Sonntag, 24. April 2011

"Bikram Yoga Vacation" (Week 1)

Die Zusammenfassung meiner ersten Woche am 37. Bikram Yoga Teacher Training erfolgt wieder auf Deutsch - nicht weil ich zu faul oder zu müde bin um auf Englisch zu schreiben (eigentlich würde ich meine teilweise mitlesenden und vorwiegend englischsprachigen Kollegen ja auch gern unterhalten) - sondern aus Sicherheitsgründen! ;-) Das Teacher Training geniesst nicht umsonst den Ruf eines "Boot Camps" (im Amerikanischen die Bezeichnung für ein 6-monatiges Trainingscamp bei der US Army, Navy, Air Force oder den Marines) und seit dem Siegeszug der Social Networks kämpft man seitens der Staff ein bisschen damit, den Informationsfluss einzudämmen; Jim Kallet hat uns zu Beginn ersucht unsere Online-Aktivitäten auf das Notwendigste zu beschränken, da man in den letzten Jahren zwiespältige Erfahrungen damit gemacht habe - Trainees hätten im Anflug erster Emotionen Dinge auf Twitter oder Facebook gepostet, die das Training in ein schlechtes bzw. falsches Licht gerückt hätten (dasselbe gilt allerdings auch für uns Trainees: so hat etwa Anfang der Woche eine Kollegin in der Facebook-Gruppe des Teacher Trainings, quasi unserem Online-Diskussionsboard, kundgetan dass sie die Orientation sausen liess um auf ein Rod-Stewart-Konzert zu gehen, und man möge sie doch bitte mit den Details jener Vorlesung versorgen - am nächsten Tag gab's dafür Seitenhiebe vom Personal... ich finde ja, sie hätte sich zumindest einen cooleren Act aussuchen können *g*). Jim bat uns gewisse Dinge einfach zu akzeptieren, und (wenn überhaupt?) erst daheim zu hinterfragen. Vor allem aber - und da muss ich ihm beipflichten - gehe durch die ständige Verbindung mit der Aussenwelt ein bisschen das Gefühl der "Kasernierung" verloren, welches bei einer Yoga-Ausbildung jedoch durchaus beabsichtigt & erwünscht ist.

Ich versuche meine Online-Zeiten daher auch etwas im Griff zu behalten und nur am Wochenende per Chat oder Skype mit meinen Lieben daheim in Kontakt zu treten. Ansonsten gibt es zwischendurch immer wieder mal Fotos auf facebook, und hoffentlich jeweils einen Bericht der abgelaufenen Woche an dieser Stelle. Damit also gleich zu einem Rückblick auf die 1. Woche - oder "Bikram Yoga Vacation", wie es unser Guru genannt hat! Das wirft gleich mal eine Frage auf: ist Bikram Choudhury wirklich unser "Guru"? Kann man jemanden, der eine zweistellige Anzahl an Luxuskarossen und angeblich den grössten Swimming Pool in Beverly Hills besitzt (obwohl er - wie er nicht müde wird zu betonen - nicht schwimmen kann) überhaupt als Guru bezeichnen? Bikram nimmt seinen Kritikern vorweg den Wind aus den Segeln - er macht gar kein Hehl daraus, dass er den westlichen Lebensstil und seine Annehmlichkeiten zu schätzen weiss und sieht sich (mit einem ironischen Augenzwinkern) in erster Linie als "Entertainer" ("I make life fun!"). Für ihn schliessen sich Yoga & westlicher Lebensstil nicht aus; genau das beschert Bikram Yoga auch seine unglaublichen Wachstumsraten rund um den Globus - und das gilt auch fürs Teacher Training: Mitte der 90er Jahre ins Leben gerufen, und anfangs nur von Bikram & seiner Frau betrieben, hat es sich mittlerweile zu einem 2x pro Jahr stattfindenden Riesen-Event mit prominenten Gastvortragenden (wir erwarten u.a. US-Basketball-Legende Kareem Abdul Jabbar) ausgewachsen. Während bei den ersten Teacher Trainings nur knapp 30 Schüler teilnahmen, wächst die Zahl kontinuierlich, und auch heuer gibt es mit 428 Teilnehmern wieder einmal einen Teilnehmerrekord. Und sie kommen aus aller Welt: der Grossteil aus den USA & Kanada, eine ebenfalls grosse Gruppe aus Australien, Neuseeland & Grossbritannien, kleinere Gruppen aus Südamerika, Asien, Skandinavien & den mitteleuropäischen Ländern, sowie eine Handvoll "Exoten" aus Russland, der Türkei oder dem Libanon.

Das Hotel war anfangs eine herbe Enttäuschung (Bikram hat es zuletzt abfällig als "Motel" bezeichnet, also ist auch hier nicht anzunehmen dass er sesshaft werden wird), mittlerweile hab ich mich aber damit arrangiert. Sagen wir mal, es ist zweckmässig. Da im Preis keine Verpflegung inkludiert ist, und Speisen/Getränke im Hotel auf Dauer ziemlich teuer sind, habe ich mir bei Kohl's einen Reiskocher gekauft, und versorge mich selbst - hauptsächlich mit Lebensmitteln von Trader Joe's. Viele Leute kommen nach L.A. um den Walk of Fame in Hollywood zu besichtigen; bei mir steht nun jedes Wochenende der Walk of Shame am Programm!



