Freitag, 21. August 2015

Matpakke, or: The Art of Packing Your Lunch


Eines der ersten Dinge die man als Student in Oslo lernt ist sich seine Mahlzeiten selbst zuzubereiten. Lebensmittel sind teuer hier, und auswärts essen sogar empfindlich teuer. Klar, nach der Ankunft wollte auch ich erstmal kurz Tourist spielen und hab mir was gegönnt, beispielsweise eine Tasse Kaffee und einen White Chocolate Mascarpone Cake with Strawberry Sorbet, beides zusammen um umgerechnet 17 € (zumindest die Torte war ihr Geld jedoch wert!) im beliebten Café Skansen direkt neben der Burgfestung. Aber in weiterer Folge, wenn ich auszog um die Stadt zu erkunden, hab ich immer meine eigens mitgebrachte Lunchbox eingepackt, und von solchen Lunchboxen sieht man hier sogar noch mehr als von den ubiquitären Fjäll Räven Rucksäcken.

Sich sein Essen einzupacken ist in Skandinavien allerdings mehr als nur eine finanzielle Notwendigkeit unter Studenten, sondern ein Hobby dem so ziemlich alle frönen. Es gibt sogar ein eigenes Wort dafür: Matpakke (am ehesten mit dem englischen "packed lunch" zu übersetzen, wir würden dazu wahrscheinlich "Jause" sagen, obwohl das meiner Meinung nach zu kurz greift, weil eine Jause eher eine Zusatzmahlzeit ist und nicht unbedingt eine Hauptmahlzeit ersetzt). Wenn man an einem schönen Sommertag (wie ich sie gerade zuhauf erleben darf) durch den Vigeland Park in Oslo spaziert, kann man viele Einheimische dabei beobachten wie sie am Rasen sitzen, sich unterhalten, und ihr mitgebrachtes Lunch verzehren. Als ich neulich eine Tageswanderung durch die Nordmarka unternahm und dabei in einem der zahlreichen Seen baden war, empfing mich eine Familie mit 2 Kindern (die gerade ihr Matpakke auf dem Steg zu sich nahm) nach dem Herausklettern auf den Holzsteg gleich mit einer Tasse dampfendem Kaffee aus ihrer Thermoskanne; anschliessend aßen wir unsere Sandwiches und kamen ganz ungezwungen ins Gespräch. Matpakke ist also auch ein gutes soziales Bindemittel und erleichtert es hier Bekanntschaften zu schließen.

Die einfachste, schnellste und vielleicht auch leckerste Art und Weise sich sein Mittagessen einzupacken ist ein Sandwich zuzubereiten, und das norwegische Brot - zumeist quadratförmige Stollen die erstaunlich lange frisch bleiben - eignet sich besonders hervorragend dazu (oft wird man darauf sogar auf der Verpackung hingewiesen: "Perfekt für Matpakke!"). Meine bisherigen Lebensmitteleinkäufe dienten daher zu einem großen Teil der Sandwichfabrikation, und ich habe richtiggehend Spass dabei täglich unterschiedliche Varianten zuzubereiten: zuerst mussten natürlich ein paar Basics angeschafft werden (Mayonnaise, Butter, Senf, Sahnekren, Pesto, Tabasco, Salz, Pfeffer), damit ich in weiterer Folge nur noch verderbliche Dinge wie Schinken, Käse, Salat oder Eier frisch nachzukaufen brauche.


Zusammen mit einem Apfel und einem Snickers Riegel ist somit dem Hunger sprichwörtlich der Riegel vorgeschoben und ich brauche mir bis zum Abend erstmal keine Gedanken ums Essen zu machen bzw. komme nicht in Versuchung unnötig Geld in norwegischen Fast-Food-Lokalen liegenzulassen.


Und falls mir selbst variantenreich gepimpte Sandwiches irgendwann langweilig werden sollten: Matpakke ist ausbaufähig, und ich hab auch schon ein norwegisches Blog entdeckt wo es allerlei Anregungen dazu gibt... nun muss nur noch mein Norwegischkurs beginnen, damit ich mich bei den Rezepten zurechtfinde! :)


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen