Montag, 4. Juli 2011

Best of the West! (Week 10/11)

Für viele war die Graduation der Höhepunkt, für mich war es erst der Anfang: unmittelbar nach Ende des Bikram Yoga Teacher Training bin ich mit Dieter & Martin zu unserem „National Parks Loop“ aufgebrochen (ein Urlaub auf den ich mich schon sehr gefreut habe, speziell nachdem es mit dem monumentalen Western Oz Adventure mit Klaus, Pavel, Natalie & Julia im Winter schon nicht geklappt hat). Nach dem Graduation Dinner wurde im Radisson aber noch ordentlich gefeiert, und Martin & Dieter hatten alle Mühe die Namen der ihnen vorgestellten Yogi(ni)s zu behalten. Im Palmyra Restaurant des Hotels wurde zunächst kollektiv der Enthaltsamkeit entsagt (dh. reichlich Alkohol ausgeschenkt, ich begnügte mich allerdings mit 2 Gläsern Bier), danach tanzten wir noch zu den Beats von DJ Mishon am improvisierten Dancefloor im Catalina Room, der zuvor stets für unsere Vorlesungen herhalten musste.

Am nächsten Tag galt es all mein Hab und Gut in unserem Dodge Caravan zu verstauen, und dann brachen wir auf zu unserer 2-wöchigen Reise, die uns durch die bekanntesten Nationalparks des Westens der USA führen sollte. Der 1. Park war gleich einer, der mir besonders am Herzen lag: Joshua Tree, vielen nur als das gleichnamige U2 Album ein Begriff, ist knapp 3 Stunden Autofahrt von LA entfernt und ein beliebter Wochenendausflug für Angelenos, die sich nach desert solitude sehnen. Dieter & Martin waren an diesem Park ursprünglich weniger interessiert, aber spätestens als wir bei Dämmerung den Park Entrance passierten, und unsere Reise gleich mit einem spektakulären Sonnenuntergang eröffneten, waren ihre Bedenken verflogen.


Der Nationalpark, welcher heuer sein 75-jähriges Jubiläum feierte, ist seltener auf den klassischen Nationalparkrouten im Westen der USA zu finden, hätte aber jedes Recht dazu. Mit seiner bizarren Landschaft ist er absolut einzigartig: nirgendwo sonst findet man die Kombination aus Joshua Trees (welche streng genommen zur Familie der Yuccapalmen zählt) und Boulders (Felsblöcken) aus monzogranite, die überall in der Gegend verstreut sind. Unter Kletterern ist „J-Tree“ längst Kult und die bevorzugten Gebiete des Parks tragen so klingende Namen wie Wonderland of Rocks oder Jumbo Rocks. In letzterem lag auch unser gleichnamiger Campingplatz: idyllisch in eine Ansammlung von riesigen Felsblöcken eingebettet entzündeten wir dort unser erstes Lagerfeuer und verbrachten unsere erste Nacht im Freien. Am nächsten Tag unternahmen wir eine kleine Wanderung, turnten auf den Felsblöcken herum, und blickten abschliessend vom „Key Point View“ über das gesamte Coachella Valley.

Am Nachmittag folgte eine lange Autofahrt durch die Mojave Desert in den benachbarten Bundesstaat Arizona. Dieser trägt den Spitznamen Grand Canyon State und die Mutter aller Schluchten war auch unser nächster angepeilter Nationalpark. Nach einem Abendessen in der spektakulär in einen Hang gebauten ehemaligen Goldgräberstadt Jerome beschlossen wir allerdings, die Strecke auf 2 Tage aufzuteilen und bezogen in Cottonwood Unterschlupf in einem Super 8 Motel, wo wir uns spätabends noch mit einem Bier von der Tankstelle im Hot Tub erholten (der diensthabende Rezeptionist brachte uns später Pappbecher, weil er besorgt war dass unser nächtliches Bad in einem Saufgelage ausarten könnte).

Montags ging es dann zum „Big Ditch“, wie der Grand Canyon unter Einheimischen auch liebevoll genannt wird. Unterwegs legten wir noch eine Mittagspause bei den Red Rocks in Sedona ein. Der erste Ausblick auf den Grand Canyon vom Desert View Aussichtspunkt (wir wählten die landschaftlich interessantere Anfahrt über den Osteingang) war bereits überwältigend, wir gaben uns jedoch nicht damit zufrieden und nahmen am nächsten Morgen den langen Abstieg in den Canyon über den Bright Angel Trail vor. Dafür braucht es eigene Backcountry Permits, die man bereits Monate vorher beantragen muss; darum hatte ich mich bereits im Jänner gekümmert, und als wir mittags unsere Campsite Indian Garden im unteren Teil des Canyons bezogen und ich unsere Permit aufs Zelt heftete, fand ich ich mich darauf offiziell als „Trip Leader“ bezeichnet, dh. sämtliche Entscheidungsgewalt & Verantwortung lag nun bei mir! ;-) Nach einer 3-stündigen Mittagspause im Indian Garden nahmen wir den restlichen Abstieg bis zum Colorado River in Angriff. Vom Fluss war die ganze Zeit über nichts zu sehen, aus den Tiefen des Canyons schlug uns lediglich ein heisser Wind entgegen. Als buchstäblich nach der letzten Kurve dann endlich der Fluss vor uns auftauchte, genossen wir das Bad in den kalten Fluten umso mehr. Pünktlich vor Sonnenuntergang waren wir wieder auf unserem 5 km höher gelegenen Campground angekommen und krochen nach dem Abendessen (welches in erster Linie aus Flüssigkeit bestand) erschöpft in unsere Zelte. Ursprünglich hatten wir uns etwas geärgert, Indian Garden als Campground zugewiesen bekommen zu haben, aber rückblickend betrachtet war das ein Segen, denn als ich am nächsten Morgen aufwachte, war der Campingplatz abgesehen von einem grasenden Reh bereits völlig ausgestorben und unser Abmarsch längst überfällig. Der National Park Service empfiehlt um 4 (!) Uhr morgens mit dem Aufstieg zu beginnen, um der Mittagshitze zu entfliehen; wie schon beim Abstieg waren wir jedoch erst am späten Vormittag kurz vor 10 Uhr startklar (Stichwort Wiener Gemütlichkeit!), jene Uhrzeit ab der der NPS eigentlich empfiehlt, Schatten aufzusuchen und körperliche Anstrengung zu meiden. Tatsächlich verlangte uns der gut 3-stündige Aufstieg aus Indian Garden zum Trailhead am South Rim einiges ab; es war mit Sicherheit meine anstrengendste Wanderung seit dem 10-stündigen „Wandertag“ mit Michaela Gruber letzten Herbst auf der 2. Etappe des Stubaier Höhenwegs. Martin seufzte unter der Last des schweren Gepäcks (ob man eine 2- oder mehrtägige Wanderung unternimmt, macht beim Gepäck ja leider wenig Unterschied – Zelt, Matte, Kocher etc. braucht man in beiden Fällen), hatte aber interessanterweise keinen so argen Muskelkater wie ich und Dieter, denn wir beide humpelten & fluchten noch Tage später, wenn wir aus dem Auto stiegen! Den restlichen Nachmittag begleitete mich auch noch ein leichtes Frösteln – ein klassisches Dehydrationszeichen, das ich bereits von Bikram Yoga Klassen kenne. Insgesamt war es aber ein tolles Abenteuer das wir sicherlich nie vergessen werden!


Nach den Strapazen des Grand Canyons liessen wir den Dienstag dann noch mit einer Fahrt durchs Monument Valley ausklingen, ein Erlebnis das deutlich weniger anstrengend, aber nicht weniger beindruckend war. Egal wie oft man diese Felsformationen schon gesehen hat (in alten John-Wayne-Western, auf Marlboro Werbeplakaten, oder als Desktop Wallpaper) - der Anblick ist spektakulär, im Abendrot geradezu mystisch, und man sollte sich diesen Abstecher ins Navajo-Territorium nicht entgehen lassen, auch wenn rundherum Tristesse herrscht (immerhin haben wir im „Golden Sands Café“ in Kayenta noch ganz passabel zu Abend gegessen, ich habe erstmals einen Navajo Taco probiert, quasi ein mexikanisch belegtes Langos!

Ein Countrysender hiess uns gegen Mitternacht in Colorado willkommen, und ich fuhr das letzte Teilstück unserer Etappe nach Cortez, wo wir uns ein wohlverdientes Motelzimmer gönnten, bevor wir am nächsten Tag den Mesa Verde National Park besuchten, ein zum UNESCO Weltkulturerbe gehörender Park, der aufgrund seiner Ausgrabungen berühmt ist, jedoch auch landschaftlich durchaus interessant ist. Mesa Verde (auf Spanisch „grüner Tisch“) liegt auf einem fruchtbaren Plateau, welches seinerzeit von Pueblo Völkern bewirtschaft wurde, bevor sich diese gegen 1200 n. Chr. aus bis heute nicht vollständig geklärten Gründen in die Klippen dieses Plateaus zurückzogen und dort luftige Behausungen errichteten, die beinahe perfekt erhalten geblieben sind. Eine dieser Behausungen (Balcony House) sahen wir uns im Rahmen einer Ranger-Führung an.

Anschliessend ging es in den „Mormon State“ Utah, wo sich die Nationalparks ja quasi die Klinke in die Hand geben – ganze 5 Nationalparks gibt es dort zu sehen, und wir haben es tatsächlich geschafft uns alle anzusehen. Unser „Basislager“ für die ersten beiden Parks (Arches & Canyonlands N.P.) war Moab – „the entertainment capital of Utah“. Was man sich von einer Unterhaltungsmetropole im Mormonenstaat erwarten darf, darauf war ich nun wirklich gespannt, aber tatsächlich geht es dort sehr locker zu, und wir konnten sogar Alkohol zum Essen bestellen (keine Selbstverständlichkeit – andernorts in Utah mussten Martin & Dieter zu meiner grossen Erheiterung Grapefruitsaft als Begleitung zu ihrem Steak trinken). Der Radiosender 90.1 Moab Community Radio war ausserdem die wohl schrägste (aber gleichzeitig coolste) musikalische Begleitung während unserer Reise – der „Summer of Love: 1967“ Schwerpunkt während unserer Fahrt durch den Canyonlands Nationalpark war ein wahrer Segen nach der Kommerz-Country-Dauerbeschallung in Colorado! Moab ist trotz des Wüstenklimas ein Outdoorparadies, der „Slickrock Trail“ ist weltbekannt unter Mountainbikern und der gesamte Canyonlands Nationalpark ein riesiger Abenteuerspielplatz für 4WD-Fanatiker. Im Arches Nationalpark wiederum gab es zahlreiche bizaarre Felsbögen in der Abendsonne zu bewundern:



Danach wichen wir erstmals gröber von meinem bereits vor Monaten erstellten „Masterplan“ ab – die Fahrt bis zum Bryce Canyon war uns einfach zu weit, weshalb wir unser Nachtquartier im Capitol Reef Nationalpark aufschlugen, ein eher wenig besuchter Park, und genau das war das schöne daran. Wir übernachteten auf einer primitiven, lediglich mit einem WC ausgestatteten Backcountry Campsite direkt an einem kleinen Bach mit dem hübschen Namen Pleasant Creek, welcher aufgrund lästiger Gelsen allerdings nicht ganz so angenehm war, wie der Name versprach. Dafür bekamen wir absolute Abgeschiedenheit, einen herrlich klaren Sternenhimmel, und am nächsten Morgen in Fruita (einer ehemaligen Obstplantage mormonischer Siedler) frischgebackene Fruit Pies mit Kaffee zum Frühstück! Der Reiz von Capitol Reef besteht ähnlich wie beim Zion Nationalpark darin, dass der Park von Bächen durchzogen ist, und die daraus resultierende saftige Vegetation einen schönen Kontrast zu den roten Sandsteinfelsen darstellt. Zwar hat Capital Reef nicht ganz so spektakuläre Berge zu bieten, aber dafür fehlen auch die Besuchermassen von Zion, und es gibt jede Menge abgelegener Backcountry Campsites. Der Park ist auch einer der jüngsten im National Park System, und hat dementsprechend ein sehr modernes und ansprechendes Visitor Center zu bieten.


Eine weitere sehr lohnende Planänderung war unser Abstecher zu den Calf Creek Falls im nahegelegenen GSENM - diese Abkürzung steht für „Grand Staircase Escalante National Monument“. Dieses unter Bill Clinton eröffnete Naturschutzgebiet besitzt zwar „nur“ den Status eines National Monuments (quasi der „kleine Bruder“ der Nationalparks), aber die etwa einstündige Wanderung inmitten von blühenden Kakteen und roten Sandsteinfelsen war jedem Nationalpark ebenbürtig, und am Ende konnte ich unter einen herrlich kalten Wasserfall schwimmen und mich an einem lupenreinen Sandstrand in der Sonne aufwärmen… nur Kati hat gefehlt zum perfekten „Blaue Lagune“-Klischee!