Ausgerechnet in L.A. mit einem Einkaufswagen voller Lebensmittel vor dem Radisson Haupteingang vorzufahren, ist doch etwas peinlich. Letztes Wochenende bin ich sogar mit dem Einkaufswagen bis aufs Zimmer gefahren, aber das hat mir die Hotelmanagerin mittlerweile untersagt ;-)... nun darf der arme Portier meine Einkäufe unten auf ein nobles Kofferwagerl schlichten und auf mein Zimmer bringen, und in einer verlassenen Nische um die Ecke des Hotels sammeln sich derweil bereits die Einkaufswagerln... mein Zimmerkollege Stephen hat dies bereits liebevoll als "Bikram Yoga Rent-a-Car" bezeichnet! :-)


Doch nun zum Training. "It's Bikram Yoga Vacation, I will be easy on you guys!" versprach uns Bikram Anfang der Woche. Und auch von allen anderen Seiten wurde uns geraten es in der ersten Woche ruhig anzugehen und uns erstmal an den Tagesablauf zu gewöhnen - der sieht in etwa folgendermaßen aus:

08:00 - 08:30 Anmeldung für die Morgenklasse
08:30 - 10:00 Yogaklasse (1)
12:00 - 12:30 Anmeldung für die Nachmittagsvorlesung
12:30 - 16:00 Nachmittagsvorlesung
16:30 - 17:00 Anmeldung für die Abendklasse
17:00 - 18:30 Yogaklasse (2)
21:00 - 21:30 Anmeldung für die Abendvorlesung
21:30 - ??:?? Abend- bzw. Nachtvorlesung

Die Essenspausen sind relativ grosszügig bemessen, was mir persönlich wichtig ist. Es bleibt genug Zeit um nach der Klasse in den Pool zu springen und anschl. am Zimmer Essen zu kochen, evtl auch für ein kleines Schläfchen. Ein solches werd ich in nächster Zeit auch öfter mal halten, denn es ist damit zu rechnen dass uns Bikram in nächster Zeit nicht allzuviel Schlaf gönnen wird. Bereits letzte Woche hat er uns einmal bis 1:30 Uhr mit Yoga-Grundlagen beglückt, ein andermal mussten wir bis 03:30 Uhr morgens einen 3-stündigen Bollywoodfilm (bekanntermaßen eine seiner bevorzugten "Erziehungsmethoden") über uns ergehen lassen, bei dem ich jedoch schon nach 15 Minuten eingeschlafen bin... zum Glück hab ich einen aufblasbaren Nackenpolster mit dabei!

Die bislang 10 Yogaklassen selbst waren recht unterschiedlich. Bei der allerersten Klasse verliess gut ein Viertel der 430 Teilnehmer den Raum; mein persönlicher Meltdown kam nach der 3. Klasse, ich hielt zwar bis zum Ende durch, beim Verlassen des Raumes fühlte ich mich aber dem Kollaps nahe und geriet angesichts der grossen Traube an Trainees (wir müssen beim Verlassen des Raumes ein ziemlich langes Nadelöhr passieren) sogar ein wenig in Panik. Als ich dann endlich den "Auffangraum" erreichte, wurde ich mit Cola & Eis aufgepäppelt, dennoch hab ich mich anschliessend am Zimmer 3 Mal übergeben und die Abendvorlesung auslassen müssen. Auch am nächsten Tag war ich noch etwas gezeichnet, aber mittlerweile hab ich meine Ernährung etwas umgestellt (keine Milchprodukte tagsüber, vorzugsweise Suppe zu Mittag) und mich hoffentlich auch an die Bedingungen im Hotroom gewöhnt - im Gegenzug zu unseren Heimstudios wird hier kontinuierlich Heissluft in den Raum geblasen, und die Hitze kann speziell im Bereich der Schläuche trocken & unangenehm sein. Sobald wir einigermassen ins Schwitzen geraten, steigt wiederum die Luftfeuchtigkeit rapide an, was man dann als ziemlichen "shock to the system" empfindet. Im grossen & ganzen fühl ich mich aber recht wohl in dem Raum, auch der in den US-Studios übliche Teppich stört mich nicht allzusehr (ausser beim Triangle, da rutsch ich regelmässig drauf aus). Und selbst bei 450 Leuten im Raum hat man immer noch genügend Platz, so riesig ist der Raum... ich hoffe Euch nächste Woche ein paar imposante Fotos davon liefern zu können!

In der Zwischenzweit wünsch ich Euch allen Frohe Ostern! Während auf Eurer Seite des grossen Teichs der Osterhase wohl bereits die Eier versteckt, geniess ich jetzt erstmal den restlichen Sonntagabend und werde mich dem Klassiker "Autobiographie eines Yogi" von Paramahansa Yogananda widmen, welches ich von Robert Huber vor dem Training geschenkt bekommen habe (danke nochmal an dieser Stelle!). Jener Yogananda war übrigens der ältere Bruder von Bikram's Guru Bishnu Ghosh, also an guten Lehrern hat es Bikram nicht gemangelt... ich hoffe ich kann in 8 Wochen dasselbe behaupten! :-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen