Sonntag, 15. Mai 2011

"Go out and change your tampon!" (Week 4)

Nachdem in Österreich scheinbar schon die Grillsaison eröffnet wird, wird es Zeit ein paar Worte übers Wetter zu verlieren: It's way too grey for L.A.! Ich war zwar noch nie in Sunny Southern California, aber ich glaube behaupten zu können, dass es derzeit ungewöhnlich kühl für diese Jahreszeit ist. Dementsprechend wenig frequentiert war letzte Woche auch der Hotelpool im Radisson, den ich ansonsten gern für eine Abkühlung und ein kleines Sonnenbad nach der Morgenklasse nutze. Der dezente Teint, den ich in den ersten Wochen aufgerissen hab, ist auch fast wieder verschwunden. Klar: Yoga is not about how you look, it's about how you feel! Und natürlich kann man es schlimmer erwischen als in einer Stadt mit 300 Sonnentagen pro Jahr, aber trotzdem: die Lufttemperatur war die ganze letzte Woche ziemlich kühl, und ich vermisse das Dialogue-Lernen am Pool. Die Vorschau für kommende Woche sieht leider recht ähnlich aus (maximal 70 Grad Fahrenheit), sogar von Regenschauern ist die Rede. Aber was soll's, ich werd schon noch zu meinem kalifornischen Sommer kommen, spätestens nach Ende des Trainings!

Woche 4 begann sehr vielversprechend: ich war gut erholt vom Wochenende und durfte am Montag in der front row eröffnen. In meinem Heimstudio in Wien ist das etwas selbstverständliches (dort haben wir ja auch nur 2 Reihen), aber im International Ballroom des Radisson gibt es 10 Reihen, und um für etwas Abwechslung zu sorgen bzw. zu verhindern dass man es sich irgendwo dauerhaft gemütlich macht (die rechte vordere Ecke des Raumes hat sich bereits als coolster, dh. kühlster, Ort herumgesprochen...), werden wir seit der Einteilung in unsere Gruppen täglich um eine Reihe nach hinten versetzt. Das Rechts-Links-Gefälle bleibt aber trotzdem bestehen, und nachdem ich selten Lust habe, früher als 15 Minuten vor Klassenbeginn im Raum zu sein, finde ich mich zumeist in der linken Hälfte des Raumes wieder. Mein Zimmerkollege Stephen dagegen, der morgens bereits das Zimmer verlässt,wenn ich gerade mal beginne den Wecker zu hören, ist ausnahmslos in der rechten Hälfte des Raumes zu finden. Wir sind nun mal alle Gewohnheitstiere.

Die Abwechslung während der Klassen hat ohnehin weniger damit zu tun wo man sich im Raum befindet, als mit der Frage wer auf dem Podium steht, und auch da wird uns viel Abwechslung geboten. Es ist wohl eine der angenehmsten Nebenerscheinungen beim Teacher Training, dass man in den Genuss so vieler ausgezeichneter Lehrer kommt! Neben unseren principal teachers, zu denen ich Bikram & Rajashree Choudhury, Emmy Cleaves & Jim Kallet zählen würde, werden wir jede Woche mit zahlreichen neuen Gastlehrern überrascht, was doch etwas Abwechslung in unseren ansonsten recht monotonen Tagesablauf aus Yogaklassen, Posture Clinics & Anatomy Lectures bringt. Und die Lehrer am Teacher Training sind nicht irgendwelche Lehrer: viele von ihnen sind Studiobesitzer, die sich bewusst die (Aus)Zeit nehmen, um am Teacher Training mitzuwirken und ihr Wissen & ihre Erfahrung im Rahmen der Yogaklassen oder Posture Clinics weiterzugeben. Manche geniessen sogar regelrechten Kultstatus, wie etwa John Salvatore aus Las Vegas, der neben seiner Tätigkeit als Bikram-Yoga-Instruktor auch ein bekannter Comedian & Schauspieler ist (dzt. im Broadway-Musical "The Jersey Boys" aktiv) und bei uns vergangenen Mittwoch die Morgenklasse unterrichtet hat. Er kam direkt per Frühflug aus Vegas, und muss sich während des Fluges intensiv mit Coke (dem Getränk) gedopt haben, denn er hatte mehr Energie als alle 430 verschlafenen Yogis zusammen, und seine Klasse war genauso schrill, glamourös & manisch wie man sie sich von einem Broadway-Darsteller erwarten darf! Das änderte aber nichts an der Tatsache dass meine Hamstrings sich im Verlauf der Woche zunehmend gegen Dehnung wehrten, mir sehr "steife" Morgenklassen bescherten, und Asana-Fortschritte verhinderten. Im Gegenteil, bei manchen Positionen wie etwa der "Seperate Leg Stretching Pose" hab ich eher das Gefühl Rückschritte gemacht zu haben.