Nach dieser ausgedehnten Mittagspause ging es über den Utah Scenic Byway zum Bryce Canyon, den wir in der Abenddämmerung im Schnelldurchlauf über die Panoramastrasse erkundeten. Bryce Canyon gilt als einer der beliebtesten Nationalparks, aber an diesem Punkt war ich erstmals etwas übersättigt. Die vielen tollen Eindrücke und „Geheimtipps“ der letzten Tage machten es mir schwer, diesen Nationalpark – inmitten von italienischen Touristenbussen - wirklich geniessen zu können. Das Abendessen war aber umso feiner: obwohl wir am örtlichen Sunset Campground unsere Zelte aufgeschlagen hatten, spazierten wir zum Dinner in die altehrwürdige Bryce Canyon Lodge, wo wir uns allesamt eine gegrillte Forelle gönnten, eine willkommene Abwechslung zu Burger, Steak & Co.! Und auch die kühle Höhenluft (Bryce liegt auf etwa 2.000 m Höhe, ich brauchte erstmals eine Jacke) war eine neue Erfahrung, und ebenso die Tatsache, dass ich nach dem Essen in der Dunkelheit nur mit Mühe zum Campingplatz zurückgefunden habe. Dieter und Martin hatten sich bereits Sorgen gemacht, aber letztlich fand ich dann doch noch in mein Zelt, und am nächsten Morgen erkundeten wir dann noch die charakteristischen, lachsfarbenen „Hoodoos“ (durch Erosion geformte Kalk- und Sandsteinnadeln) mittels einer kleinen Wanderung über den Navajo Trail Loop, bevor wir in den Zion Nationalpark weiterfuhren.


Im Zion National Park erwartete uns wieder intensive Mittagshitze, und nachdem ich gelesen hatte dass man dort besonders vorsichtig mit der Sonne sein muss, schmierte ich mich von Kopf bis Fuss mit Sonnencrème ein. Immerhin hatten wir uns ja grosses vorgenommen – den steilen & ausgesetzten Angels Landing Trail, welcher über einen schmalen Grat auf eine luftige Felskuppe führt, von der man den gesamten Zion Canyon überblicken kann. Wieder einmal bestritten wir den angstrengenden Trail in der grössten Mittagshitze und vor dem steilen Schlussanstieg, welcher scrambling über mit Drahtseilen versicherte Felsblöcke erfordert (dh. schon mehr Klettersteig als Wanderung ist) war ich etwas besorgt aufgrund meiner erschöpften Wasservorräte. Bereits am Grand Canyon hatte ich leichte Dehydrationszeichen gespürt, und auf dem teilweise nur wenige Meter breiten Grat wollte ich auf keinen Fall in Schwierigkeiten kommen. Seit 2004 sind immerhin 6 Personen am Angels-Landing-Trail in den Tod gestürzt… Dieter hatte aber zum Glück noch Wasser für uns beide, und im Endeffekt war der Anstieg ein echter Genuss, kam doch erstmals sowas wie Kletter-Feeling auf: kaum ein Fels greift sich so toll an wie Sandstein, und ich vermied es weitgehend nach dem Stahlseil zu greifen. Und am Ende wurden wir mit einem herrlichen Ausblick auf den Zion Canyon belohnt:


Berauscht von diesem Erfolgserlebnis benötigten wir für den Abstieg nur etwa eine Stunde und nahmen anschliessend im Tal noch ein kühles Bad im Zion River. Gegen 18 Uhr brachen wir auf nach Las Vegas, dem denkbar grössten Kontrastprogramm unserer Nationalparkrunde. Für eine Nacht tauschten wir den sternenklaren Himmel der Nationalparks gegen die künstliche Glitzerwelt von Sin City, und hatten zu diesem Zweck eine Nacht im legendären Caesar’s Palace gebucht! Im luxuriösen Badezimmer (mit grosser Dusche, Badewanne/Whirlpool, 2 Waschbecken und einem Fernseher!) durften wir uns endlich einmal wieder richtig pflegen, allerdings fehlten mir zum casinotauglichen Outfit ordentliche, saubere Schuhe – meine Trekkingschuhe waren mit dem roten Sand sämtlicher Nationalparks von Utah gefüllt, und mit FlipFlops (wie bei meiner Graduation) wollte ich auch nicht am Spieltisch antreten. Aber alles kein Problem in Las Vegas: selbst am Sonntag um 22:30 kann man sich dort noch fein einkleiden – in den „Forum Shops“ des Caesar’s Palace fand ich schöne italienische Lederschuhe, und mit nur 60$ waren sie sogar richtig günstig! Damit war meine Glückssträhne aber auch schon zu Ende: am Roulette-Tisch verspielte ich in wenigen Minuten 20 Dollar und liess es daraufhin sein, weitere 10 $ investierte ich lieber in ein Subway Sandwich und einige Drinks im PURE, dem Nachtclub des Caesar’s Palace. Tatsächlich ist dieses Hotel (wie die meisten in Las Vegas) eine Stadt für sich, eine Durchquerung dauert gut 20 Minuten und man könnte ohne weiteres einen Urlaub dort verbringen ohne auch nur einen Schritt aus dem Hotel zu machen. Trotzdem findet man sich relativ schnell zurecht, und wenn man zum Spielen gekommen ist, gibt es sowieso keinen Weg vorbei an den zahlreichen Automaten… das schönste am Caesar’s Palace war allerdings der Pool, oder vielmehr: die Poollandschaft, denn insgesamt hat das Haus 5 oder 6 Schwimmbecken, grosszügig gesäumt von römischen Statuen, Inschriften und leichtbeschürzten Kellnerinnen. Dementsprechend verbrachten wir den gesamten Montagnachmittag am Pool (anderswo ist die Hitze Las Vegas‘ auch nur schwer zu ertragen) und schlossen dabei auch ein paar interessante Bekanntschaften:


Wenn wir dachten, in Las Vegas wäre es heiss gewesen, wurden wir gleich in unserem nächsten Nationalpark eines besseren belehrt: noch am selben Abend erreichten wir dank Dieter’s Enthaltsamkeit (er war an jenem Nachmittag der einzig Fahrtüchtige von uns) den Death Valley Nationalpark, und dieser trägt seinen abschreckenden Namen nicht umsonst! Knapp 100 Meter unterm Meeresspiegel gelegen ist diese Wüste der Hitzepol der Vereinigten Staaten, und ich habe Vergleichbares bisher nur in Biskra (nördliche Sahara!) erlebt. Schon die Fahrt dahin war unheimlich: wir fuhren bei Dunkelheit eine gottverlassene Strasse entlang, die uns quasi stufenweise in den Schlund des Death Valley herabführte – an einen Punkt der sich treffenderweise Furnace (deusch: Hochofen) Creek nennt. Dort bezogen wir einen ziemlich exponierten Campingplatz, und brauchten an jenem Abend weder Zelt, noch Schlafsack, noch Pyjama. Lediglich mit Bade- oder Unterhose bekleidet schliefen wir mit unseren Unterlagsmatten auf Picknick-Tischen am Campground, um nächtliche Begegnungen mit Nagetieren zu vermeiden – Eichhörnchen lieben schliesslich Nüsse! Gut geschlafen haben wir trotzdem nicht: heisser Wüstenwind verhinderte einen tiefen Schlaf und entzog dem Körper unmerklich Flüssigkeit (da jeder Schweisstropfen sofort verdunstet, merkt man gar nicht dass man überhaupt schwitzt). Am nächsten Tag liessen wir es uns dennoch nicht nehmen, morgens noch nach Badwater zu fahren, mit 85,5 m unterm Meeresspiegel der tiefste Punkt der nördlichen Hemisphäre!


Da ich nachts noch am ehesten ein Auge zugedrückt hatte, war ich für die Fahrt aus dem Death Valley heraus zuständig, aber es war auch für mich das anstrengendste Teilstück unserer Reise hinterm Steuer. Das unglaubliche war, dass nach dem tiefsten Punkt unserer Reise noch am selben Tag der höchste Punkt folgen sollte: die Sierra Nevada, deren Gipfel nach einem besonders schneereichen Winter noch immer mit reichlich Schnee bedeckt waren! Nachdem wir erstmals einen Nationalpark von unserer Reiseroute streichen mussten (Sequoia / Kings Canyon NP hätte uns einen ziemlichen Umweg gekostet) fuhren wir zum Mittagessen nach Bishop und anschliessend weiter in das beliebte Winter-Resort Mammoth Lakes, wo nach Ende der Ski-Saison die Preise purzelten und wir uns ein Zimmer in der gemütlichen Sierra Lodge leisteten. Damit waren wir in nur wenigen Stunden von 282 Fuss unterm Meeresspiegel auf eine Höhe von 7.800 Fuss überm Meeresspiegel gefahren, und diese körperliche Belastung spürte ich auch ganz deutlich. Die kühle Höhenluft war allerdings Balsam auf meinen Wunden, und ich strich das Abendessen und entspannte stattdessen eine Stunde lang im Outdoor-Jacuzzi der Sierra Lodge.

Am nächsten Tag schoben wir vor dem Yosemite Nationalpark (dem letzten grossen Höhepunkt unserer Reise) noch einen Besuch in Bodie, einer der authentischsten und am besten erhaltenen Goldgräberstädte Kaliforniens, ein. Ausschlaggebend dafür war, dass Dieter sich noch einen Besuch in einer Ghosttown wünschte, und genau das ist Bodie: eine Stadt, die während des Goldrausches boomte (die Bevölkerungszahl stieg innerhalb eines Jahres von weniger als hundert auf etwa 10.000!), aber nach Ende des Goldrausches ebenso spektakulär wieder „abstürzte“. Nachdem die Bergbaufirmen das Gebiet verliessen, gab es für die Menschen keine Arbeit mehr, und aufgrund des schönen Wetters kam sowieso niemand nach Bodie. Die Winter waren berühmt-berüchtigt, wie schreibt der lonely planet so schön: „preparing for a winter in Bodie was – and still is – a monumental task.“ Um 1945 verliess auch der harte Kern die Stadt, und Bodie wurde schlichtweg den Elementen überlassen. Und genauso kann man diese Geisterstadt heute bewundern, welche in den 60er Jahren zu einem National Monument erklärt wurde. Der Park ist ganzjährig geöffnet, im Winter aber teilweise nur mit Schneeschuhen (!) erreichbar; um dort als Angestellter/Volunteer zu arbeiten muss man also wohl aus ganz ähnlichem Holz geschnitzt sein wie die harten Kerle zu Bodie’s besten Zeiten. Ich war jedenfalls beeindruckt von dem Ort und seiner Geschichte und hab mir auch ein Buch gekauft, welches das Leben in Bodie angeblich sehr präzise nachzeichnet. Bin schon sehr gespannt auf die Lektüre, das Buch hab ich einstweilen Dieter zur Verwahrung mitgegeben...


Nachdem wir also Bodie und den nahgelegenen Mono Lake (auch dieser hat eine interessante Geschichte, aber ich will nicht weiter abschweifen) besichtigt hatten, ging es über den Tioga Pass in den letzten Nationalpark unserer Reise: den Yosemite Nationalpark, für den wir ebenso wie für den Grand Canyon 2 Tage eingeplant hatten. Am Tioga Pass lag noch etwas Schnee und die Temperaturen beim Eintritt in den Park waren mit etwa 6°C alles andere als einladend, wir hatten auch einen Tag mit mässigem Wetter erwischt. Trotzdem waren alle Campingplätze voll, und wir verbrachten die ersten Stunden im Tal mit der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Yosemite ist dafür bekannt recht schnell überfüllt zu sein, aber wir wollten nur ungern ausserhalb des Parks übernachten, da wir am nächsten Tag eine Wanderung geplant hatten und uns die Fahrerei ersparen wollten. Wir warfen einen Blick ins Camp 4, dem legendären Stützpunkt aller Kletterer, und fanden dort freie Zeltplätze vor, obwohl der (recht kleine) Campingplatz offiziell voll war. Wir lernten ein paar nette Leute kennen, die uns rieten unsere Zelte erst gegen 22 oder 23 Uhr auf- und frühmorgens wieder abzubauen, um dem Blick der strengen Ranger zu entgehen – angeblich ist eine illegale Übernachtung im Camp 4 der schnellste Weg, sich im Yosemite eine Geldstrafe einzufangen! Wir beschlossen es zu riskieren, und durften auf diese Weise nicht nur gratis im Camp 4 übernachten, sondern auch einen netten Abend mit ein paar Leuten aus Southern California am Lagerfeuer verbringen – inkl. Marshmallows und Bier! Am nächsten Tag hatten wir keine Lust mehr auf eine grosse Wanderung, sahen uns aber dennoch die Highlights des Parks an: der knapp 1.000 m hohe Granit-Monolith El Capitán (Entstehungsort des modernen Sportkletterns & allgemein anerkanntes Mekka des Bigwall-Kletterns) mit seiner legendären Route „The Nose“ war für mich natürlich ein besonders Highlight, aber auch die riesigen Sequoia Bäume im südlichen Teil des Nationalparks waren eindrucksvoll anzusehen, und der abschliessende Ausblick vom Glacier Point über das gesamte Yosemite Tal (mit seinem Wahrzeichen, dem Half Dome) war ein wahrlich würdiger Abschluss für eine Reise die einen Höhepunkt nach dem anderen zu bieten hatte, und die ich jedem in dieser oder ähnlicher Form nur empfehlen kann!


