Samstag, 20. Dezember 2014

Un aficionado a las idiomas



Ich hab ja schon immer ein Faible für Fremdsprachen gehabt. Das Studium am MCI bietet mir nun erfreulicherweise die Möglichkeit dieser Leidenschaft wieder einen ganz wesentlichen Platz in meinem Leben einzuräumen. Die Unterrichtssprache in unserem Studiengang "International Health & Social Management" (der Name lässt es bereits vermuten) ist Englisch, zusätzlich habe ich einen Leichtfortgeschrittenen-Kurs in Spanisch belegt, und in meiner Unterkunft, dem Ungarischen Studentenheim in Innsbruck, kann ich ausserdem mein Ungarisch aufbessern. Also nicht nur zwei, nein sogar drei Fliegen mit einer Klappe! Mein Ziel ist es bis zu meinem Abschluss in sämtlichen Sprachen einen fortgeschrittenen Level (B1 - B2) erreicht zu haben und mich mündlich und schriftlich auch zu etwas komplexeren Themen einigermassen gut ausdrücken zu können. Dies ist insbesondere im Spanischen und im Ungarischen noch eine ziemliche Herausforderung, bei beiden Sprachen befinde ich mich irgendwo zwischen A2 und B1 und bin im Wortschatz noch ziemlich limitiert. Neugierig, wie es um Deine eigenen Fremdsprachenkenntnisse bestellt ist? Hier findest Du die Einteilung des Sprachniveaus nach dem Europäischen Referenzrahmen.

Knapp 2 Jahre hab ich dafür nun also Zeit, und das Sprachenlernen läuft dabei mehr oder weniger nebenbei - die Sprachen sind am MCI ja nur "Draufgabe", dh. nicht Teil des eigentlichen Curriculums. Mein Spanischkurs findet 1x wöchentlich am Dienstag statt, und den Sonntag hab ich mehr oder wenig zum Ungarisch-Tag erklärt; da ich derzeit jeden Samstag bei IKEA Innsbruck arbeite, ist der Sonntag mein einziger freier Tag am Wochenende, und ich brauche meist nur in die Gemeinschaftsküche unseres Studentenheims zu gehen um ein paar ungarischsprachige Mitbewohner vorzufinden mit denen ich üben kann. Oft profitieren dabei alle davon, denn gerade die ungarischen Erasmus-Studenten stecken ihrerseits in Deutschkursen und somit helfen wir uns gegenseitig.



Schnell habe ich dabei bemerkt, dass das gute alte Vokabelheft dabei immer noch nicht ausgedient hat. Immer wieder lerne ich neue Worte, aber wenn ich diese nicht niederschreibe, sind sie sehr schnell wieder aus meinem Gedächtnis verschwunden, und ich ärgere mich nur über mich selbst wenn ich mehrfach nach demselben Wort fragen muss. Daher waren meine ersten Investitionen 2 Vokabelhefte, eines für Spanisch und eines für Ungarisch. Meine Mitbewohner schmunzelten ein wenig, fanden es gleichzeitig aber auch sehr lobenswert dass ich mich da so aktiv dahinterklemme mit dem Ungarisch-Lernen. Sie haben auch leicht reden, denn sie haben es selbst nicht nötig - selbst die, die eigentlich in Österreich oder Deutschland aufgewachsen sind, wurden mehr oder weniger zweisprachig erzogen und sprechen Ungarisch daher auf einem wesentlich höheren Niveau, einige sind sogar auf ungarische Schulen im Ausland gegangen und haben zweisprachig maturiert.