Weitere interessante Gastlehrer diese Woche waren Karen Buckner aus Texas, sowie Michael Frayer aus Chicago, der uns mit einer entspannten Samstagsvormittags-Klasse ins Wochenende entliess und (trotz meiner Unkenrufe über das Wetter) mit einem ordentlichen Sonnenbrand nach Chicago zurückfliegen wird (mit durchschnittlich nur 100 Sonnentagen im Jahr ist man in der "Windy City" wohl doch noch ärmer dran als in L.A.). Knallrot im Gesicht und auf den Armen, aber teigig weiss am restlichen Körper war er in seinen engen Yogashorts doch recht lustig anzusehen auf dem Podium. Sein abschliessender Rat an uns Trainees: "Learn that dialogue. And use sunscreen." Selten so gelacht.

Damit gleich zu meinen Fortschritten im Teacher's Dialogue: nach der Warmup Series letzte Woche musste/durfte ich diese Woche die gesamte Balancing Series zum Besten geben, bestehend aus den 3 Asanas Standing Head-to-Knee, Standing Bow Pulling & Balancing Stick, vermutlich dem forderndsten Abschnitt einer Bikram Yoga Klasse. Da ich all diese Positionen bereits im Zuge meiner Vorbereitung mit Tammy Goswami in Wien gelernt hatte, und mich diese Woche auf das praktische Üben mit Kollegen verlegen konnte, hatte ich mit dem Dialogue wenig Probleme und bekam durchwegs positives Feedback.

Fabian, Eva, Stefanie, Sanchari und ich beim Üben des "Balancing Stick" Dialogue

Die ersten beiden Übungen musste ich am Dienstag als Einziger aus meiner Gruppe sogar back-to-back instruieren, was mir aber ein besonderes Erfolgserlebnis bescherte und viel Lob von der Gastlehrerin Ida Ripley aus Vancouver sowie von meinen Kollegen einbrachte! Balancing Stick am Freitag hätte ich vielleicht noch etwas energischer vortragen können, der Gastlehrer lobte aber meinen Dialogue und meine "interaction with the bodies", dh. dass ich die demonstierenden Yogis durchgehend im Auge behalten habe. In der kommenden Woche rechne ich damit, zumindest die gesamte Seperate Leg Series (bestehend aus 3 Grätsch-Übungen) vortragen zu müssen, möglicherweise auch noch die 2 verbleibenden Übungen der Standing Series (Tree Pose & Toe Stand), da wir am Montag mit unserer Abschlussprüfung den Anatomie-Unterricht abschliessen, und daher mehr Zeit mit den Posture Clinics verbringen werden. Vor der Anatomie-Prüfung am Montag brauch ich mich nicht wirklich zu fürchten, auf die Teilprüfung vergangenen Montag hab ich 29 von 30 möglichen Punkten erzielt, und nur bei einer Frage hab ich mir von Dr. Preddy ein Bein stellen lassen - und allen mitlesenden Physios möchte ich diese natürlich nicht vorenthalten: (Antworten bitte im Kommentarfeld deponieren, und zwar bevor ihr sicherheitshalber euren Anatomie-Atlas oder Dr. Google konsultiert!)

What does the manubrium articulate with?
a) the corpus of the sternum
b) 4 ribs
c) 2 clavicles
d) all of the above

Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Am Montag folt also der 2. schriftliche Test, und aus den insgesamt 100 Fragen beider Tests müssen wir in Summe 70% (also 70 Fragen) richtig beantwortet haben. Das sollte für mich kein Problem darstellen, mit meinen anatomischen Zeichnungen mach ich nämlich fast schon einem anderen Dr. Frank Konkurrenz, und zwar Frank Netter! Vom "Arzt dem die Frauen vertrauen" zum anatomischen Zeichner decke ich also mittlerweile das gesamte Spektrum ab - auch wenn das ganze mehr "Malen nach Zahlen" ist! ;-)


Meine beste Yogaklasse dieser Woche war übrigens die 17h Klasse am Mittwoch - eine besonders heisse Klasse, bei der einige Trainees kapitulierten und eine Kollegin sogar aus dem Raum getragen werden musste. Gemäss der Rotation war ich in Reihe 3 zu finden, und zwar direkt vor dem Podium, zu Füssen des Lehrers. Und das war an diesem Abend ausgerechnet und überraschenderweise Rajashree, die letzte Woche fünf Klassen, diese Woche aber nur eine einzige unterrichtet hat! Ihr würde ich im Gegensatz zu Bikram auch die Füsse massieren, und schliesse mich dem Scherzkeks in unserem Facebook-Forum an, der kürzlich den Satz "I think I have a crush on Rajashree" gepostet hat (immerhin war ich ihr in jener Stunde nahe genug um festzustellen dass das Parfümverbot im Hotroom für sie offenbar nicht gilt...) Sie appellierte während der Stunde an uns alle, etwas mehr Toleranz im Umgang mit unseren Zimmerkollegen an den Tag zu legen, an den Gerüchten letzter Woche dürfte also doch mehr dran gewesen sein...

Wenn Mittwoch abend meine beste Klasse war, dann war Donnerstag abend meine schwächste; und das leider ausgerechnet unter den Argusaugen Bikram's, der an diesem Abend sein Comeback in L.A und im Hotroom gab! Da ich recht spät den Raum betrat, hatte ich keine andere Wahl als erneut unmittelbar vor dem Podium meine Zelte aufzuschlagen. Dieser Platz wurde bereits im Verlauf der Woche zusehends gemieden aber am Donnerstag sah es aus als ob vor dem Pult jemand eine Schneise in all die Yogamatten geschlagen hätte! Ich nahm die Herausforderung an, aber wie schon in den Wochen zuvor spürte ich am Donnerstag die Strapazen der abgelaufenen Woche und lief schon recht bald am Zahnfleisch, wie man so schön sagt. Nachdem ich die zuvor angesprochene, fordernde Balancing Series mehr schlecht als recht mitgemacht hatte, nahm ich während der ersten Grätschübung auf meiner Matte Platz, und wurde prompt von Bikram des Raumes verwiesen! Was jetzt vielleicht gemein klingt, war zwar eher gut gemeint, aber dennoch schickte mir Bikram noch ein zynisches "Go out, and change your tampon!" hinterher, womit er natürlich die Lacher (auch meinerseits) auf seiner Seite hatte... als ich wieder zurückkehrte, erkundigte er sich dafür nach meinem Befinden, und als ich auf meine Schläfen deutete, meinte er in besorgt-väterlichem Tonfall, wieso ich nicht schon früher gesagt hätte dass ich Kopfweh habe! "Zuckerbrot & Peitsche", oder "tough love" (wie es die Amis gern nennen) - so läuft das eben im Hotroom!

Das Kopfweh hatte ich übrigens schon häufiger, und ich weiss auch dass es ein Dehydrationszeichen ist und ich vor und während den Klassen mehr trinken sollte. Manche Trainees bringen ja ein ganzes Sortiment an Wasserflaschen mit in den Raum, und auch der "Tower of Shame", eine Kombination aus Trinkflasche und Kühlbox, wird immer häufiger gesichtet. Ich beschränke mich nach wie vor auf meine 1l Trinkflasche, die ich zumeist jeweils zur Hälfte mit Gatorade und Eiswürfeln befülle, was mir am Ende der Stunde ein immer noch einigermassen kühles und nicht allzu süsses isotonisches Getränk beschert :-) Unmittelbar nach der Stunde verputze ich während des Ausschwitzens in der "Wechselzone" (ein Begriff aus dem Triathlonsport, der aber hier auch ganz gut passt...) meist noch eine Grapefruit... und mit einem ZICO Kokoswasser und Instant-Misosuppe aus meinem multitalentierten Reiskocher ist das Kopfweh-Problem dann auch recht schnell wieder aus der Welt geschafft!

In diesem Sinne: 44 classes down, 56 to go!

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