Ebenfalls erwähnen möchte ich, dass die Chemie zwischen uns dreien super gestimmt hat, und es keine wirklichen Unstimmigkeiten gab – wenn doch, wurde stets „demokratisch“ entschieden (Anm: Dead Horse State Park!) und es waren im nachhinein auch immer alle happy mit den getroffenen Entscheidungen! Mit unserem stetigen Wechsel zwischen Outdoor-Camping und Hotel/Motel -Übernachtungen fanden wir ausserdem eine gelungene Mischung aus Outdoor-Abenteuerurlaub & komfortabler Mietwagen-Rundreise! Witzigerweise war es letztendlich (ohne dass wir es anfangs so geplant hatten) so, dass den ganzen Urlaub hindurch jeweils auf eine Nacht im Zelt eine Nacht in einem Bett folgte… gegen Ende war es dann schon so, dass dieser „Rhythmus“ auch bei der Reiseplanung und Quartierssuche berücksichtigt wurde!

Und damit fehlt eigentlich nur eines: das abschliessende Top 3 Voting, von dem wir schon während der Reise mehrmals gesprochen haben! Ich bitte Euch daher im Kommentarfeld um Eure Stimmen für:

a) die 3 sehenswertesten Nationalparks (schwierig, ich weiss - aber auf welche hättet ihr keinesfalls verzichten wollen?)

b) die 3 besten Campgrounds

c) die 3 chilligsten Ho(s)tels/Motels

d) die 3 spektakulärsten Fotomotive

e) die 3 coolsten Roadtrips

f) die 3 schönsten Hikes

g) die 3 aufregendsten Wildlife-Beobachtungen

h) die 3 besten "dining/lunch experiences"

i) die 3 einprägsamsten Fastfood-Erlebnisse (ob schlecht oder gut, sei dahingestellt...)

j) die 3 leiwandsten Leute die wir kennengelernt haben

Anmerkung: die 3 coolsten Radiosender hab ich wegfallen lassen, da wir eigentlich nicht mehr als 2 oder 3 ansprechende Radiosender dauerhaft gehört haben – ich glaube wir sind uns da relativ einig. Ich werde nach meiner Zeit in den USA hoffentlich ein etwas repräsentativeres Ranking aufstellen können!

Kommentare:

  1. So, lieber Alex, hier ist mein Voting :-)

    a) die 3 sehenswertesten Nationalparks (schwierig, ich weiss - aber auf welche hättet ihr keinesfalls verzichten wollen?)
    Verzichten möchte ich auf keinen, auch die Reihung ist nicht einfach. Von der Intensität des Erlebens sind für mich Josua Tree, Grand Canyon und Yosemite die Spitzenreiter.

    b) die 3 besten Campgrounds
    Da die Campgrounds Teil des jeweiligen Gesamterlebnisses waren, sind es für mich die selben Spitzenreiter: Jumbo Rocks in Josua Tree, Indian Garden im Grand Canyon und natürlich das illegale campieren im legendären Camp 6 in yosemite :-)

    c) die 3 chilligsten Ho(s)tels/Motels
    Top 1, nicht zuletzt aufgrund des krassen Unterschieds zur zum Glück nicht gewählten Alternative Dead Horse End Camping: Das Super 8 in Cottonwood mit unserer ersten Hot tube experience :-) Klassisches Motel-Feeling, wie man es sich aus den Filmen erwartet – Erdgeschoss, Auto direkt vor der Tür: Days Inn in Cortez (falls ich nicht die Orte durcheinander bringe). Den Platz 3 teilen sich zwei, die aus unterschiedlichen Gründen ausser Konkurrenz laufen: Das Cesar´s Palace kann man nicht wirklich als Motel bezeichnen, dennoch auf jeden Fall einer der Top-Übernachtungsplätze. Und das Motel 6 in Santa Barbara, direkt am Strand, mit morgendlichem Bad im eiskalten Meer, war vor dem gemeinsamen Teil unserer Reise. Dennoch beides absolut top.

