Freitag, 30. Oktober 2015

Im Øl... oder auch nicht.


Was Alkohol angeht, eilt Norwegen ein schlechter Ruf voraus, besonders unter Studenten - da ist die Diskrepanz zwischen der Menge an Alkohol die man in der Regel trinkt, und der die man sich leisten kann wohl am größten. Und es ist wahr - Norwegen ist ohnehin schon eines der teuersten Länder, aber beim Alkohol legen die hohen Preise nochmal einen Gang zu. 

Für eine 0,5er Dose Bier im Supermarkt muss man in der Regel zumindest 30 Kronen hinlegen, umgerechnet etwa 3,30 EUR. Das ist schon heftig, wenn man bedenkt dass man in Österreich -  wenn man schlau einkauft (zb vor einem langen Wochenende, wo die Supermärkte starke Nachlässe auf Bier & Wein gewähren) - um rund 10 Euro einen ganzen Karton mit 24 Dosen mit nach Hause nehmen kann. Von solchen Preisen ist man hier weit entfernt. Es gibt zwar mitunter sensationelle Rabatte auf Lachs (der dann oft billiger zu bekommen ist als bei uns daheim) aber beim Bier auf Rabatte zu hoffen... Fehlanzeige. Und sich vor dem Wochenende mit Alkohol einzudecken kann überhaupt ordentlich in die Hose gehen, denn obwohl die Supermärkte hier deutlich länger offen haben als bei uns (meine Stamm-Supermarkt "REMA 1000", direkt hier im Studentendorf und keine 100 Meter von meiner Haustür entfernt, ist Mo-Sa von 8-24 Uhr geöffnet, was sehr praktisch ist falls man sich kurz vor Mitternacht noch mit Getränken & Knabbereien für die Übertragung eine Live-Baseballspiels aus den USA eindecken will) darf man freitags und samstags ab 18h kein Bier mehr kaufen! Dies lernte ich auf die harte Tour, als ich mich an einem warmen Tag im August nach einer Tageswanderung gegen 8 Uhr abends mit einem kühlen "Ringnes" belohnen wollte und der Kassier mir fast entschuldigend erklärte dass er mir die Dose nicht verkaufen könne. Auf Wein auszuweichen ist auch keine Option, den gibt es im Supermarkt nämlich erst gar nicht zu kaufen, dafür muss man (ebenso wie für alle anderen "harten" Getränke) zum Vinmonopolet, dem staatlichen Weinmonopol, wo die Preise ab 10 EUR pro Flasche beginnen. Wenn man Wein kaufen möchte, greift man am besten gleich zu einem etwas besseren Tropfen, da die "Flat Tax" auf Alkohol dann relativ gesehen nicht ganz so stark ins Gewicht fällt (und man wohl auch mehr Freude beim Trinken hat).

Es kommt noch besser: eine weitere erstaunliche Maßnahme ist die Tatsache dass auf Fussballspielen in den Stadien kein Bier verkauft werden darf - bei uns undenkbar! Ich habe das erst vor kurzem gehört und noch nicht persönlich überprüft, aber es dürfte wohl stimmen, denn ich habe mich schon gefragt wie es möglich war dass es bei den WM-Qualifikationssiegen gegen Kroatien und Malta (Norwegen war ja ähnlich erfolgreich wie wir und führt ebenfalls in seine Gruppe an) so gesittet zuging. Ich wohne praktisch neben dem Ullevål Stadion, der Heimstätte des Nationalteams, aber jedes Mal wenn ich daran vorbeigehe und ein Spiel ansteht oder im Gange ist herrscht dort freundliche Picknickatmosphäre, ähnlich wie bei einem Baseballspiel in den USA! Die Leute kommen mit Kind & Kegel, kaufen Schals und Trikots... aber kein Bier. Jedes gewöhnliche Bundesligaspiel von Rapid Wien zieht daheim mehr Betrunkene in der U-Bahn nach sich als ein Länderspiel hier. In den Bussen, in denen die Hardcore-Anhänger der jeweiligen Teams vorfahren, wird aber natürlich auch genügend getrunken, soviel hab ich schon mitbekommen.

Der Erfolg gibt Norwegen Recht - bei der Konsumation von Alkohol liegt das Land mit 6,7 Liter (purem Alkohol pro Einwohner über 15 Jahren) deutlich unter dem OECD-Schnitt von 9,1 Liter und weit unter dem stolzen österreichischen Wert von 12,2 Litern (Daten aus 2009). Die junge Bevölkerung hier kann sich da naturgemäß nicht so recht mitfreuen. "Es gibt bestimmt jede Menge gute Gründe dafür... unsere Vorfahren im 19. Jahrhundert hatten ein Alkoholproblem. Wir kämpfen immer noch mit den Auswirkungen", so formuliert es hier ein City-Guide von der JugendInfo recht diplomatisch. Studenten werden natürlich erfinderisch. Zunächst einmal gibt es das klassiche "Vorglühen", welches hier witzigerweise "Vorspiel" heisst. Eigentlich entspricht es schon dem Koitus, denn bei Preisen von 6-10 EUR für ein Bier in Lokalen beschränkt sich der Konsum unterwegs dann oft auf einige wenige. Eine weitere Taktik ist Freunde und Bekannte die aus dem Ausland kommen zu bitten, einem Bier oder Wein aus dem DutyFree Shop mitzunehmen, dies ist auch meine bevorzugte Methode (vielen Dank an dieser Stelle an Robert & Markus, die mich morgen besuchen kommen). Der Dutyfree-Shop am Osloer Gardermoen-Flughafen ist angeblich einer der umsatzkräftigsten weltweit und daher preislich noch um ein Stück konkurrenzfähiger als andere seiner Zunft. Eine weitere Möglichkeit ist mit dem Bus ins verhältnismäßig "billige" Schweden zu fahren und dort Bier mitzunehmen, oder - ebenfalls sehr beliebt - mit der Fähre nach Kopenhagen, da gibt es direkt auf dem Boot einen Duty-Free Shop, und dementsprechend lustig geht es auf diesen Bootsfahrten dann auch zu, was ich so gehört habe. Manche Studenten, deren Kehle noch regelmäßiger benetzt werden muss, brauen sich ihr Bier auch einfach selbst.

Ich hab dem Alkohol hier weitestgehend entsagt, und muss sagen er fehlt mir auch nicht wirklich. Den wenigen den ich trinke (gelegentlich ein Glas Wein zum Abendessen oder das eine oder andere Bier) lasse ich mir wenn möglich einliefern, und wenn ich doch mal selbst zugreife dann am ehesten im Supermarkt bei einer grünen Dose Pils aus Frydenlund (eine lokale Brauerei in der Nähe von Oslo). Der hohe Preis führt dazu dass man einfach ein bisschen bewusster konsumiert und sich eben nur gelegentlich und in Maßen Alkohol als Luxus gönnt... und so ist es ja wohl auch am gescheitesten. Am kommenden Halloween-Wochenende, beim Besuch von Robert & Markus, darf's dann aber ruhig auch mal wieder ein bissl mehr sein! ;)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen