Samstag, 14. März 2015

(M)ein Platz an der Sonne!

Anfang Dezember auf der Achselbodenhütte

Bisher kannte ich Tirol's Winter ja nur von zahlreichen Skiurlauben. Und das Wetter bei Skiurlauben kann manchmal durchwachsen sein (als Wiener fährt man in der Regel trotzdem, auch bei Nebel und Schneefall, schliesslich ist man deshalb gekommen und "Schönwetterfahrer" will man sich auch nicht schimpfen lassen); oft genug hat man aber auch Glück und "Kaiserwetter", und kommt nach dem Urlaub mit einer richtig guten Farb' im Gesicht heim nach Wien.

Ich hatte solches Kaiserwetter aber immer irgendwie mit dem Skifahren assoziert, und auf das Bergwetter in den Skigebieten zurückgeführt, weil man da nun mal der Sonne näher ist, und so ein Tag mit strahlendem Sonnenschein in schneebedeckter Landschaft durch die Reflektion des Lichts eben doppelt intensiv rüberkommt. Mir war nicht wirklich klar, dass man sich dafür gar nicht unbedingt in Skigebieten aufhalten muss, und wie armselig Wien im Vergleich zu Innsbruck in punkto Sonnenstunden im Winter abschneidet.

Nebliges Wien, sonniges Innsbruck


Was ich tagtäglich vor Augen geführt bekomme (vor allem wenn mir meine Freundin dann Fotos aus dem grauen Wien schickt), stand dann neulich auch schwarz auf weiss im Servus Magazin: "Die meisten sonnigen Bankerln stehen im Südwesten Österreichs: hier ist die Großwetterlage so ausgeglichen, dass es oft auch dann freundlich bleibt, wenn sich die anderen Teile des Landes grau in grau präsentieren. Oben auf den Bergen ist man im Winter der Sonne nicht nur in Höhenmetern näher: Auf Innsbrucks Hausberg, dem Patscherkofel, gibt es von Dezember bis Februar mit 300 - 400 Sonnenstunden fast doppelt so viele wie in den Becken und Tälern im östlichen Flachland, im Mur- und Mürztal, im Waldviertel und im Donauraum. Dort bleiben in der kalten Jahreszeit Kaltluftseen hängen, in denen sich Nebel und Hochnebel bilden. Nur dort, wo der Wind zirkuliert oder der Föhn bläst, lösen sich die Nebel nach kalten Nächten schnell wieder auf. Darum ist Innsbruck im Winter auch Österreichs sonnigste Landeshaupstadt. "

Studienkollegen nach einer Vorlesung am MCI 3 nahe des Innsbrucker Alpenzoos

Mag sein dass ich das früher schon gehört, gelesen, geahnt oder sogar gewusst habe, aber so richtig ist es mir erst jetzt während meines Wintersemesters am MCI bewusst geworden. Es gibt tatsächlich kaum einen Tag an dem hier NICHT die Sonne scheint! Und wenn doch, dann meist aus gutem Grund: nämlich weil Frau Holle damit beschäftigt ist ihre Kissen über Innsbruck & Umgebung auszuschütteln, denn der nächste Sonnentag steht schon vor der Tür und ist mit viel frischen Powder noch viel schöner anzuschauen! Und heuer waren Frau Holle's Arbeitszeiten auch wirklich perfekt getimed, in den Weihnachts- & Semesterferien gab es die ergiebigsten Schneefälle. Als meine Freundin zwischen Weihnachten und Silvester für eine Woche zu Besuch war, genossen wir echtes "Winterwonderland": Rodeln in Axams, Eislaufen am Tivoli, Schneemannbauen im Garten des Ungarnheims, das alles bei dichtem Schneefall. 




Anfang Jänner gab es dann Traumwetter in den Skigebieten, welches ich für meine ersten Skitage im Kühtai und am Arlberg nutzte. Und als meine Schwester Anfang Februar für ein paar Tage zu Besuch kam, bescherten uns erneut heftige Schneefälle einen genialen Tiefschneetag auf der Nordkette.

1.1.2015 - der Neujahrstag, ein Traumtagerl im Kühtai!