    d) die 3 spektakulärsten Fotomotive
    Den Platz 1 teilen sich die attraktiven und sehr gerne für ein Foto posenden Girls beim Pool des Cesars Palace mit dem sensationellen und, wie du richtig sagst, richtiggehend mystischen Sonnenuntergang im Monument Valley. Weiters in die Topliste gehört unbedingt unser allererster Josua Tree, und der gleich in einem höchst spektakulären Sonnenuntergang. Jumbo Rocks, Grand Canyon, Arches, Bryce, irgendwelche überraschenden Formationen und Klüfte irgendwo am Wegrand – ist natürlich schwer, all die da rauszulassen.

    e) die 3 coolsten Roadtrips
    Top 1 für mich: Von Joshua Tree Richtung Norden, zuerst durch die Wüste, dann entlang der legendären Route 66. Sehr spektakulär: An einem Tag vom tiefsten Punkt der nördlichen Hemisphäre im Death Valley mit 40 Grad mit Walzerklängen auf 3.000 Meter und Schnee in Yosemite. Top 3: Die atemberaubenden Ausblicke bei der Fahrt entlang des Grand Canyon.

    f) die 3 schönsten Hikes
    Top 1, da am ausführlichsten (und schon auch anstrengendsten): Grand Canyon mit nach unten ansteigender Hitze - und sensationellem Bad im schneeschmelzekalten Collorado River. Top 2: Auch ich war im Bryce Nationalpark schon etwas übersättigt – umso schöner dann die morgendliche Wanderung durch den Park, und umso spannender der eigentlich gesperrte Teil ;-) Top 3: Die ungeplante und überraschend schöne Wanderung zu Calf Creeks Fall. Oder doch die Jumbo Rocks Wanderung in Josua Tree? Schwierig ;-)

    g) die 3 aufregendsten Wildlife-Beobachtungen
    Top 1 waren für mich – wenn auch wieder vor der Nationalparktour – die Seerobbengruppe, die Dieter und ich bei unserer Fahrt entlang des Pazifiks irgendwo im nirgendwo entdeckt haben. Und die es gar nicht gestört hat, dass wir in nächster Nähe waren – wenn auch einer der Gruppe immer genau geschaut hat, was wir tun. Top 2: NICHT von einem Bär und auch nicht von einem Squirrel angefallen worden ;-) Top 3: Zählt der Pool von Las Vegas als Wildlife?

    h) die 3 besten "dining/lunch experiences"
    Steak, Steak und Steak :-)

    i) die 3 einprägsamsten Fastfood-Erlebnisse (ob schlecht oder gut, sei dahingestellt...)
    Kein Steak …

    j) die 3 leiwandsten Leute die wir kennengelernt haben
    An Top 1 seid ihr zwei, und auch mich hab ich wieder ein bisschen besser kennengelernt :-)

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  2. Danke fuer dein Voting inkl. Ausfuehrungen (Las Vegas Pool Wildlife = LOL), gut Ding braucht eben Weile! Hier mein Voting (die reihung ist rein chronologisch und nicht als wertung zu verstehen)

    A) JOSHUA TREE - GRAND CANYON - YOSEMITE
    B) JUMBO ROCKS - PLEASANT CREEK - CAMP 4
    C) DAY'S INN CORTEZ - CAESAR'S PALACE - SIERRA LODGE
    D) JOSHUA TREE - MONUMENT VALLEY - HALF DOME
    E) CANYONLANDS SUMMER OF LOVE - DEATH VALLEY - BODIE
    F) BRIGHT ANGEL TRAIL - CALF CREEK - ANGELS LANDING
    G) J-TREE ROADRUNNER - BRYCE SQUIRREL - LAS VEGAS BOOBS
    H) PASTA JAY'S MOAB - BRYCE LODGE - MOUNTAIN WINERY
    I) SUBWAY LAX - TACO BELL - IN & OUT
    J) MEINE TRAVELMATES - VEGAS CHICKS - YOSEMITE CAMPERS

    Anm: natuerlich gibt es nach der Reise einige weitere Kandidaten, aber die werden dann in mein Overall-USA-Ranking aufgenommen (welches ich wohl auf Top 5 oder gar Top 10 erweitern muss...). So, Dieter ist am Zug!

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