Sonntag, 31. August 2014

Rolf Potts - "Vagabonding" (Buchblogparade, Teil 8)


Zugegeben, Im August war ich nicht ganz so fleissig wie im Juli, was das Verschlingen von Büchern angeht - was aber auch daran lag, dass ich  "A Feast for Crows" (das 4. Buch der Game-of-Thrones-Saga von George R.R. Martin) zur Hand genommen hab, und wenn das passiert dann taucht man aus seinem Universum nicht so schnell wieder auf...  ich hab es dann aber doch geschafft und das Buch etwa nach der Hälfte vorübergehend zur Seite gelegt, um für die Buchblogparade "Vagabonding" von Rolf Potts zu rezensieren. Immerhin ist der August  ein Monat wo viele Menschen auf Reisen sind, oder auch davon zurückkehren - meine Schwester beispielsweise ist heute früh von einer über 2-monatigen Reise durch Nepal, Kambodscha, Vietnam, Laos & Nordthailand zurückgekehrt, und genau um solche Reisen geht es in diesem Buch. Reisen, die man nicht bloss von der Stange kauft um für kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen, sondern bei denen man sich mehrere Wochen, Monate oder auch Jahre Zeit nimmt, sich treiben lässt, vagabundieren wie es Rolf Potts, ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet, bezeichnet.

"Vagabonding - An Uncommon Guide to the Art of Long-Term Travel" ist der volle Titel des Buches, und der Name sagt es bereits - es ist kein Reiseführer im engeren Sinn, sondern vielmehr ein Ratgeber über die andere Art des Reisens, als jene die uns in den Reisebüros verkauft wird. Das Buch ist 2003 erschienen, aber aktueller denn je, denn viele junge Leute treibt es heutzutage auf längere Reisen, wie ich auch aus meinem näheren Umfeld mitbekomme. Kaum ein junger Mensch, der nicht nach der Schulzeit plant für ein paar Wochen oder Monate "auszusteigen" um ein wenig die Welt zu sehen. Und in der Tat, so stellt auch Rolf Potts fest, sind solche "Vagabunden" häufig junge Leute, weil das Reisen sich am ehesten mit ihrer Lebenssituation vereinbaren lässt bzw. ihrem state of mind entspricht. Doch es liegt ihm daran zu zeigen dass jeder mit etwas Courage und Abenteuergeist zu einem Reisenden werden kann. Und gerade heutzutage, in einer Zeit relativen Reichtums, wo Karrierepfade oftmals unterbrochen, und Familien- und Lebensentwürfe oftmals neu gestaltet werden müssen, bietet sich immer öfter auch die Gelegenheit dafür, auch wenn uns unsere Erziehung & Gesellschaft oftmals das Gegenteil eintrichtert.

Auch ich habe in der Hinsicht schon ein paar Erfahrungen gesammelt: als ich mit 21 für eine Woche nach Barcelona flog, erinnere ich mich noch wie seltsam es sich anfühlte ohne Begleitung auf Urlaub, ganz mit mir & meinen Gedanken allein zu sein. Mein 5-monatiger Aufenthalt als Windsurflehrer auf der griechischen Insel Kos im zarten Alter von 22 Lenzen war dann mein erster längerer Aufenthalt im Ausland und in vieler Hinsicht eine Reise ins Ungewisse; meine 5-wöchige Rucksackreise in Australien mit 26 (für die ich damals meinen gesamten Jahresurlaub aufgespart habe) würde ich als meine Reifeprüfung im Vagabundieren sehen, auch wenn ich damals ein aufrechtes Beschäftigungsverhältnis hatte. Meine Algerienreise 2009, wenn auch nur 10 Tage lang, war aufgrund der vielen Unwägbarkeiten und Abenteuern die mir widerfuhren emotional sicher meine aufwühlendste Reise, aber meine 3-monatige Amerikareise 2011 war aufgrund der Dauer und der vielen unterschiedlichen Orte an denen ich war, mein bisher umfangreichstes & schönstes Reiseprojekt. Und wer weiss, vielleicht wird mein bevorstehender, 2-jähriger Aufenthalt in Innsbruck zwecks Masterstudium ja auch mein "Master of Arts" in Sachen Indepent Travelling - immerhin kann das ländliche Tirol für einen Wiener manchmal ebenso exotisch sein wie Thailand, und wie Rolf Potts es in seinem Buch erläutert, ist Vagabonding nicht bloss eine Art zu reisen, sondern auch eine Art zu leben - mit einem veränderten Blickwinkel, welcher Kreativität, Abenteuer, Aufmerksamkeit, Einfachheit & persönlichen Wachstum betont. Ich versuche jedenfalls mit dieser Einstellung heranzugehen und freue mich auf hoffentlich zahlreiche Ausflüge ins nähere und entferntere Umland.

Aber zurück zum Buch (oder eher Büchlein): davon profitieren können meiner Meinung nach vor allem jene Menschen, die es bisher nie für möglich hielten oder sich nie getraut haben, ihren Job hinzuschmeissen, ihre Sachen zu packen, ihre Freunde zurückzulassen, und einmal alleine auf Reisen zu gehen. Dass sich ihnen damit eine ganz neue Welt eröffnen kann, das versucht Rolf Potts zu vermitteln, und er tut das auf eine sehr sympathische & bescheidene Art. Das Buch enthält ausserdem auch unzählige Recherche-Verweise auf nützliche Webseiten & Magazine mit praktischen Tipps für den angehenden Vagabunden, sowie klassische "Standardwerke" und Profile berühmter Vagabunden wie  Mark Twain, Whalt Whitman, Henry David Thoreau oder John Muir.

"Vagabonding", Rolf Potts, ca. 200 Seiten, erschienen 2003 bei Villard New York.

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