Sonntag, 21. August 2011

Wiedersehen in Elk Grove!


Mit Sacramento, einst Ausgangspunkt des Goldrausches und nun Hauptstadt Kaliforniens, konnte ich nach Los Angeles, San Francisco, San Jose, Oakland & San Diego nun auch die letzte Metropole Kaliforniens als "besucht" abhaken. Und es gab gleich ein doppeltes Wiedersehen zu feiern; erstens mit Calexico, die ich nach dem Open-Air-Konzert in Saratoga am 1. Juli in Sacramento am 18. August ein zweites Mal zu sehen bekam; und zweitens mit Adam Kelly, einem Kollegen aus der Group 10 während des Bikram Yoga Teacher Trainings. Er hatte bereits während des Trainings einen Job in Elk Grove, einem Vorort von Sacramento, ergattert und unterrichtete dort mittlerweile seit einem Monat.

Nachdem Sacramento ausserdem eine Drehscheibe des AMTRAK Streckennetzes ist und ich hier vom California Zephyr in den Coast Starlight umsteigen musste, war es naheliegend gleich ein paar Tage in der kalifornischen Hauptstadt zu verbringen und mir bei der Gelegenheit auch das California State Railway Museum anzusehen. Nachdem ich soviel mit der Bahn unterwegs bin, war es natürlich interessant ein bisschen mehr über die Geschichte der Eisenbahn in den USA zu erfahren, und das Museum erfüllte diese Erwartungen in jeder Hinsicht. Neben den alten Zügen & Waggons fand ich vor allem die Schauräume zur Entstehung des Schienennetzes interessant. 1862 unterzeichnete Präsident Abraham Lincoln den "Pacific Railway Act", und ebnete damit den Weg für die erste transkontinentale Eisenbahnstrecke, welche gleichzeitig von Sacramento (in östlicher Richtung) bzw. dem Missouri River (in westlicher Richtung) errichtet wurde. Die Verlegung des Streckennetzes erfolgte in Rekordtempo (der 1867 aufgestellte Rekord von 10 Meilen an einem einzigen Tag steht bis heute!) und es brauchte geschätzte 21 Millionen Hammerschläge bis zur Fertigstellung. Tausende Arbeiter aus der chinesischen Provinz Kwantung wurden dafür "importiert", und sollten den Grundstock für die vielen "Chinatowns" bilden, die daraufhin in den Städten an der Westküste entstanden. Am östlichen Ende der Strecke wurden vor allem Ex-Soldaten und irische Immigranten für die Arbeiten herangezogen, und ich brauche wohl nicht zu verraten welche der beiden Gruppen schon damals die effizientere war!


Die chinesichen Immigranten waren hauptverantwortlich für das Verlegen der Schienen durch die Sierra Nevada, eine beschwerliche und gefährliche Arbeit. Tunnels mussten mit Schwarzpulver freigesprengt werden (nachdem sich das neue Nitroglyzerin als zu gefährlich erwies) und aufgrund der strengen Winter in der High Sierra mussten rund 60 Kilometer der Strecke mit Holzhütten überdacht werden, um die Strecke schneefrei zu halten. Lawinen im Winter und Feuergefahr durch die alten Dampfloks im Sommer machten die woodsheds jedoch anfällig für Zerstörung, und sie wurden später durch Blechhütten ersetzt. Heute kommt man mit nur sechseinhalb "überdachten" Kilometern durch den Winter. Das Railroad Museum befindet sich in Old Town Sacramento, wo Häuser im Stile der Goldgräberzeit restauriert wurden, und - ähnlich wie bei uns die Fiaker - Pferdekutschen verkehren, um das Flair dieser Tage aufrechtzuerhalten.


Die grösste Attraktion in Downtown Sacramento ist das State Capitol, bis vor kurzem noch Arbeitsplatz von Ex-"Gouvernator" Arnold Schwarzenegger:


Im Zuge des Calexico Konzerts im Ace of Spades lernte ich ja Amabelle & Jim, ein sehr nettes Paar aus Sacramento kennen. Jim hat viele Jahre für den San Francisco Chronicle gearbeitet. Er war dort Arbeitskollege von Paul Avery, jenem Reporter der im True-Crime-Film Zodiac von Robert Downey Jr. dargestellt wird, und natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen ihn ein bisschen über den "echen" Paul Avery auszufragen. Als Journalist für die Sacramento Press hatte Jim später auch gelegentlich mit der steirischen Eiche zu tun, aber als ich ihn fragte was er denn von unserem bekanntesten Österreicher halte, meinte er nur: "He's very full of himself. I like you more!" Sowas hört man natürlich gerne. Ich logierte im HI-Hostel in Sacramento auch fast so nobel wie Arnold, aber für nur 25$ pro Nacht!


Für die 2 weiteren Nächte übersiedelte ich dann allerdings zu Adam nach Elk Grove, ein idyllisches Fleckchen Suburbia etwa 12 Meilen südlich von Sacramento, wo Adam gemeinsam mit Joe Garrido, einem Yogalehrer aus Chicago, ein schönes Haus inkl. Swimmingpool bezogen hat. Das haben die beiden einer Yoga-Studentin aus dem Studio zu verdanken: deren Mutter hat einen Schlaganfall erlitten und befindet sich bis Oktober in einer Rehab-Klinik; da sie das Haus momentan nicht nutzen kann, hat die Tochter das Haus vorübergehend zum Freundschaftspreis an das Studio vermietet, welches nur 10 Minuten entfernt ist. Wir konnten am Samstag zu Fuss zur 8 Uhr Yogaklasse gehen, ansonsten verbrachte ich meine Zeit hauptsächlich mit dolce far niente am Swimmingpool.


Am Freitag waren Adam & ich im einzig nennenswerten Lokal von Elk Grove eine Runde Billard spielen. Wie schon zuvor Marc Gray in Tijuana hatte auch Adam meinen Künsten am Billardtisch nichts entgegenzusetzen und verlor mit 0:2. Das Lokal hatte immerhin auch gleichzeitig eine Classic-Rock-Band, Sportfernsehen & eine passable Küche zu bieten, nur junge Leute scheinen in Elk Grove etwas Mangelware zu sein, und das gilt - zum Leidwesen Adam's - auch fürs Yogastudio.


Am Samstag schlief ich um 18 Uhr während eines Baseballspiels vor dem Fernseher ein und wachte erst um 23 Uhr wieder auf. Mein Schlafrhythmus scheint noch ein bisschen durcheinander vom Konzert und der langen Bahnfahrt mit dem California Zephyr. Und nachdem ich am Sonntag exakt um Mitternacht den Coast Starlight in Richtung Pacific Northwest besteigen werde, werd ich wohl auch in Portland/Oregon (geplante Ankunft Montag 15:30) erstmal einen Tag zur Erholung brauchen!

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