Ich finde es immer wieder spannend, wie unterschiedlich der Zugang zu Sprachen erfolgen kann. Meine Spanisch- und Ungarischkenntnisse mögen zwar auf einem ähnlichen Niveau sein, aber sind dennoch überhaupt nicht miteinander zu vergleichen. Das Fundament meiner Ungarischkenntnisse stützt sich auf darauf dass meine Eltern mich im Alter von ca. 2 Jahren in einen ungarischen Kindergarten in Mélykút gesteckt haben, während sie Urlaub in den USA verbrachten; als sie nach einem Monat zurückkamen und mich abholten, sprach ich angeblich nur noch Ungarisch ;) Ausserdem waren wir jährlich zumindest 2x bei meinen Verwandten in Ungarn (zu Weihnachten & zu Ostern) und im Volksschulalter fuhren ich & meine Schwester einige Male auch auf Sommerlager in Ungarn, in die uns meine Tante - die ja Biologie-Lehrerin an einem Gymnasium in Baja war - einschleuste. Somit war ich in jungen Jahren regelmässig mit dem Ungarischen konfrontiert, hatte auch einige gleichaltrige Freunde, erlernte die Aussprache durch Nachahmen, und erarbeitete mir einen Wortschatz ohne jemals in ein Lehrbuch oder Vokabelheft geschaut zu haben. Vor allem aber musste ich nie groß nachdenken wenn ich Ungarisch sprach, es kam mir ganz selbstverständlich über die Lippen.

Ganz anders beim Spanischen: nachdem ich in der Schule 5 Jahre mäßig begeistert Französisch gelernt und abschliessend auch darin maturiert hatte, fand ich danach Spanisch reizvoller, und wollte es auf eigene Faust lernen. Ein Bundesheer-Kollege bereitete sich gerade mittels Langenscheidt-Kurs für einen Besuch bei seinem Onkel in Valparaíso/Chile vor, und ich kopierte mir kurzerhand das Lehrbuch und nutzte zahlreiche sinnlose Stunden in meiner Heeres-Schreibstube um die ersten 10 Lektionen aus dem Buch zu lernen. Ich machte dabei subjektiv recht schnell Fortschritte, aber gleichzeitig ist das natürlich ein sehr schablonenhafter und hölzerner Weg eine Sprache zu erlernen. Wenn ich plötzlich unerwartet mit spanischen Muttersprachlern konfrontiert wurde, war ich sehr schnell überfordert. Soviel Zeit wie beim Bundesheer hatte ich später leider nur noch selten, aber ich nahm immer wieder neue Anläufe mein Spanisch weiterzubringen, zuletzt im Vorjahr als Vorbereitung auf einen Andalusien-Urlaub. Aber dennoch blieb es bisher immer Stückwerk, und während es mir im Ungarischen schwerfällt korrekt zu schreiben, ich dafür jedoch beim Sprechen nicht groß nachzudenken brauche, ist es im Spanischen genau umgekehrt: ich tue mir leichter etwas niederzuschreiben, aber es fällt mir noch schwer mich spontan zu unterhalten. Es zeigt einfach wie unterschiedlich man Sprachen erlernen kann und welche unterschiedliche Fertigkeiten dafür nötig sind. Ich lese derzeit auch ein interessantes Buch zum Thema wie Sprachen das Denken beeinflussen, dazu dann mehr im Rahmen meines nächsten Eintrages zur "Blogparade" (bei der ich ja leider mit meinen Beiträgen für November & Dezember schon überfällig bin)!

Nachdem der Sprachkurs jetzt fürs 1. Semester abgeschlossen ist und wir erst im März wieder damit fortfahren, hab ich nun eine Art "Spanisch-Stammtisch" ins Leben gerufen, wo ich mich mit den motivierten Kollegen aus dem Kurs (bei vielen anderen hat man leider das Gefühl dass sie eher halbherzig bei der Sache sind, und nicht wirklich etwas investieren wollen) im Jänner 1x pro Woche am Dienstag abend treffen und das Gelernte anwenden möchte. Mit meiner Südtiroler Kollegin Nadia haben wir das schon 2x versucht und es war eigentlich immer sehr witzig und hat uns geholfen, auch wenn es mitunter noch eine recht "katatonische" Angelegenheit sein kann. Auf jeden Fall haben wir gut gegessen dabei:



Von Nadia hab ich auch den Tip zu einer hervorragenden Internetseite bekommen, wo zwei sympathische Mittdreissiger (Marina Diez aus Madrid und Ben Curtis aus Oxford) mittels Podcast Spanisch-Lektionen für Anfänger & Fortgeschrittene anbieten,  und dabei vor allem darauf wert legen einem das "wirkliche" Spanisch abseits der Kursbücher beizubringen. Die Seite nennt sich "Notes in Spanish" und ich kann sie wirklich wärmstens empfehlen. Dabei lauscht man den beiden, die auch im wirklichen Leben ein Paar sind, bei charmantem Alltagsplausch und bekommt neben vielen nützlichen Ausdrücken & Vokabel vor allem auch das wunderschöne castellano (klassisches Spanisch wie es in Zentralspanien gesprochen wird) der Madrilenin Marina Diez quasi "injiziert". 

