Montag, 17. August 2015

Aubèrge norvège - Oslo für ein (halbes) Jahr!


Wer erinnert sich noch an die französische Erfolgskomödie um den 24-jährigen Pariser Studenten Xavier, der dank Erasmus für ein Jahr nach Barcelona übersiedelt und dort in einer bunt gemischten WG landet? 2002 lief der Film von Cédric Klapisch bei uns in den Kinos, ich war damals nur unwesentlich älter als Xavier (nämlich 26) und hatte gerade mein Physiotherapie-Studium in Wien begonnen. Leider gab es dabei keine Gelegenheit zu einem Erasmus-Aufenthalt, und so fand ich mich damit ab dass der Erasmus-Zug für mich abgefahren war. Und lange Zeit stimmte das auch.

Nie und nimmer hätte ich mir damals träumen lassen, dass ich ganze 13 (!) Jahre später, an der Schwelle zum 40er, noch die Gelegenheit zu meinem ersten Erasmus-Aufenthalt bekommen würde. Ganz allgemein gibt es wohl nicht allzu viele Studenten die das von sich behaupten können! Und doch bin ich jetzt hier im hohen Norden, umringt von Erasmus-Studenten wie Xavier und seinen Freunden... manchmal erscheint es mir fast unwirklich, dass sich alles so zusammengefügt hat dass ich jetzt hier sein kann... ich hätte grundsätzlich auch gerne noch das dritte Semester in Innsbruck verbracht, da ich sowohl mit meiner Heimat-Universität (dem MCI) als auch meiner Wohnsituation (dem Ungarischen Studentenheim) dort überaus glücklich war. Gleichzeitig war mir aber von Beginn des Studiums an klar dass, wenn sich die Chance auf einen Platz in Skandinavien ergeben würde, ich diese gerne nützen wollte; sowohl im Bildungs- als auch im Gesundheitswesen sind die skandinavischen Länder federführend in Europa, zudem ist ein Auslandssemester bei einem international ausgerichteten Studium wie dem meinen sicher kein Nachteil. Ausserdem zog es mich schon seit längerem in den Norden, sowohl aufgrund der Natur (Skandinavien gilt nicht umsonst als Outdoor-Paradies) als auch aufgrund der Menschen: Skandinavier, speziell Schweden und Norweger, waren mir irgendwie meist auf Anhieb sympathisch, vor allem aber kann ich ihrem Gesellschaftsmodell viel abgewinnen. Und somit war mein Standpunkt früh klar: entweder ich ergattere im 3. Semester einen der wenigen Erasmus-Plätze in Skandinavien, oder ich bleibe in Innsbruck. Sämtliche andere zur Verfügung stehenden Auslandsoptionen (Prag, Rotterdam, Maastricht, Bologna, Athen)  schieden für mich von vornherein aus.

Und dann schien irgendwie alles zu meinen Gunsten zu laufen - einige Studienkollegen waren ohnehin in einem Multiple-Degree-Programm an mehreren Universitäten eingeschrieben (und daher keine Konkurrenten um Erasmus-Plätze), andere verzichteten aus diversen Gründen auf die Möglichkeit ins Ausland zu gehen, und wiederum andere zogen ein Wintersemester im sonnigen Thailand vor - und plötzlich hatte ich nicht nur keine Konkurrenten um einen Skandinavien-Platz, sondern sogar den Luxus zwischen der University of Eastern Finnland und der University of Oslo wählen zu können. Nach einigem Überlegen (auch die finnische Seenplatte um Kuopio hätte mich sehr gereizt) hab ich mich dann aufgrund des grösseren kulturellen Angebots (und trotz der Bierpreise) für Oslo entschieden.

Am 5. August war es dann soweit und ich stieg in eine Fokker 100 der Austrian Airlines um meine Reise nach Norwegen anzutreten - nach 4 Monaten in Griechenland (1998) und 5 Monaten in den USA (2011) mein dritter längerer Auslandsaufenthalt, jedoch erstmals an einer ausländischen Universität. Ich bin schon sehr gespannt wie es mir hier gefallen wird - in "Aubèrge Espagnole" kehrt Xavier aus Barcelona zurück und entdeckt dass nichts mehr so ist wie es war: sowohl seine Beziehung zu Langzeitfreundin Martine als auch sein Studium werden mehr als nur in Frage gestellt. Nun, da bin ich doch froh Xavier ein paar Jährchen voraus zu haben, denn derart tiefgreifende Veränderungen erhoffe ich mir von meinem Erasmus-Aufenthalt eigentlich nicht. Wenn ich das dritte Semester hier nur halb so erfolgreich hinter mich bringe wie das zweite in Innsbruck, Norwegen, Norwegisch sowie die Norweger besser kennenlerne, einige wertvolle Kontakte knüpfe oder neue Freundschaften schliesse, sowie ein paar Ideen für die Masterarbeit oder sogar für den weiteren Berufsweg bekomme, dann kann ich schon mehr als zufrieden sein.

Und wenn es mir gelingt, Euch ganz nebenbei mit ein paar interessanten Geschichten aus Norwegen zu unterhalten, und ihr in den nächsten Monaten öfter auf meinem Blog vorbeischaut, dann würde mich das ganz besonders freuen!

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