6.1.2015 am Dreikönigstag ging's aufs Madljoch am Arlberg


Wenn es dann doch mal nicht so schön war, hatte ich mit dem LEO Kino (das Programmkino in Innsbruck) oder meinem 10er Block in der Sauna im Olympischen Dorf auch immer gute Alternativen parat. Und zum Glück besitze ich ja ein recht ausgeglichenes Gemüt und bin auch mit dem suboptimalen Winterwetter in Wien immer gut zurechtgekommen, ohne gleich in die Winterdepression oder zumindest ins berühmt-berüchtigte Wiener "Granteln" zu verfallen. Allerdings kannte ich es auch nicht anders; durchaus möglich dass ich nach diesem traumhaften Winter in Innsbruck ebenfalls schwerer mit der "Wiener Nebelsupp'n" klarkommen werde, oder dann zumindest mehr Fernweh nach Tirol haben könnte...

"Es gibt kein schlechtes Wetter...


... nur falsche Kleidung! Das war auch immer mein Credo - und so ein richtig "grauslicher" Tag kann ja durchaus seinen Reiz haben: etwa wenn man bewusst den Elementen trotzt, oder ihn in den eigenen 4 Wänden bei einer Tasse Tee und einem guten Buch, oder im Lieblings-Kaffeehaus bei Melange & Tageszeitung verbringen kann. Aber wir sind eben doch auch auf die Sonne angewiesen, unser Körper braucht sie um Vitamin D zu produzieren, und dauerhafter Entzug schlägt sich unter Umständen aufs Gemüt. Es es ist kein Zufall dass es in Schweden die grösste Dichte an Doom- bzw. Death-Metal-Bands gibt; dass Finnland - stets bewundert für sein Errungenschaften am Bildungssektor - mit einer relativ hohen Selbstmordrate zu kämpfen hat; dass in Russland Millionen von Menschen ihren täglichen Frust mit Vodka ertränken. Und es kommt nicht von ungefähr, dass Spanien, Italien & Griechenland bei der Lebenserwartung zu den europäischen Spitzenreitern gehören, obwohl ihre Sozial- und Gesundheitssysteme sicherlich nicht zu den besten zählen (in Zeiten wie diesen schon gar nicht). Natürlich ist das alles multifaktoriell und nicht ausschliesslich aufs Wetter zurückzuführen, aber ein gewisser Zusammenhang ist nicht von der Hand zu weisen. Nicht ohne Grund ist man in den skandinavischen Ländern ja auch schon dazu übergegangen Patienten für Kuraufenthalte in wärmere Gefilde, beispielsweise die Kanarischen Inseln, zu schicken - neben dem besseren Wetter für die Patienten sparen sich die Kassen dabei auch ordentlich Geld bei den Leistungsträgern.

Einigen meiner Kollegen war Innsbruck offenbar noch nicht sonnig genug, denn gleich 4 Kolleginnen haben beschlossen das kommende Wintersemester (welches wir ja auf Wunsch im Ausland verbringen können) in Thailand auf der Universität von Bangkok zu verbringen. Gut für mich, denn dadurch herrschte wenig Andrang auf die Plätze bei unseren skandinavischen Partner-Unis in Kuopio (Ostfinnland) bzw. Oslo (Südnorwegen) - die einzigen beiden Optionen für die ich mir vorstellen konnte Innsbruck nächsten Winter zu verlassen! Und nach längerem Hin und Her (auch die finnische Seenplatte hätte mich sehr gereizt) hab ich mich letztlich für Norwegen entschieden und einen von 2 Auslandsplätzen an der Universität Oslo ergattert! Das bedeutet dass ich nun schon früher als erwartet, nämlich bereits Ende Juni, meine Zelte hier in Innsbruck abbrechen werde; aber Skandinavien hat mich schon sehr lange gereizt, und gerade was Gesundheitsforschung- und -systeme angeht, sind Finnland, Schweden, Norwegen & Dänemark top, also das wird sicher ein sehr spannendes und wertvolles Semester... und dass ich es als Wiener gewohnt bin im Winter auch mit spärlichem Sonnenlicht auszukommen, könnte sich im hohen Norden dann doch wieder bezahlt machen! :)


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