Abgesehen vom Sprachunterricht läuft es auch sonst ganz gut, zwar hab ich zuletzt ein paar mittelprächtige Noten abkassiert, aber da geht es den anderen Studenten auch nicht anders. Man muss auch Prioritäten setzen, in vielen Fächern bin ich sehr begeistert bei der Sache, und bereite mich auch auf die Prüfungen gewissenhaft vor, in einigen wenigen anderen Fächern dagegen gönne ich mir dann ein bisschen eine "Verschnaufpause" und mache gerade eben das was verlangt wird bzw. nötig ist. Das hängt immer auch sehr von den Vortragenden ab und wie sehr sie mich für das Fach begeistern können, und das waren bisher eigentlich die meisten. Insgesamt bin ich von der Qualität der Vortragenden bisher überhaupt sehr angetan, die Vorlesung mit Armin Fidler von der World Bank (der mir bereits beim European Forum Alpbach im August aufgefallen war - zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber noch keine Ahnung dass er bei uns unterrichten wird) letzte Woche fand ich besonders interessant;  und erfreulicherwesie werden wir mit ihm noch öfters zu tun haben, nämlich schon im 2. Semester wenn er uns "Epidemiology" und "Evaluation in Economics" näherbringen wird.

Seit vorgestern befinde ich mich nun in den Weihnachtsferien, bin aber ausgerechnet am letzten Uni-Tag (an dem wir noch eine Prüfung in EU-Recht absolvieren mussten) von einer Verkühlung erwischt worden. Eh klar, kaum ist der Lernstress erstmal vorbei, scheint sich das Immunsystem ebenfalls eine Auszeit zu gönnen. Die letzten Wochen sind ja auch wirklich wie im Flug vergangen, regelmässige Prüfungen oder Präsentationen haben uns ordentlich auf Trab gehalten, und wie heisst es so schön: "time flies when you're having fun!

Somit musste ich dann heute auch meinen geplanten ersten Snowboardtag am Stubaier Gletscher vertagen und stattdessen im Dampfbad regenerieren. Insgesamt ist es auch hier in Innsbruck leider immer noch viel zu sommerlich, Schnee liegt nur in höheren Lagen, die Nordkette ist gerade mal angezuckert, und ausser dem ganzfährig befahrbaren Stubaier Gletscher und dem hochgelegenen Kühtai haben meines Wissens auch noch keine Skigebiete wirklich den Betrieb aufnehmen können. Die Axamer Lizum beispielsweise musste ihr "Season Opening" bereits auf Mitte Dezember verschieben, und selbst jetzt liegt dort noch nicht wirklich viel Schnee. Aber dass man zu Weihnachten ordentlich Schnee zum Skifahren hat ist mittlerweile ja leider schon zur Ausnahme geworden. In Amerika gibt es bereits erste NGO's die sich diesem Thema verschrieben haben (immerhin ist der Skibetrieb ja in vielen Regionen ein Wirtschaftszweig von dem viele abhängen, auch Innsbruck ist da keine Ausnahme), und von einer davon (POW - Protect our Winters) haben wir uns neulich im Unterricht ein Bild machen können, als es um Lobbying auf EU-Ebene ging. Der Begriff "Lobbying" hat bei uns in Österreich dank einiger abschreckender Beispiele ("Graf Lobby" Mensdorff-Pouilly, Werner Meischberger, Ernst Strasser...) ja keinen allzu guten Ruf, dabei sollte man aber nicht vergessen dass Lobbying häufig auch zur Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung beitragen soll, und daher von der EU in vielen Fällen auch (berechtigterweise) gefördert wird... oder so haben wir es zumindest letzte Woche im Unterricht gelernt ;)

Morgen muss ich trotz Verkühlung noch einen weiteren IKEA-Samstagsdienst überstehen und dann setze ich mich abends in den Zug nach Wien... freue mich schon sehr nach 7 Wochen wieder meine Freundin, Freunde & Familie zu sehen und mit ihnen Weihnachten zu feiern. In diesem Sinne: Frohes Fest!






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