am meisten Zeit verbracht habe ich wohl mit Mike Huber, der mich zur Halbzeit des Trainings zum Dodgers-Baseballspiel begleitet hat, und dieses Wochenende in Manhattan Beach mit mir seine ersten Versuche auf einem Surfbrett unternommen hat. Er lebt an der Ostküste in Vermont, stammt aber ursprünglich aus dem Mittelwesten, und wird demnächst mit seiner Frau aus beruflichen Gründen für ein Jahr nach Berlin übersiedeln. Ein Besuch in Wien nach meiner Rückkehr ist praktisch schon beschlossene Sache.


Abschliessend - nachdem Statistiken in Amerika ja so beliebt sind, und ich zuvor schon von einer "weltumspannenden Community" geschrieben habe - möchte ich Euch noch einen Überblick über die Herkunft der Teilnehmer dieses Teacher Trainings geben (herzlichen Dank an meine Kollegin Catalina Aleman). Nächsten Samstag gibt's dann den letzten "Wochenreport" vom Training, hoffentlich mit Fotos meiner Graduation - wenn ich bis dahin meine Kamera repariert bekomme, die beim Surfen leider etwas "Sand ins Getriebe" bekommen hat... so, nun aber zur Statistik:

Out of 257 Countries we have people coming from 39 different ones, and may be much more nationalities in that case.

3 Argentina
33 Australia
5 Austria
1 Belarus
1 Belgium
2 Brazil
41 Canada
2 Chile
2 Colombia
4 Czech Republic
5 Denmark
2 Finland
2 France
7 Germany
6 Hungary
1 India
5 Ireland
4 Italy
5 Japan
3 Korea, South
2 Lebanon
1 Luxembourg
13 Mexico
5 Netherlands
5 New Zealand
4 Philippines
1 Poland
1 Portugal
2 Russia
1 Singapore
5 South Africa
9 Spain
4 Sweden
2 Switzerland
1 Thailand
1 Turkey
1 United Arab Emirates
19 United Kingdom
209 United States

And because US is the one that has the most people on this training; out of the 50 states, we have people form 34 states....

1 Alaska
11 Arizona
46 California
2 Colorado
3 Connecticut
6 District of Columbia
7 Florida
2 Georgia
3 Hawaii
1 Idaho
13 Illinois
1 Kansas
2 Kentucky
3 Maine
3 Maryland
12 Massachusetts
6 Michigan
1 Montana
8 Nevada
5 New Hampshire
1 New Jersey
26 New York
1 North Carolina
1 Ohio
4 Oregon
9 Pennsylvania
1 South Carolina
1 Tennessee
14 Texas
1 Utah
2 Vermont
8 Virginia
1 Washington
1 Wisconsin
1 Unknown

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