Sonntag, 13. April 2014

Buchblogparade Teil 4/12


Schon wieder ist ein Monat vergangen, aber diesmal fällt meine Hornby'sche Liste etwas kürzer aus: gekauft hab ich nur Wolfgang Hetzer's "Die Euro-Party ist vorbei", (fertig)gelesen nur Amanda Knox' "Zeit gehört zu werden", welches ich letzten Monat gekauft hatte. Beides sind für mich eher untypische Bücher, Wolfgang Hetzer's Buch zur Euro-Krise könnte möglicherweise sogar das allererste Wirtschafts-Sachbuch überhaupt in meinem Bücherregal sein, sowas ist sonst eigentlich gar nicht mein Ding. Allerdings hab ich es in einer Buchhandlung in Innsbruck gekauft, welche sich im selben Gebäude wie das Management Center Innsbruck (MCI) befindet, wo ich mich kürzlich für ein 2-jähriges Masterstudium für Internationales Gesundheits- & Sozialmanagement beworben habe. Im Zuge dieses Studiums (für das ich mittlerweile nämlich aufgenommen worde, worüber ich mich sehr freue) wird die EU und deren wirtschaftliche & soziale Verstrickungen wesentlich mehr in meinen Blickpunkt rücken als bisher, daher kann man das Buch fast ein wenig als vorbereitende Fachliteratur sehen. Durchaus möglich dass es im nächsten Monat sogar auf diesem Blog landet, immerhin lag mir ja auch daran möglichst unterschiedliche Bücher zu lesen & präsentieren.

Auch Schilderungen persönlicher Schicksale seitens Betroffener - wie jenes von Amanda Knox (falls jemand es nicht mitbekommen hat: die US-amerikanische Austauschstudentin wurde 2007 in Perugia eines brutalen Mordes an einer Studienkollegin bezichtigt und etwa 4 Jahre lang in einem italienischen Gefängnis inhaftiert) - sind normalerweise nicht mein Fall, da sie häufig a) literarisch uninteressant sind und b) lediglich geschrieben werden um finanziellen Profit zu erzielen bzw. die Neugier (um nicht zu sagen: den Voyeurismus) der Massen zu befriedigen. Es gibt allerdings Bücher dieser Kategorie die ich dennoch lesen würde, einfach weil manchmal das Leben die besten (oder zumindest unglaublichsten) Geschichten schreibt: Natascha Kampusch's "3096 Tage" beispielsweise, Robert Graysmith's "Zodiac", oder eben die Geschichte von Amanda Knox. True-Crime hat einfach einen eigenen Reiz dem man sich schwer entziehen kann, schlicht deshalb weil es sich um wahre Begebenheiten handelt.

Ich hoffe ich habe nun nicht zuviel Neugier auf die obengenannten Bücher geschürt, weil mein Buch des Monats wurde letztlich ein anderes, und zwar ein Science-Fiction-Roman aus dem Jahre 1975, den ich letztes Wochenende bei einem Kurzbesuch in Budapest im Bücherstapel eines amerikanischen Freundes entdeckt habe:


Zugegeben, ich hatte von Mack Reynolds noch nie zuvor gehört. Laut Klappentext handelt es sich bei Reynolds um einen "world traveller, expert observer of the human condition and world famous Science Fiction writer for more than two decades" dessen zahlreiche Geschichten und Short Stories in den Science Fiction Magazinen Galaxy und If zu den beliebtesten bei der Leserschaft gehörten. Ich denke das entspricht der Wahrheit, denn fest steht dass er sich 1975 eine ziemlich gute Geschichte ausgedacht hat, deren Klappentext alleine bei mir ausgereicht hat um das Buch sofort zur Hand nehmen zu wollen:

"What would the world be like if the Russians discovered how to beat us at our own capitalistic game, and began dumping inexpensive, quality goods on the world market? In this brand new novel, Mack Reynolds deposits us into just such a future. It is a world where America is rapidly being turned into a second-rate power as its industries go bankrupt. A world that is falling under the wheels of the Soviet juggernaut, peacefully and passively. It is a world where the U.S. has only one way to retaliate - by bringing a little religion into the Soviet Union... a very special religion..."

90 von 190 Seiten dieses englischsprachigen Büchleins hab ich bisher gelesen, und es genossen nach längerer Zeit wieder einmal in das Sci-Fi-Genre einzutauchen. Das Faszinierende an diesem Buch bzw. an guter Science-Fiction-Literatur im allgemeinen ist für mich dass man einerseits in fremde Welten oder fiktive Szenarien eintauchen kann, diese andererseits aber oft auch sehr nahe an der Realität sein können, oder - wie in diesem Fall - mögliche zukünftige Ereignisse und Entwicklungen vorhersehen bzw. aufzeigen können. Ich weiss nicht in welchem Ausmaß man im Jahre 1975 in Europa bereits mit russischen Pauschaltouristen konfrontiert wurde; falls das noch nicht oder nur kaum der Fall war, dann hat Mack Reynolds jedenfalls einen genialen Riecher bewiesen. Hauptfigur ist ein gewisser Mike Edwards, Reiseleiter & Fremdenführer für einen englischen Reiseveranstalter namens Horizonal Holidays in Torremolinos, Andalusien. Warum er vormals Fachliteratur zum Thema Wirtschaft für den Gebrauch an amerikanischen Universitäten publiziert hat und nun Pauschaltouristen zu Tapas-Tours und Stierkämpfen lotsen muss, wurde bisher noch nicht im Detail erklärt, birgt aber reichlich tragikkomisches Potential, und hat offensichtlich mit dem Abstieg Amerikas zu einer zweitklassigen Nation zu tun, in der für Intellektuelle wie Edwards kein Platz mehr war. Edwards dürfte den Job als Reiseleiter schon eine Zeitlang machen und wirkt ein wenig ausgebrannt. Sein Klientel besteht größtenteils aus russischen Touristen, und er ist dem vulgären & überheblichen Auftreten sowie den Saufgelagen der Russen überdrüssig - wäre da nicht eine attraktive junge Frau namens Catherina Saratov, die es ihm völlig unerwartet angetan hat...

"He had thought, even then, that she was the epitome of Slavic beauty. The ultra-blondness, just short of platinum blonde (but natural), fair-skinned as only the very northern people are fair-skinned, impossibly blue-eyed, excellent carriage, as though she had been ballet trained, and without the heft of the average Russkie. Contrary to much popular opinion, the Russian is a blonde rather than a brunette and when a Russian is beautiful there is nothing to surpass her in the Caucasian world."

Wie ebenfalls im Klappentext des Buches zu lesen ist: "Mack Reynold's books have an uncanny way of discussing now the questions that will concern everyone ten or twenty years later." Amerika auf dem absteigenden Ast, Russen die ihren neugewonnen Reichtum zur Schau stellen... all diese Dinge sind heute teils Realität geworden, aber ich bin sicher im Jahre 1975 war das in dieser Form noch nicht gänzlich abzusehen. Ein Buch das gerade deshalb besonders interessant und amüsant zu lesen ist. Ich bin schon gespannt auf die verbleibenden 100 Seiten

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